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Die Mischung macht’s

Sein Name klingt, als wäre er erfunden: Das bekommt Frieder Scheiffele, Geschäftsführer der Firma Schwabenlandfilm, öfter zu hören. Doch es ist nur eine passende Fügung. Wie so vieles in seinem Leben.

08.08.2009
  • Ute Kaiser

Tübingen. Anwalt, Arzt oder Gerichtsmediziner: Diese Berufsgruppen finden in Fernseh-Serien stets ihr Publikum. Doch Frieder Scheiffele wollte nicht auf der Erfolgswelle surfen, sondern „aus meiner Welt erzählen“. Die Welt des 30-jährigen Dettingers ist die Schwäbische Alb. „Es funktioniert nicht, amerikanische Serien einzudeutschen“, sagt der Produzent und Geschäftsführer der vor einem Jahr gegründeten Firma Schwabenlandfilm. Die GmbH will mit schwäbischen Mundart-Serien eine Marktlücke füllen.

Seinen ersten Coup hat das Leitungstrio – neben Scheiffele gehören der Drehbuchautor Sebastian Feld und der Schauspieler Bastian Braig dazu – mit dem Mundart-Mehrteiler „Laible und Frisch“ gelandet. Die sechs Folgen sollen noch dieses Jahr im Südwestrundfunk laufen. Dass SWR-Intendant Peter Boudgoust diese Neuigkeit auf der Jahrespressekonferenz verkündete, findet Scheiffele „heute noch faszinierend“.

Fleißiger Schwabe verzichtet auf Freizeit

Zu diesem Erfolg, sagt der Dettinger, der breitestes Schwäbisch so gut wie astreines Hochdeutsch spricht, „hat Glück und viel, viel Arbeit beigetragen“. In diesem Jahr gönnte er sich gerade mal fünf Tage Ski-Urlaub. Freie Abende oder Wochenenden gab es schon lange nicht mehr – ein fleißiger Schwabe eben.

„Mit Klischees spielen“: Das reizt den Serien-Produzenten. Groß gegen klein, angestammte Bäckerfamilie Laible gegen reingeschmeckten Billig-Discounter Frisch – dieser Kampf, gewürzt mit Dramatik und Witz, soll eine moderne Schwaben-Saga für Zuschauer aller Generationen sein. „Das funktioniert überall“, sagt der Nachwuchs-Produzent. Auch im Norden. Die Geschichten aus dem prallen Leben einer Kleinstadt namens „Schafferdingen“ sollen den Betrachtern mal zu Herzen gehen oder sie zum herzhaften Lachen bringen. Wie beim Backen so bei Serien: Die Mischung macht’s.

Zeitungsartikel wies den Weg in den Beruf

Dass Scheiffele heute im Filmgeschäft ist, verdankt er auch seiner Mutter. Sie schickte ihm 2002 einen Zeitungsausschnitt über einen neuen Studiengang an der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Da war ihr Sohn gerade Presse-Assistent bei der Bavaria für die Fernseh-Serie „Marienhof“. Er habe „sofort alle Zelte abgebrochen“, sagt er.

Die Zeit bis zum Start des Studiengangs „Produktion“ verbrachte er als Öffentlichkeitsarbeiter für den „Tigerenten Club“ des SWR. Im dritten Studienjahr spezialisierte er sich auf die „Serien-Produktion“ und entwickelte das Konzept für „Laible & Frisch“, wie es sich damals noch schrieb.

Die Bilder zum Bäckerkrieg hatte der Produzent „schon lange im Kopf“. In Sebastian Feld fand er den passenden Drehbuch-Schreiber. Heraus kam die Probefolge, die am 30. August beim Open-Air-Kino in Reutlingen läuft. Sie ist auch bei den anderthalbstündigen Filmtouren zu sehen. Die bietet Schwabenlandfilm für Angemeldete sonntags um 15.30 Uhr am Drehort, dem ehemaligen „Café am Markt“ in Bad Urach, an. Die junge Firma will so „die Kulissen halten, weil wir nicht wissen, wie es nach den sechs Folgen weitergeht“. Und sie will „touristisch in der Region einen Akzent setzen“.

Der „Tatort“ längst „entschwäbisiert“, das Ländle stelle sich, anders als Bayern, „nach außen nicht dar“: Das will der bekennende Schwabe ändern. Eine weitere „glückliche Fügung“ sorgte dafür, dass er den „Mäulesmühle“-Junior Bastian Braig kennenlernte. Dessen Vater Albin ermunterte das Trio, seine Firma „für humorvolle Unterhaltung“ zu gründen und vermittelte Kontakte zu renommierten Schauspielern. Walter Schultheiß, Trudel Wulle, Dietz-Werner Steck, Winfried Wagner und Monika Hirschle: Sie alle sind schwäbische Stars.

Den Norddeutschen gibt Simon Licht („Der Baader Meinhof Komplex“). Auch er war am Set so „herzlich und unkompliziert“ wie die anderen Darsteller. Die von ihnen gespielten Figuren liebt Scheiffele alle: „Sie begleiten mich schon viele Jahre, und ihr Verhalten kenne ich in- und auswendig.“ Leider gebe es sie „real nur während der Drehzeit“.

Bilder im Kopf und Förderung fürs Team

Bilder im Kopf, ein harmonisches Team und professionelle Schauspieler sind nicht alles. Zum Entstehen der 30-Minuten-Filme trugen viele bei. Etwa die Filmakademie, die dem jungen Team den „Producing“-Dozenten Jan Kromschröder „als Mentor zur Seite gestellt“ hat. Oder die MFG Filmförderung Baden-Württemberg mit einem Darlehen fürs Drehbuch. Ebenso Sponsoren. Geld für die rund eine Million Euro teure Produktion kommt auch über Lizenzen in die Kasse. So bringt etwa der Tübinger Silberburg-Verlag ein Buch zur Serie auf den Markt – mit Backrezept.

Wo sieht sich Scheiffele in zehn Jahren: im Ländle oder in Los Angeles? Der sich selbst als „eher rational und analytisch“ charakterisierende 30-Jährige denkt eine Weile nach. Die „tiefe Heimatverbundenheit“ wird ihn wohl in der Region halten. Ebenso die Freude am Produzieren: „Man kann sich Dinge ausdenken und schafft eine eigene Welt“, sagt er – und lächelt knitz. Ein Schwabe eben.

Info

Anmeldung zu den Führungen unter www.schwabenlandfilm.de

Man kann sich Dinge ausdenken und schafft eine eigene Welt.

Frieder Scheiffele Geschäftsführer von Schwabenlandfilm 1979 in Reutlingen geboren 1980 Umzug nach Dettingen 1999 Abitur in Bad Urach

2001 nach dem Zivildienst Mitarbeit bei verschiedenen TV-Produktionen

2003 bis 2007 Studium an der Filmakademie in Ludwigsburg; die Abschlussarbeit war der halbstündige Probefilm „Laible & Frisch“

seit 2008 Mitgründer von Schwabenlandfilm, Produzent und Geschäftsführer

Die Mischung macht’s
Grüne Hügel und blauer Himmel: So sieht das Logo des jungen Unternehmens Schwabenlandfilm aus, das der 30-jährige Geschäftsführer Frieder Scheiffele auf der linken Brust trägt. Der Film-Produzent aus Dettingen/Erms will mit der für den Südwestrundfunk gedrehten Schwaben-Story „Laible und Frisch“ unterhaltsam, nicht heimattümelnd zeigen, „wie schön es hier ist“. Bild: Metz

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08.08.2009, 12:00 Uhr
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