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Banking

Die Tan-Liste ist reif für den Müll

Vom 14. September an ist mehr als Pin und Kontonummer notwendig. Auch beim Zahlen mit Kreditkarte ändert sich etwas.

17.08.2019

Von ROLF OBERTREIS

Muss demnächst zum Altpapier: die Liste mit Tan-Nummern. Foto: swp

Frankfurt/Main. Unter Menschen soll es ja Wegwerfer geben und solche, die am liebsten alles Mögliche horten. Die Wegwerfer dürfen sich freuen: am 14. September können sie alle Transaktions(Tan)-Listen im Altpapier entsorgen. Das Aus für die Zahlenreihen, die für Überweisungen am Computer nötig sind, ist die EU-Zahlungsrichtlinie PSD2, die Bankgeschäfte sicherer machen soll.

Was wird anders? Online-Banking wird umständlicher. Nutzer müssen vor Öffnung des Zugangs mehr Sicherheitsverfahren durchlaufen. Pin und Kontonummer allein genügen nicht mehr zur Identifikation, ein weiteres Element ist erforderlich. Das können eine aktuell übermittelte Tan sein, ein Passwort, ein per Smartphone übermittelter Fingerabdruck, Gesichtserkennung oder das Einstecken der Geldkarte in einen Tan-Generator. Eine weitere Variante heißt Photo-Tan: Hier wandelt eine App eine Grafik in einen entsprechenden Zahlencode um. Kunden, die das Papier-Verfahren noch nutzen, müssen sich mit einer Alternative anfreunden. „Mehr Sicherheit bedeutet etwas weniger Komfort“, sagt Tanja Beller vom Bundesverband Deutscher Banken.

Wer benutzt welche Tan-Verfahren? Die Alternativen hängen von der Bank ab. Bei der Deutschen Bank etwa genügt beim Smartphone die einmalig per Tan bestätigte Anbindung an das eigene Konto. Danach ist der Konto-Zugang über die App wie bisher möglich – mit Pin, Fingerabdruck oder Gesichtserkennung.

Was kostet das? Während für die Photo-Tan keine Kosten anfallen, halten die Institute für SMS-Tans die Hand auf: Pro SMS werden zwischen 9 und 20 Cent fällig. Auch für einen Tan-Generator müssen die Kunden einmalig zahlen – zwischen 15 und 45 EUR. Freilich gibt es Ausnahmen von der „starken“ Authentifizierung. Online-Zahlungen von unter 30 EUR oder 5 Transaktion hintereinander mit einem Gesamtbetrag von 100 EUR benötigen keine weitere Autorisierung. „An der Ladenkasse ändert sich ohnehin nichts. Die Pin oder die Unterschrift genügen, so wie bisher“, versichert Beller.

Was ändert sich bei Kreditkarten? Wer Einkäufe im Netz mit seiner Kreditkarte bezahlen will, braucht ebenso wie bei sonstigen Onlineüberweisungen zwei Faktoren zur Authentifizierung. Die meisten Kunden sollten bereits per Post von ihrem Kreditinstitut darüber informiert worden sein, dass Kartennummer und Prüfziffer bald nicht mehr ausreichen. In manchen Fällen wird schon vor dem Stichtag im September eine zusätzliche Tan oder ein anderer Faktor verlangt.

Was sind mögliche Nachteile? Wer mTans auf dem gleichen Handy empfängt, das für Bankgesschäfte genutzt wird, macht es Hackern einfach – besser ist es, die Tan auf einem anderen Gerät zu empfangen. Probleme können auch kleinere Unternehmen und Reiseveranstalter bekommen, die nur oder auch online verkaufen. „Vielen drohen massive Umsatzausfälle, weil ihre Systeme noch nicht auf die erforderlichen zusätzlichen Sicherungen bei Kreditkartenzahlungen eingestellt sind“, sagt Bitkom-Experte Julian Grigo. „Schätzungen zufolge sind sich 75 Prozent der Händler der Änderungen nicht bewusst“, heißt es bei Bitkom. Ulrich Binnebößel vom Handelsverband HDE moniert, Details der Regulierung seien viel zu spät veröffentlicht worden. Umfragen zufolge drohen dem Handel in Europa im ersten Jahr nach der Umstellung Umsatzeinbußen von 57 Mrd. EUR.

Was bringen die neuen Dienste noch? Kontoinformationsdienste können auf sämtliche freigegebenen Konten zugreifen. „Die Daten werden über den Dienstleister gebündelt und aufbereitet“, erläutert Malte Fritsche, Referent beim Bundesverband Deutsche Startups. Über zugelassene Dienstleister können auch Dritte Hinweise zur Finanzlage des Kunden bekommen, so Fritsche. Etwa Eigentümer, Immobilienmakler oder Kreditvermittler, die die Bonität prüfen wollen. Yvonne Röhling, Referentin der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt, gibt zu bedenken: „Will ich, dass jeder sieht, wieviel Gehalt, Rente, Kindergeld ich bekomme?“ Außerdem bereitet ihr Bauchschmerzen, dass Kontoinformationsdienste aus ihrem Wissen Kapital schlagen, indem sie Verbrauchern unter anderem Vorschläge zum Wechsel von Versicherungen oder Stromanbietern offerieren und von diesen Provisionen erhalten. Dass Drittanbieter wirklich günstig seien, sei nicht gewährleistet. (mit dpa)

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Erstellt:
17. August 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
17. August 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 17. August 2019, 06:00 Uhr

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