Pro Jahr 140 000 Kilowatt Strom

Die Stadtwerke reaktivierten ein Wasserkraftwerk an der Starzel und bauten eine Fischtreppe

Rund 60 Interessierte kamen am Freitag zur Brunnen Burgmühle zwischen Wachendorf und Frommenhausen, wo die Stadtwerke Rottenburg eine Fischtreppe gebaut und ein stillgelegenen Wasserkraftwerkes wieder in Betrieb genommen haben.

22.09.2014

Von Ifigenia Stogios

Wachendorf. Das Stauwerk bei der Burgmühle gibt es schon seit 100 Jahren. Der Rückbau der Wehranlage war eine Auflage, um dem Artenschutz gerecht zu werden, wie der Vorsitzende des Zweckverbands Starzel-Wasserversorgungsgruppe Kurt Hallmayer erklärte. Ganz gleich, ob das Wasserrecht nun weiter genutzt worden wäre oder nicht, der Zweckverband hätte die Rampe aus ökologischen Gründen ohnehin bauen müssen, Die Erneuerung der Gesamtanlage kostete rund 250 000 Euro. Die Modernisierung des Wasserkraftwerkes begann Ende des Jahres 2013.

Ein Kilometer langer, unterirdischer Kanal

Zur Kraftwerksanlage gehört eine Wehranlage, die die Starzel aufstaut, um einen Teil des Wassers zur Turbine zu leiten, sowie das Gebäude Burgmühle, in dem die Turbine zur Erzeugung des Stroms untergebracht ist. Beide liegen zirka einen Kilometer weit auseinander und sind durch einen unterirdischen Kanal miteinander verbunden.

Markus Heberle, der für die Planung und Überwachung des Umbaus zuständig war, erklärte, wie die Anlage nun funktioniert. Durch den Bau einer sogenannten Rauen Rampe – eine Art Fischtreppe – wurde die Durchgängigkeit für Fische und andere Wasserlebewesen wesentlich verbessert, da die Fische die Rampe in beide Richtungen überqueren können. Die Anlage ist so konzipiert, dass nie das ganze Wasser vom Kanal in Richtung Turbine abfließt. Dies, damit immer eine Mindestmenge Wasser in der Starzel bleibt, die über die flach abfallende Raue Rampe fließt. Das Rinnsal erlaubt es den Fischen, flussaufwärts oder abwärts zu wandern, ohne hohe Hindernisse überwinden zu müssen. Damit die Fische nicht in den Kraftwerkskanal schwimmen, wurde am Kanaleinlauf eine automatische Rechenanlage mit einem Stababstand von nur 1,5 Zentimetern eingebaut.

Nach der Besichtigung der Rauen Rampe wanderten die Besucher zur Pumpstation hinüber, wo sie die neue Turbine besichtigenten. Diese besteht aus zwei Kammern mit zwei Laufrädern. Die Kammern für die Wassermenge sind zu 2/3 und zu 1/3 aufgeteilt Die kleinere Kammer wird bei kleinen Wasserströmen benutzt, die größere bei mittlerer Wassermenge. Bei großem Wasseraufkommen werden beide Kammern durchströmt. Durch diese Bauweise wird der Wirkungsgrad bei verschiedenen Wassermengen wesentlich verbessert, dadurch erhöht sich die jährlich erzeugte Strommenge.

Strom Tag und Nacht verfügbar

Der größte Vorteil der Wasserkraft- im Gegensatz zur Photovoltaiknutzung ist die Verfügbarkeit des Stroms bei Tag und bei Nacht, erklärte der Technische Leiter der Stadtwerke, Dieter Pfeffer. Das Kraftwerk soll pro Jahr 140 000 Kilowatt(stunden) Strom pro Jahr liefern und eine Laufzeit von 50 Jahren haben, so Pfeffer. „Wir wollen weiterhin in die Wasserkraftnutzung investieren. Im Neckar gibt es auch Potenziale, die geschöpft werden können“, betonte Bürgermeister Stephan Neher.

In der Pumpstation sorgte im Anschluss der Akkordeon-Club Rottenburg für das musikalische Wohlergehen der Gäste. Ein Buffet mit Schnitzel, Fleischkäse und Zwiebelkuchen gab es auch noch.

Einweihung der Rauen Rampe an der Brunnen Burgmühle an der Starzel. Markus Heberle, der für die Planung und Bauüberwachung der Anlage zuständig war, erklärte, wie sie nun funktioniert. Bild: Stogios

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Erstellt:
22. September 2014, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
22. September 2014, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 22. September 2014, 12:00 Uhr

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