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Kommentar · Wohnen und Parken in der neuen Siedlung

Die Tiefgarage lebe hoch!

Jetzt glaubt auch Rottenburgs OB Stephan Neher, dass Parkplätze, Parkhäuser und Tiefgaragen bald überflüssig sind. Weil es dann selbstfahrende Autos gibt, die rund um die Uhr alle Menschen ganz fix punktgenau dahin bringen, wohin sie wollen.

17.05.2018

Von Gert Fleischer

Seit Jahren beschreiben Trendforscher Szenarien, in denen Autos ohne Fahrer und ohne bedeutende Standzeiten hin und her wuseln und Leute transportieren, die beseelt im Inneren sitzen und sinnvolleren Dingen nachgehen, als am Lenkrad zu sitzen. Dass diese Autos aneinander vorbei flutschen, ohne sich zu schrammen, ist wunderbar. Dass keine Ampeln mehr nötig sein sollen, ist noch wunderbarer.

„Selbstfahrende Autos: Das Ende von Bahn, ÖPNV & Taxi?“ Das ist eine der Trend-Schlagzeilen. Weshalb will Neher trotzdem den Anschluss des neuen Wohngebiets „Dätzweg II“ an die Regionalstadtbahn? Schienen- und liniengebundene Sammelbeförderung per Bahn oder Bus ist uncool, wenn mir ein Selbstfahr-Shuttle den Weg von der Wohnung zur Haltestelle und von der Haltestelle zum Büro oder zum Kino erspart. Solche archaischen Monstren sind allenfalls noch interessant zur Massenbeförderung über lange Strecken, etwa wenn der VfB in Hamburg spielt. Aber jetzt ist Nehers unabsteigbarer HSV gerade abgestiegen . . .

Einige der Vorausdenker reden sogar vom kostenlosen ÖPNV. Das ist klasse. Aber wer bezahlt ihn?

Der Fahrdienstvermittler Lyft prognostiziert für etwa 2025 das Aussterben des privaten Autobesitzes. Dann benötigt niemand mehr einen Parkplatz. Manche Leute machen sich schon Gedanken, was mit den Tiefgaragen geschieht. Als bräuchte der Schwabe keinen Raum für seinen Anhänger! Oder für anderen Kruscht. Die massigen Wohnmobile, die überall rumstehen, passen leider nicht rein.

Was ist, wenn viele Menschen den Transport mit selbstfahrenden Taxis, Shuttles oder Bussen nicht annehmen? Wie bisher auch. Weil sie nicht mit Leuten auf engem Raum zusammen sein wollen, die sie nicht mögen. Weil sie sich nicht auf Sitze setzen wollen, auf denen andere Flecken vom Kaffee to go und Brocken vom süßen Stückle zurücklassen? Weil vorne nicht mehr eine quasi-offizielle Person sitzt, von der man sich notfalls Beistand erhofft? Was ist, wenn viele Menschen einfach ihr Auto behalten wollen, weil es ihres ist, weil sie sich darin benehmen können, wie sie es wollen? Und wo sollen junge Leute ihre ersten sexuellen Erfahrungen machen?

Bis heute nimmt der Bestand an Personenwagen in Deutschland Jahr für Jahr kontinuierlich zu, im vergangenen Jahr um fast 800 000. Immer häufiger parken Autos in Grünanlagen, weil ihre Halter nirgendwo mehr einen Platz finden. Gibt es wirklich in ein paar Jahren keine Privatfahrzeuge mehr? Ich glaube es nicht.

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Erstellt:
17. Mai 2018, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
17. Mai 2018, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 17. Mai 2018, 01:00 Uhr

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