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Familiendrama

Die Suche nach dem Tatmotiv

Die Polizei rekonstruiert die Bluttat von Winterlingen. Der Verdächtige war im Ort integriert und beliebt.

04.04.2018

Von MICHAEL WÜRZ

Der Tatort in Winterlingen. Foto: Noelke/Sueddeutsche Mediengesellschaft /dpa

Winterlingen. Dienstagmorgen in der Ortsdurchfahrt von Winterlingen im Zollernalbkreis: Beamte der Kriminalpolizei fahren vor, laden Equipment aus, mit dem sie das Familiendrama rekonstruieren wollen, das sich am Ostersonntag hier in einer Wohnung zugetragen hatte. Die Staatsanwaltschaft wirft einem 48-jährigen Mann vor, dabei seine 41 Jahre alte Frau erschossen zu haben. „In erster Linie geht es nun darum, den Tathergang zu rekonstruieren, die Vorgeschichte zu beleuchten und die Motivlage zu ermitteln“, sagt Jens Gruhl, Chef der Hechinger Staatsanwaltschaft. Die Ermittler sollen auch prüfen, ob es juristische Mordmerkmale gibt. Denn davon hängt ab, ob der Tatverdächtige, der in der JVA Hechingen in U-Haft sitzt, wegen Totschlags oder Mordes angeklagt wird. „Bereits in rund drei Monaten könnte eventuell Anklage erhoben werden“, wagt Gruhl eine erste vorsichtige Prognose.

Der Mann, der jetzt im Gefängnis sitzt, kommt bereits als kleiner Bub nach Deutschland, stammt entgegen ersten Angaben der Staatsanwaltschaft wohl aus dem Kosovo, nicht aus Serbien. Als Jugendlicher integriert er sich gut, lernt die – schwäbische – Sprache, spielt begeistert Fußball im örtlichen Verein. Sein Trainer damals: Roland Heck, heute stellvertretender Bürgermeister in Winterlingen. „Wenn einer im Ort integriert war, dann er“, sagt Heck, der jahrelang mit dem Tatverdächtigen Kontakt hatte. „Er war immer zuverlässig, höflich und zuvorkommend.“

Unfall als Schicksalsschlag

Heck verfolgt im Laufe der Zeit, wie der Mann einen verantwortungsvollen Job in einer Firma bekommt, aber auch wie ein Unfall ihn aus der Bahn wirft: Ein Auto erfasst den heute 48-Jährigen vor einigen Jahren bei Truchtelfingen. Nach der monatelangen Reha fasst er nicht mehr Fuß, auch seine erste Ehe geht zu Bruch.

2016, die Erstaufnahmestelle in Meßstetten ist hoffnungslos überbelegt, fängt er dort bei der Sicherheitsfirma an. Den Job macht er nicht lange, der Belastung sieht der Tatverdächtige sich nicht gewachsen, schildert Heck. „Vor zwei Wochen habe ich ihn noch gesehen, er war mit zwei seiner Kinder spazieren“, erinnert sich Heck gestern. „Er hat nett gegrüßt, er schien ein positiver Mensch zu sein, nicht verbittert.“

Dann passiert das Unfassbare: Am Sonntag, kurz nach 19 Uhr, die Familie ist beisammen, zieht der 48-Jährige den Ermittlungen zufolge eine Waffe, schießt auf seine Frau, tötet sie. Die Frau hinterlässt mehrere Kinder, wohl ein Mädchen und einen Jungen im jugendlichen Alter sowie ein Mädchen und einen Jungen im Grundschulalter. Michael Würz

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Erstellt:
4. April 2018, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
4. April 2018, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 4. April 2018, 06:00 Uhr

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