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Fachmesse

„Die Mutter aller Maschinen“

Das Thema Vernetzung treibt die Aussteller der EMO um. Es entsteht eine neue Dimension der Fertigung, sagt Verbandschef Heinz-Jürgen Prokop.

21.09.2017
  • ALEXANDER BÖGELEIN

Hannover. Deutschland ist Weltspitze im Werkzeugmaschinenbau. Derzeit trifft sich die Branche auf der Fachmesse EMO in Hannnover. Ein Gespräch mit Heinz-Jürgen Prokop, Vorstand des Vereins deutscher Werkzeugmaschinen-Hersteller und Vorsitzender des Geschäftsbereichs Werkzeugmaschinen bei der Trumpf + Co. KG (Ditzingen) über Vorurteile und die Produktion von morgen.

Wie wichtig ist der Werkzeugmaschinenbau als Branche?

Enorm wichtig. Ohne ihn gäbe es nur das, was wir mit unseren Händen herstellen können. Die Werkzeugmaschine ist die Mutter aller Maschinen. Auf ihr entstehen Teile, aus denen andere Maschinen gefertigt werden und Vieles, was uns umgibt. Die Bedeutung des Werkzeugmaschinenbaus wird oft unterschätzt, auch weil kaum einer sieht, was sich dort an High-Tech verbirgt.

Wie wichtig ist die Branche für den Standort Deutschland?

Die Branche beschäftigt 70 000 Mitarbeiter und erzielte zuletzt 15 Milliarden Euro Jahresumsatz. Baden-Württemberg ist der wichtigste Standort. Hier sitzen vier von zehn deutschen Werkzeugmaschinenbauern und arbeitet fast die Hälfte der Beschäftigten.

Was treibt die Unternehmen an?

Es geht darum, präziser, produktiver und zuverlässiger zu werden – und dass der Mensch immer weniger eingreifen muss. Daher treiben die Firmen computergestützte Produktionsprozesse voran.

Wie schwer ist es für Ihre Mitgliedsfirmen, Fachkräfte zu gewinnen?

Die Firmen müssen viel tun, um als attraktive Arbeitgeber wahrgenommen zu werden. Die Konkurrenz durch Autohersteller und bekannte Software-Firmen ist groß. Sie haben eine größere mehr Strahlkraft, weil sie Produkte herstellen, die viele Menschen täglich nutzen. Der VDW und der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e.V. haben unter anderem deshalb auch die Nachwuchsstiftung Maschinenbau gegründet, die jungen Leuten zeigt, wie vielseitig und spannend die Aufgaben unserer Branche sind. Sie ist auch auf der EMO mit einem großen Jungendsonderstand vertreten.

Wie verändert die Digitalisierung die Branche?

Sie eröffnet eine neue Dimension in der Produktion. Bisher war die Regelung von Prozessen auf die Maschine beschränkt. Durch die Vernetzung haben wir die Möglichkeit, die Daten der Maschinen zu nutzen. Zwei große Anwendungsfälle sind: Den Zustand der Maschine zu überwachen und die Prozesse in der Produktion besser zu steuern.

Was heißt das konkret?

Maschinen sind mittlerweile in der Lage, in begrenztem Umfang Informationen untereinander auszutauschen, beispielsweise über die Qualität des zu bearbeitenden Teils. Damit weiß die nächste Maschine schon, worauf sie sich einstellen muss. Innerhalb einer Maschine können aber auch einzelne Komponenten miteinander reden.

Wie geht denn das?

Wenn in unseren Stanzmaschinen etwa eine Spannpratze ein hochgebogenes Blech nicht greifen kann, scheint sie dem Stanzkopf zu sagen: „Komm her und hilf mir bitte.“ Dieser drückt das Blech herunter. Man könnte meinen, die Maschinen entwickeln einen eigenen Charakter, aber dahinter steckt eine definierte und programmierte Handlungsanleitung.

Wie viele Sensoren hat eine Werkzeugmaschine heutzutage?

Das geht unter Umständen in die hunderte. Es gibt kaum mehr eine Komponente, die nicht mit einem Sensor ausgestattet ist. Zum einen, weil die Sensoren immer billiger werden, zum anderen, weil jeder Hersteller möglichst viel über seine Komponente im laufenden Betrieb erfahren will, damit er sie weiter optimieren kann. Sie werden aber natürlich auch für die Regelung bestimmter Vorgänge und für Überwachungszwecke benötigt.

Was fordert die Branche heraus?

Der weltweite Wettbewerb ist das eine. In Asien entstehen viele neue Hersteller. Sie beginnen zwar zunächst meist auf niedrigem Niveau, lernen aber schnell dazu. Zudem gilt es, neue Anwendungen zu finden. Die Märkte verändern sich. Ein drittes Thema ist die digitale Vernetzung. Deren Datenbasis ermöglicht es uns, Maschinen viel schneller als bisher zu optimieren und ganz neue Ideen und neue Geschäftsmodelle zu entwickeln.

Wie sieht die Fabrik der Zukunft aus?

Die heutigen Fertigungsverfahren werden auch weiterhin benötigt. Interessanter wird die Frage, wie man sie miteinander kombiniert. Kunden wollen zunehmend individualisierte Produkte. Daher sinken die Losgrößen. Deshalb lohnt es sich oft nicht mehr, eine Fertigungsstraße zu bauen, die immer das Gleiche tut. Die Kunst besteht darin, Bauteile auf unterschiedlichen Wegen durch die Fertigung zu schicken. Die Themen Flexibilität in der Fertigung, Materialtransport und Materialverfolgung werden an Bedeutung zunehmen.

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21.09.2017, 06:00 Uhr
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