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Übernahme der Bäckerei Gulde: Rettung nach acht Monaten

Die Öschinger Bäckerei U. Schneider übernimmt den insolventen Kollegen aus Ofterdingen

Viel Konkurrenz, dazu noch Druck von Back-Shops, Tankstellen und Discountern: Nach eigenen Angaben waren es vor allem massive Veränderungen am Markt, die den Ofterdinger Bäckerei-Filialisten Gulde ins Straucheln brachten.

03.07.2018

Von Moritz Siebert

Konkurrenzdruck trieb das Ofterdinger Bäckerei-Unternehmen Gulde im Herbst vergangenen Jahres in die Insolvenz. Die Mitarbeiter hielten den Betrieb trotz ungewisser Zukunft über Monate am Laufen. Archivbild: Franke

Im September vergangenen Jahres musste der Familienbetrieb, der zu diesem Zeitpunkt bereits seit 140 Jahren existierte, Insolvenz anmelden (wir berichteten). Im November wurde das Insolvenzverfahren eröffnet. Die damals noch rund 300 Mitarbeiter stemmten den Betrieb weiter – trotz vollkommen unsicherer Zukunft.

Acht Monate später gibt es gute Nachrichten: Obwohl die Marktlage schwierig ist, sei es gelungen, einen Abnehmer für das Unternehmen zu finden, teilte am Montag der Reutlinger Rechtsanwalt Jürgen Sulz mit, der die Gulde-Insolvenz verwaltete. Die Öschinger Bäckerei U. Schneider übernehme den Produktionsbetrieb und die verbliebenen Filialen im Sinne einer übertragenden Sanierung. Das heißt, der Betrieb wird auf eine andere GmbH übertragen. U. Schneider sei damit seit Sonntag neuer Inhaber von Gulde.

Die Dauer des Insolvenzverfahrens mit acht Monaten beschreibt Sulz als ungewöhnlich lange. Ohne das Engagement der Mitarbeiter wäre es wohl auch nicht möglich gewesen, den Betrieb über so lange Zeit aufrecht zu erhalten. Und das wiederum war Voraussetzung für die Übernahme des Unternehmens durch einen Interessenten.

Filialnetz abgespeckt

Bis zur Insolvenzeröffnung erhielten die Angestellten Insolvenzgeld, anschließend bezogen sie ihren Lohn aus dem Ertrag der Firma. „Wenn die Mitarbeiter gesagt hätten, wir gehen, wäre mir der Betrieb zwischen den Fingern zerronnen“, beschreibt Sulz die Situation.

Mit der Insolvenzeröffnung wurde das Filialnetz abgespeckt. Von einst 30 Gulde-Standorten in den Landkreisen Tübingen, Reutlingen, Zollernalb und Rottweil sind heute noch etwa zwei Drittel übrig. Mit der Dußlinger Filiale schloss das Ofterdinger Unternehmen im Oktober eine erste Niederlassung im Steinlachtal. Es folgten eine in Frommern, eine im Bahnhof von Albstadt-Ebingen und die im Filialnetz mit Abstand am weitesten abgelegene – in Rottweil.

„Die einzelnen Filialen wären schnell weg gewesen“, meint Sulz. Ziel des Verfahrens sei aber gewesen, den Betrieb als Ganzes zu erhalten, also mit der Produktionshalle. Hätte Gulde sämtliche Dependancen abgespalten, wäre die Halle in Ofterdingen alleine stehen geblieben, ohne Vertriebsnetz – und damit auch unattraktiv für potenzielle Käufer.

Der Markt sei eben stark belegt, erklärt Sulz. Dazu komme, dass in Discountern seit Jahren Backautomaten stehen. Deswegen sei die Gulde-Insolvenz auch höchst kompliziert gewesen.

Zum Zeitpunkt, als Gulde in wirtschaftliche Schieflage gelangte, beschäftigte das Unternehmen rund 300 Mitarbeiter, die meisten davon im Landkreis Tübingen. Laut Sulz sind aktuell noch rund 200 Leute tätig. Diese Arbeitsplätze könnten mit der Übernahme fast alle erhalten bleiben. Bei der Abgabe von Filialen in der Übergangsphase sei meistens auch das Personal mitgenommen worden, berichtet Sulz. Die Zahl derer, die tatsächlich nicht direkt weiterbeschäftigt wurden, liege im unteren einstelligen Prozentbereich.

140 Jahre Familienbetrieb

Im Jahr 1877 gründete Johannes Gulde in der Ofterdinger Mittelgasse 1 eine erste Bäckerei. 1978 expandierte die Familie: Eine Filiale in Bodelshausen kam dazu. Zwei Jahre später folgten drei weitere Standpunkte. In den folgenden Jahrzehnten wuchs das Netz auf insgesamt 30 Läden an. 1991 stellte das Unternehmen eine neue, 2200 Quadratmeter große Produktionshalle in Ofterdingen fertig. Zum Zeitpunkt der Insolvenz beschäftigte Gulde rund 300 Mitarbeiter.

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Erstellt:
3. Juli 2018, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
3. Juli 2018, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 3. Juli 2018, 01:00 Uhr

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