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Jobs gegen den Lagerkoller

Die Stadt Reutlingen bietet seit gestern Flüchtlingen Arbeitsgelegenheiten an

Gestern hat die Stadt Reutlingen mit einem Programm begonnen, das 15 Arbeitsgelegenheiten für Asylbewerber schafft. Bei den Technischen Betriebsdiensten (TBR) haben die ersten beiden Flüchtlinge mit ihren Jobs begonnen.

13.10.2015
  • Thomas de Marco

Reutlingen. Für Mbye Njie aus Gambia und Joshua Emmanuel aus Nigeria hat sich eine große Chance aufgetan, den drögen Alltag in der Asylbewerberunterkunft in der Betzinger Carl-Zeiss-Straße zu verlassen und ihrem Dasein neue Struktur zu geben: Sie haben die ersten beiden Arbeitsgelegenheiten gemäß Asylbewerber-Leistungsgesetz bei den TBR bekommen. „Es tut gut, mal unter andere Leute zu kommen“, sagt Mbye Njie.

Jeder der beiden kann 25 Stunden pro Woche, verteilt auf drei Tage, bei den Betriebsdiensten arbeiten. Dafür gibt es pro Stunde eine Aufwandsentschädigung von 1,05 Euro sowie eine Busfahrkarte. Dabei hatte die Stadtverwaltung darauf zu achten, dass sie neue Jobs schafft mit Tätigkeiten, die sonst nicht gemacht würden. Diese Arbeitsgelegenheiten mussten dem Landratsamt vorgelegt werden, damit die Aufsichtsbehörde diese Jobs auch genehmigt, erklärt Thomas Weiblen vom Hauptamt. Denn diese Ein-Euro-Jobs dürfen keine regulären Arbeitsplätze ersetzen. Deshalb werden Tätigkeiten vermittelt wie die Wildkräuter-Entfernung, die ansonst nicht anfallen würden.

„Neben der Unterbringung ist besonders wichtig, dass wir den Asylbewerbern und Flüchtlingen bei der Integration ins örtliche Leben und vor allem auch in Berufe helfen“, sagt Reutlingens Verwaltungsbürgermeister Robert Hahn. Dabei gelte in diesen Fällen ganz besonders, dass Arbeit mehr als Geldverdienen sei. Denn diese Tätigkeiten steigerten das Selbstwertgefühl dieser Personen.

Hohe Bereitschaft der Asylbewerber

Deshalb sind diese Jobs auch begehrt. „Wir haben neun Leute zu Vorstellungsgesprächen eingeladen – und alle sind auch gekommen“, erklärt Weiblen. Allerdings seien nicht alle geeignet gewesen, sagt Matthias Kuster von den Technischen Betriebsdiensten. Das Auswahlverfahren sei schwierig, ergänzt Hahn. „Vor allem zeigt sich, dass der Spracherwerb die zentrale Aufgabe ist. Da sind wir gefordert, noch viele Sprachkurse sind notwendig.“

So ist die Suche nach Arbeitsgelegenheiten zunächst auch durchaus auf Skepsis gestoßen in den Ämtern. „Es geht nicht nur um die fachliche Eignung der Bewerber, sondern auch um Sprachkenntnisse und vor allem um Einhaltung von Sicherheitsbestimmungen“, sagt Kuster. Jetzt seien die Betriebsdienste allerdings außerordentlich froh, dass die beiden Asylbewerber gestern nach der amtsärztlichen Untersuchung mit ihren Tätigkeiten angefangen haben. Sie werden bei der Stadtreinigung sowie auf dem Betriebsgelände eingesetzt.

„Sie sind sehr gut aufgenommen worden und zeigen eine hohe Bereitschaft zu arbeiten“, erklärt Kuster. Er verweist allerdings auch darauf, dass mit Hilfe von Sozialbetreuern in den Unterkünften bereits vorausgewählt worden war, wer für diese Jobs in Frage komme.

Weiblen vom städtischen Hauptamt ist froh, das sich die verschiedenen Dienststellen gut eingebracht haben bei der Schaffung solcher Arbeitsgelegenheiten für Flüchtlinge. Denn bei den beiden Jobs soll es nicht bleiben: Acht bis neun weitere Personen sollen demnächst bei den TBR arbeiten können. Dazu kommen Möglichkeiten, kleinere Aufgaben in den Unterkünften selbst zu übernehmen oder Hausmeistern zu helfen, etwa in Kindertagesstätten.

15 Arbeitsgelegenheiten werden geschaffen

Insgesamt will die Stadt 15 solcher Arbeitsgelegenheiten schaffen. „Das ist ein erster Schritt, mit dem wir auch Vorbildfunktion demonstrieren“, sagt Verwaltungsbürgermeister Hahn. Alle Kommunen oder gemeinnützigen Träger hätten ebenfalls die Möglichkeit, solche Jobs einzurichten.

Die Stadt Reutlingen bietet seit gestern Flüchtlingen Arbeitsgelegenheiten an
Raus aus dem Lager, rein in den Job (von links): Joshua Emmanuel (Nigeria) und Mbye Njie (Gambia) haben gestern bei den Technischen Betriebsdiensten begonnen. Daneben die Jobpaten Andrea Schuster-Koch, Ntansel Kingata und Assane Ndoye, alle langjährige Mitarbeiter bei den TBR.Bild: Stadt

Um den neuen Mitarbeitern den Einstand zu erleichtern, haben die Verantwortlichen bei den Technischen Betriebsdiensten (TBR) in den eigenen Reihen nach freiwilligen Arbeitspaten gesucht – und sind schnell fündig geworden: Andrea Schuster-Koch und Ntansel Kingata kümmern sich um Mbye Njie aus Gambia, Assane Ndoye ist Jobpate des Nigerianers Joshua Emmanuel. „Sie machen alle sehr gerne mit“, sagt Matthias Kuster. Zudem profitieren die beiden Flüchtlinge davon, dass ihr Vorgesetzter Kenntnisse von Land und Leuten in den Herkunftsregionen der beiden besitze.

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13.10.2015, 12:00 Uhr
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