Italien

Die Prinzessin aus dem Allgäu

Die Kemptener Immobilienmaklerin Nina Menegatto wird zur Regentin eines selbsternannten Fürstentums an der Riviera gewählt.

15.08.2020

Von BETTINA GABBE

Nina Dobler Menegatto. Foto: Marco Bertorello/afp

Kempten/Seborga. Klein aber fein: Der malerisch in den Bergen an der italienischen Riviera zwischen San Remo und der französischen Grenze gelegene Ort Seborga zählt weniger als 300 Bewohner, darunter eine deutsche Prinzessin. Nina Menegatto wurde im November als erste Frau zum Staatsoberhaupt des selbsternannten Fürstentums gewählt. Die Krönung der 41-Jährigen wurde wegen der Corona-Pandemie verschoben. Am 20. August wird sie offiziell in ihr Amt eingeführt. Die Prinzessin wird dabei ihre Minister per Ritterschlag ins Amt heben.

Wie im Film

„Jedes Mädchen hat den Traum, Prinzessin zu werden“, erzählt die Mutter einer einjährigen Tochter. „Jetzt bin ich Prinzessin wie im Film.“ Noch ist ihre goldene Krone im örtlichen Tourismusbüro ausgestellt, in dem Touristen Souvenirs mit Wappen und Farben des Fürstentums erwerben. Für Besucher setzt die aus Kempten im Allgäu gebürtige Fürstin das Zeichen ihrer Macht schon mal kurz auf und lächelt. Die Immobilienmaklerin folgt auf dem Thron ihrem Noch-Ehemann, der nach einer Affäre um Fotos mit einer Designerin während seiner zweiten Amtszeit abdankte.

Im Sommer zählt das kleine Bergdorf mit atemberaubendem Blick auf die Küste und die umliegenden Berge bis zu 2000 Einwohner, berichtet die neue Fürstin begeistert. Menegatto will die Zahl der Besucher durch den Bau eines Hotels erhöhen. Denn Seborga ist wie viele andere kleine Orte von Entvölkerung bedroht.

„Von hier aus sieht man vier Länder: Italien, Frankreich, Monaco und Seborga“, schwärmt die Frau mit den im Fürstinnen-Look zurückgebundenen Haaren. Ein Hotel würde Arbeitsplätze für junge Leute schaffen, sagt Menegatto, die selbst in dem 14 Quadratkilometer großen Staat einen Bauernhof betreibt. Bislang gebe es drei Restaurants und Übernachtungsmöglichkeiten in B&Bs, aber kein Hotel. Deutsche, Engländer und Holländer wohnen im Sommer gern in ihren Ferienhäusern rund um das Dorf mit seinen engen Gassen und perfekt restaurierten Steinfassaden. Doch um mehr Einwohner auch im Winter zu halten, müssen neue Arbeitsplätze her, meint Menegatto.

Noch vor ihrer Krönung sieht die deutsche Prinzessin mit den Allgäuer Wurzeln sich Ansprüchen eines anderen Thronanwärters ausgesetzt. Ein Franzose, gegen den in Frankreich Ermittlungen wegen Betrugsvorwürfen laufen sollen, behauptet, legitimer Prinz von Seborga zu sein. Dieser Franzose namens Nicolas Mutte und angebliche Ritterorden, die sich als Souverän von Seborga erklären, „zerstören unser schönes Märchen“, klagt Menegatto.

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Erstellt:
15. August 2020, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
15. August 2020, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 15. August 2020, 06:00 Uhr

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