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Die Preise steigen wieder spürbar
Neben Energie sind zuletzt vor allem auch Lebensmittel deutlich teurer geworden. Foto: dpa
Inflation

Die Preise steigen wieder spürbar

Erstmals seit langer Zeit ist der Warenkorb um mehr als zwei Prozent teurer geworden. Für Sparer ist das keine gute Nachricht. Denn die Zinsen steigen nicht.

04.03.2017
  • ROLF OBERTREIS

Die Preise steigen so deutlich wie seit Jahren nicht mehr: 2,2 Prozent in Deutschland, 2 Prozent in der Eurozone. Auch wenn dies vor allem auf das Konto von Öl und Nahrungsmitteln geht – vor allem für Sparer ist das ein schwacher Trost. Zum ersten Mal müssen auch sie zahlen, wenn sie Geld parken. Die Onlinebank Flatex verlangt einen Negativzins von 0,4 Prozent. Zusammen mit der höheren Inflationsrate ist das für Sparer eine spürbare Einbuße. Im Folgenden die wichtigsten Aspekte des Themas:

Wie ist die aktuelle Entwicklung? Im Februar ist die Inflationsrate in Deutschland von 1,9 Prozent im Januar auf 2,2 Prozent gestiegen, der höchste Wert seit August 2012. Auch in der Eurozone ging es im Februar deutlich nach oben, von 1,8 auf 2 Prozent. Bei knapp 2 Prozent sieht die Europäische Zentralbank (EZB) Preisstabilität erreicht. Damit ist der Theorie nach eine großzügige Geldpolitik nicht mehr angebracht, weil sie die Rate weiter hochtreiben könnte.

Wie steht es mit der Inflationsrate ohne Energie und Nahrungsmittel aus, der sogenannten Kerninflation? Sie ist weiter niedrig und liegt bei 0,9 Prozent. Wenig deutet darauf hin, dass sich das in absehbarer Zeit ändern wird.

Wie wird sich die Teuerungsrate entwickeln? Sie wird vor allem wegen des Ölpreises-Effektes wieder sinken, auf etwa 1,5 Prozent zur Jahresmitte und 1,3 Prozent zum Jahresende, sagen Ökonomen und auch Bundesbank-Präsident Jens Weidmann. „Die Inflationshysterie dürfte wieder etwas nachlassen“, heißt es bei Commerzbank.

Trotzdem hat das Folgen – am sichtbarsten für Verbraucher und für Sparer. Benzin, Diesel und Heizöl sind an der Tanksäule nicht mehr so billig wie vor Jahresfrist. Besonders schmerzhaft wird es für Sparer, die ihr Geld auf dem Sparbuch oder einem Tagesgeldkonto geparkt haben. Auf das Sparbuch gibt es nichts mehr, bei Tagesgeldkonto sind es im Schnitt mickrige 0,18 Prozent. Bei einer Inflationsrate von derzeit 2,2 Prozent verlieren Sparer damit real im Jahr 2 Prozent ihrer Einlage.

Woran liegt das? Der Blick geht zur Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt. Sie hält den Leitzins seit 10. März 2016 bei null Prozent und den Satz für Einlagen der Banken bei minus 0,4 Prozent. An Großanleger geben mehrere Banken die Minuszinsen schon seit längerem weiter, bei der Online-Bank Flatex sind jetzt erstmals auch Kleinanleger betroffen.

Haben Sparer eine Chance, dieser Entwicklung auszuweichen? Solange sie auf das Sparbuch, auf Tagesgeld oder Bundesanleihen setzen nicht. Bei letzteren freut sich nur der Finanzminister, weil er so günstig Schulden machen kann wie nie oder sogar noch Geld dafür bekommt. Eine Alternative für Sparer wären solide, dividendenstarke Aktien oder Aktienfonds. Allerdings müssen sie mit dem Risiko von Kursschwankungen leben können. Experten raten deshalb zur einer längerfristigen Aktienanlage, am besten fünf Jahre und länger.

Wann steigen die EZB-Zinsen wieder? Das ist völlig offen. Am kommenden Donnerstag trifft sich der 25-köpfige Rat der EZB. Bislang gibt es allerdings keinerlei Anzeichen für eine Zinswende. EZB-Chef Mario Draghi hält an seinem Kurs fest und hat die Mehrheit hinter sich. Die Notenbank werde weiter abwarten, glaubt man bei der Commerzbank. Zinsen und Renditen werden auch gedrückt, weil die EZB Monat für Monat Staatsanleihen der Euroländer kauft. Das Programm läuft noch bis mindestens Ende 2017, auch wenn die monatlichen Käufe ab April von 80 auf 60 Mrd. EUR reduziert werden. Auch dies führt dazu, dass die Sparzinsen im Keller bleiben dürften.

Was sagen Experten? Die Meinungen sind gespalten, aber es mehren sich Stimmen, die von der EZB endlich ein Signal für ein allmähliches Ende der großzügigen Geldpolitik verlangen. Das so genannte „Tapering“ und damit ein schnelleres Zurückfahren der Anleihekäufe sei ebenso wünschenswert wie die Anhebung des Einlagesatzes für Banken, heißt es etwa bei der Allianz.

Das Deutsche Institut für Wirtschaft (DIW) warnt davor, dass die hohen Energiepreise auf andere Preise durchschlagen. Deshalb sollte die EZB die Zinsen behutsam anheben. Die Commerzbank erwartet dagegen erst eine Änderung der EZB-Politik, wenn sich auch die Kerninflation wieder Richtung 2 Prozent bewegt. Damit sei allerdings erst 2018 zu rechnen.

Auch KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner rechnet nicht mit der EZB. Eine nachhaltige Normalisierung der Inflationsrate habe bisher schließlich nicht stattgefunden.

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04.03.2017, 06:00 Uhr
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