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Die Smog-geplagten Chinesen investieren massiv in grüne Energie
Kohlekraftwerk in Xining: China verbrennt gewaltige Mengen Kohle, um seinen Energiebedarf zu stillen, was erheblich zur Luftverschmutzung beiträgt. Foto: dpa
Klimasünder wacht auf

Die Smog-geplagten Chinesen investieren massiv in grüne Energie

China will beim Klimaschutz vorpreschen - aus Eigeninteresse. Denn inzwischen ist kaum ein Land so sehr geplagt von Smog und den Auswirkungen des Klimawandels wie die Volksrepublik selbst.

03.12.2015
  • FELIX LEE

Peking. Es ist weiß, eiförmig, etwas größer als ein Tennisball und mit einer digitalen Anzeige ausgestattet, die an jeder Stelle, wo es aufgestellt wird, die Luftverschmutzung anzeigt. Erst vor drei Wochen hat sich der Autor dieses Textes dieses Gadget zugelegt. In der Küche zeigt es in diesen Tagen einen PM 2,5-Wert von 267 an. Im Badezimmer sind es 326. Im Schlafzimmer dröhnt der Luftreiniger auf höchster Stufe. Und trotzdem fällt der Wert nicht unter die 200-Marke. Dann wird ein Spaltbreit das Fenster geöffnet: 608. Die Anzeige auf dem Ei blinkt rot: "Hazarodous" - gefährlich.

Bei diesen Werten handelt es sich um die Mengenangabe winziger Partikel pro Kubikmeter Luft, die einen Durchmesser von weniger als 2,5 Mikrometer haben, überall in der Luft herumschwirren und über die Atemwege in die Blutbahn geraten und Krebs auslösen können. Die Weltgesundheitsorganisation hält einen Wert von unter 25 Mikrogramm für unbedenklich. Die Menschen in Peking haben bis gestern fast das 25-Fache davon eingeatmet.

Tagelang hüllte eine dichte Smogdecke Chinas Hauptstadt ein. Gelbliche Nebelschleier schränken die Sicht auf unter zehn Metern ein. Schulen und Kindergärten stoppten Freiluft-Aktivitäten. Tausende Fabriken mussten ihr Produktion einstellen. Erstmals in diesem Winter hatten die Behörden die zweithöchste Alarmstufe "Orange" ausgerufen. Kinder und alte Leute sollen wegen der Schadstoffe nicht mehr vor die Tür gehen.

Solche Wetterlagen treffen keineswegs nur Peking. Der dichte Smog bedeckte in Nordchina eine Fläche, die größer ist als Frankreich und Deutschland zusammen und mehr Einwohner zählt als ganz Europa. Wer es sich leisten kann, hat teure Luftreiniger bei sich zu Hause stehen. Wer trotzdem ins Freie muss, trägt eine Atemmaske. Und trotzdem schmerzt der Hals, die Augen tränen, der Kopf dröhnt. Im Internet wird eine Ärztin zitiert, die davon abriet, an die gesundheitlichen Langzeitfolgen zu denken. "Das verstärkt die Kopfschmerzen nur."

Umso mehr blicken die Chinesen auf den Klimagipfel in Paris. Anders als vor sechs Jahren in Kopenhagen hat die chinesische Führung im Vorfeld versprochen, nicht als große Bremserin bei den Klimaverhandlungen aufzutreten, sondern als Hoffnungsträgerin.

Die gewaltigen Mengen an Kohle, die China tagtäglich verbrennt, tragen nicht nur zur Luftverschmutzung bei, sondern auch zur Erwärmung der Atmosphäre. Im Norden und Westen des Landes fressen sich die Geröllwüsten immer tiefer ins einst fruchtbare Kernland hinein. Im Süden des Landes kommt es im Sommer regelmäßig zu verheerenden Wirbelstürmen und Überschwemmungen. Auf dem Klima-Risiko-Index der Umweltorganisation Germanwatch belegt die Volksrepublik einen Platz ganz vorne.

Diese Katastrophen haben das Land aufgerüttelt. Kein Land investiert zurzeit mehr in grüne Energien als China. Hatten die Chinesen viele Jahre lang Solarzellen vor allem für den Rest der Welt hergestellt, verkaufen die chinesischen Firmen das meiste nun im Inland. Im vergangenen Jahr hat China so viele Solar- und Windkraftanlagen errichtet wie der Rest der Welt zusammen.

Entwickelt sich die Volksrepublik also nach langem Zögern nun zum Vorreiter beim Klimaschutz? Trotz aller Anstrengungen gehen selbst die größten Optimisten davon aus, dass es allenfalls gelingen wird, den Kohleverbrauch um etwa drei Prozent im Jahr zu senken.

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03.12.2015, 07:30 Uhr
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