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Kommentar

Die Quadratur des Sees

Der Hirschauer Baggersee bietet seinen Fans geradezu paradiesische Badezustände. Sie kommen aus einem Umkreis von mindestens 50 Kilometern an den Ortsrand des Tübinger Stadtteils. Schätzen den See gerade, weil er ein bisschen verwildert ist, kein Parkwächter abkassiert, kein Bademeister den Betrieb regelt und es überhaupt legerer zugeht als in Freibädern oder an vielen anderen Seen, die ihren zahlenden Gästen modische Eventkultur und Curry-Wurst mit Pommes bieten.

25.08.2007

Ein Geheimtipp ist der Hirschauer Baggersee dabei schon lange nicht mehr. Schließlich wird er vom Regierungspräsidium Tübingen offiziell als Badegewässer ausgewiesen und regelmäßig untersucht. Die gute Wasserqualität wird Jahr für Jahr bestätigt.

So mancher Hirschauer aber stört sich genau an dieser Freizügigkeit. Zumal der See auch auf einschlägigen Seiten im Internet als nächtliche Sex-Spielwiese empfohlen wird – wie im übrigen die meisten öffentlich zugänglichen Seen.

Die Einwände gegen das Nacktbaden, vor allem der empörte Hinweis darauf, dass es am See eine Schwulenszene gebe, kommen zwar aufgeregt daher. So richtig ernst nehmen muss man die zur Schau getragene Prüderie aber nicht.

Das jetzt von der Stadtverwaltung vorgelegte Konzept für den See ist jedenfalls kein Sieg für jene, die im ehemals vorderösterreichischen Hirschau noch immer päpstlicher sind als der Papst. Der Plan versucht vielmehr, alle Interessen unter einen Hut zu bringen. Diese auf den ersten Blick an die bekanntlich unmögliche Quadratur des Kreises erinnernde Aufgabe soll mit erstaunlich wenig Aufwand gelingen.

Durch ein paar gestalterische Eingriffe in die Uferlandschaft könnte der See zum wahren Kleinod werden. Ein Schmuckstück, das Naturerlebnis mit einem Hauch Industrie-Museum verbindet und zugleich Nischen bietet für seltene Vögel – und auch Menschen, die in den Augen mancher Hirschauer eher schräge Vögel sind.

Dem See wird es jedenfalls gut tun, wenn er künftig etwas besser gepflegt und dennoch nicht zum Freizeitpark aufgemotzt wird. Doch dazu muss die Stadt etwas Geld in die Hand nehmen und den See kaufen. Solange das Gewässer weitgehend in privatem Firmenbesitz ist, wird nämlich nichts aus der Quadratur des Hirschauer Baggersees. Uschi Hahn

Siehe auch „Attraktiv für alle“

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Erstellt:
25. August 2007, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
25. August 2007, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 25. August 2007, 12:00 Uhr

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