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Die Schüler des Eugen-Bolz-Gymnasiums trugen gestern den Schmotzigen zu Grabe
Mit einem symbolischen Begräbnis protestierten Schülerinnen und Schüler des Eugen-Bolz-Gymnasiums gestern gegen die Umwidmung des Schmotzigen zum Pädagogischen Donnerstag. Bild: Bernhard
Trauer um Fasnetsbrauch

Die Schüler des Eugen-Bolz-Gymnasiums trugen gestern den Schmotzigen zu Grabe

Für einigen Wirbel sorgte am Rottenburger Eugen-Bolz-Gymnasium, dass der Pädagogische Tag in diesem Jahr auf den Schmotzigen gelegt wurde. Damit entfällt die Schülerbefreiung durch die Narrenzunft. Einige Rottenburger fürchten um den traditionellen Fasnetsbrauch.

04.02.2016
  • Dunja Bernhard

Rottenburg. Auffallend viele Schüler/innen waren gestern ganz in Schwarz gekleidet zum Unterricht im Eugen-Bolz-Gymnasium (EBG) gekommen. Mit Spannung erwarteten sie in der großen Pause, was die Schülermitverwaltung (SMV) vorbereitet hatte. Diese informierte in den vergangenen Tagen über Whats-App alle Klassen, dass der Schmotzige am Mittwoch symbolisch beerdigt werden sollte. Auch eine Todesanzeige mit dem 19. November als Todestag des Schmotzigen kursierte. An dem Tag hatte die Schulkonferenz getagt.

Zur Trompetenmusik „Ich hatt einen Kameraden“ legten Mitglieder der SMV eine Trage und weiße Rosen auf dem Schulhof nieder. In der Trauerrede hieß es, dass der Schmotzige für die Schüler immer ein entspannter Schultag zum Feiern mit Freunden war, Das Highlight sei gewesen, die Lehrer verkleidet und mal anders zu erleben. „Beim Zusammentreffen einer uns überlegenen Gruppierung wurde der Schmotzige durch ein Referendum zum Tode verurteilt.“ Sie trauerten um eine langjährige Tradition, die zumindest für dieses Jahr ein Ende gefunden habe.

„Man kann es auch übertreiben.“ und „Ein bisschen aufwendig“, kommentierten zwei Schüler. Sie seien froh, dass sie am Schmotzigen jetzt frei haben. Nach einer viertel Stunde war die Aktion vorbei. Die Schüler gingen wieder in den Unterricht.

Völlig überrascht von der symbolischen Beerdigung war Schulleiter Andreas Greis. „Aber das war ja auch so gedacht“, sagte er später am Telefon. Ihm ginge es nicht darum, den Schmotzigen in der Schule abzuschaffen, sondern an diesem Tag sinnvolle pädagogische Arbeit zu leisten. Für den Pädagogischen Tag, an dem Lehrer sich zu einer schulinternen Fortbildung treffen, falle so kein Unterricht aus. Denn richtiger Unterricht fand auch bisher am Schmotzigen nicht statt. Vielmehr wurde in den Klassen gefeiert bis Narren kamen und die Schüler befreiten.

Den Pädagogischen Tag auf den Schmotzigen zu legen, sei auch nicht seine Entscheidung gewesen, sagt Greis. „Das ist kein perfider Angriff eines in Tübingen wohnenden Schulleiters auf die Rottenburger Kultur“, sagt der im evangelischen Karlsruhe aufgewachsene Katholik. Wobei darüber diskutiert werden könnte, ob die Schülerbefreiung ein Kulturgut sei. Vielmehr habe die Lehrerkonferenz und anschließend die Schulkonferenz, in der jeweils vier Lehrer, Elternvertreter und Schülervertreter sitzen, den Pädagogischen Tag beschlossen.

Die SMV sei ein demokratisches Organ, sagte Greis. Ihren Protest haben sie in angemessener Weise durchgeführt. Niemand müsse Konsequenzen befürchten. – Die Mitglieder der SMV wollten zunächst verhindern, dass die TAGBLATT-Mitarbeiterin die Aktion fotografierte. Sie möchten auch nicht namentlich genannt werden. Die Oberstufenschüler befürchteten dadurch Nachteile.

Bisher organisierte die SMV die Feier am Schmotzigen im EBG. Das habe auch gut funktioniert“, sagte der Schulleiter. Es sei jedoch unwürdig, dass Lehrer Alkoholkontrollen machen mussten. Er sei nicht gegen eine Feier am Schmotzigen. Es gehe ihm jedoch darum, die Begleiterscheinungen, wie vermehrten Alkoholkonsum, zu vermeiden. Mit einem Pädagogischen Tag am Schmotzigen verbinde er keine Aussage über kulturelles Brauchtum. Eine Aussage über künftige Pädagogische Tage und Schmotzige wollte der Schulleiter nicht machen.

Auch am Paul-Klee-Gymnasium fällt am Schmotzigen der Unterricht aus. Zum zweiten Mal legten die Lehrer ihren Pädagogischen Tag auf diesen Termin. Dagegen habe es überhaupt keine Proteste gegeben, sagte Schulleiter Andreas Gathmann. Vielmehr herrsche große Übereinstimmung. Sowohl in der Gesamtlehrerkonferenz als auch in der Schulkonferenz fand der Vorschlag eine große Mehrheit. Der Schmotzige sei eine Alibi- und Alkoholveranstaltung ohne Sinn und Verstand gewesen. Kein Schüler habe Lust auf den Tag gehabt. Die 10. Klassen seien dazu verdonnert worden, etwas zu organisieren. „Das war keine gute Veranstaltung rund um das Thema Fasnet.“

In den Unterricht soll die Fasnetskultur künftig wieder mehr integriert werden, sagte Gathmann. Angedacht ist, dass Fasnetsbräuche im Deutsch- und Geschichtsunterricht behandelt werden. Hästräger könnten in diesem Rahmen in den Unterricht kommen. „Die Schüler sollen so Symbole und Gebräuche der Fasnet verstehen lernen.“ Am diesjährigen Pädagogischen Tag werden dazu erste Konzepte erarbeitet.

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04.02.2016, 02:00 Uhr
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