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Die Sache hat ein Gschmäckle

Schlossherr zu werden, davon träumen viele. Man hat ja eine romantische Vorstellung davon, wie es sich fühlt, in einem ehemaligen Adelssitz zu wohnen. Mancher denkt wohl auch an den Prestigegewinn, den so ein Besitz mit sich bringt.

17.04.2007

Wer sich aber nüchtern überlegt, welche Last mit einem derart großen Bauwerk verbunden ist, lässt lieber die Finger davon. Schlösser und Burgen, einst sichere Festungsanlagen, sind gewaltige Geldvernichtungsanlagen. Selbst alte Adelshäuser wie das der badischen Markgrafen sind überfordert mit dem Erbe ihrer Ahnen. Erst recht jemand, der keine Millionen gebunkert hat wie der Rolling Stone Mick Jagger oder superreiche Hollywood-Schauspieler.

Der Sulzer Unternehmer Oskar Eggenweiler hat sich verleiten lassen und ein Schloss erworben – das schöne Roseck in noch schönerer Aussichtslage auf einem Ausläufer des Schönbuchs. Damit hat er sich gehörig übernommen. 2,7 Millionen Euro überwies er 1993 den Schwestern aus dem Dritten Orden des Heiligen Franziskus zu Heiligenbronn. Die Nonnen hatten ein Problem los, Eggenweiler hatte eines am Hals. Den Schuldendienst vermochte er nicht zu schultern. Wie es gestern beim Zwangsversteigerungstermin hieß, ist die Summe, die seine Geldgeber von ihm fordern, auf über drei Millionen Euro angewachsen.

Wie der Vater hat aber auch der Sohn Markus Eggenweiler eine Beziehung zu Roseck entwickelt. „Ich bleib drin, egal, wie es kommt“, sagte der studierte Betriebswirt der Fachrichtung Mittelständische Wirtschaft. Eine Existenz will er sich im Schloss aufbauen, wo schon die Franziskanerinnen ein Pflegeheim eingerichtet haben. Ein durchaus ehrenwertes Vorhaben, aber wie sich Eggenweiler jr. das Objekt sichern möchte, das hat schon ein Gschmäckle.

Der junge Mann versuchte systematisch, anderen Interessenten Roseck madig zu machen. So gab er kund, dass der Pachtvertrag, den die Pflegegesellschaft seiner Mutter mit dem Vater abgeschlossen hat, auf lange Zeit unkündbar und das Schloss deswegen nur für ihn nutzbar sei. Mit Bedacht lancierte er auch Informationen über die baulichen Mängel des Pflegeheims und der Mauerhäuser, in denen Wohngruppen untergebracht sind. Damit wird er den Angehörigen der Patienten einen schönen Schreck eingejagt haben. Die Wirkung auf Kaufinteressenten war entsprechend: Gestern wagte niemand, für das eigentliche Schloss zu bieten – außer Eggenweiler jr. selbst. So schlimm scheinen die Mängel offenbar nicht zu sein, wenn für ihn selbst das Objekt attraktiv bleibt.

Die ganze Geschichte riecht nach einem abgekarteten Spiel. Wie sie weitergeht, lässt sich unschwer vermuten. Eggenweiler sen. wird durch ein Verbraucherinsolvenzverfahren seine Schulden los werden, und der Sohn gelangt günstig an die Immobilie. Dann bleibt das Schloss im Besitz der Familie, und Eggenweiler sen. kann den Banken eine lange Nase machen. Raimund Weible

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Erstellt:
17. April 2007, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
17. April 2007, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 17. April 2007, 12:00 Uhr

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