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Auf der Buchmesse aus Protest im Käfig

Die Menschenrechtsaktivistin Xu Pei kämpft gegen Chinas kommunistisches Regime

Sie wurde in Tibet geboren, setzt sich aber nicht nur für ihre früheren Landsleute, sondern auch für Uiguren, Falun-Gong-Anhänger und andere in China verfolgte Gruppen und Menschen ein: die Exilautorin Xu Pei. In Tübingen las sie aus ihrem neuen Buch.

11.11.2013

Von Renate Angstmann-Koch

Tübingen. Es heißt „Der weite Weg des Mädchens Hong?, ist keine Autobiografie im eigentlichen Sinn, doch der Roman „beschreibt meinen Erkenntnisweg?, sagt Xu Pei. Sie kam Ende 1988 nach Deutschland, um zu studieren und zu promovieren. Die Sprache hatte sie schon in China in Sichuan als Hauptfach studiert. Es war eine Entscheidung ihrer Eltern, dass das vierte ihrer fünf Kinder und einzige Mädchen Deutsch lernen sollte. Sie wollten, dass die Tochter Dolmetscherin wird ? für die Führer der Kommunistischen Partei (KP), so die Vorstellung des linientreuen Paars, erzählt Xu Pei.

Die chinesische Schriftstellerin und Lyrikerin kam am Donnerstag auf Einladung der Volkshochschule und der Tibet-Initiative nach Tübingen. Vor ihrer Lesung besuchte die 47-Jährige die TAGBLATT-Redaktion. Xu Pei studierte in Düsseldorf Philosophie und Germanistik. 1996 promovierte sie. Seit 2004 ist sie deutsche Staatsbürgerin. Geboren wurde Xu Pei in Kangding. Ihre Kindheit verbrachte sie in Tibet und China. Aufgerüttelt vom Tiananmen-Massaker, setzt sie sich seit 1989 für verfolgte Gruppen ein und kämpft gegen das Regime ? mit Aufsätzen, Reden, Artikeln, Rundfunk und Fernsehbeiträgen und im Internet. Dabei veröffentlicht sie auf Deutsch und Chinesisch. Sie hat schon mit Amnesty International zusammengearbeitet, ebenso mit der Gesellschaft für bedrohte Völker. An deren Stand protestierte die Autorin 2009 dagegen, dass China als Gastland zur Frankfurter Buchmesse eingeladen wurde, indem sie sich in einem Käfig aufhielt.

Nun hat Xu Pei ihre Kindheitserinnerungen auf Chinesisch veröffentlicht. Sie wirft dem Dalai Lama vor, das System der KP ? aus welchen Gründen auch immer ? zu loben: „Das ist eine Art Betäubung für sich und die Welt.? Das System kenne nur Gewalt. „Da macht es mich wütend, dass er von seinen Begegnungen mit Mao schwärmt, der für mindestens achtzig Millionen Todesopfer verantwortlich ist.?

Xu Pei fordert ein China und Tibet ohne KP: „Ich tue das aus Liebe zum Volk und zur Kultur. Das KP-Regime unterdrückt das Volk, die Kultur und die Umwelt?, ist für sie keine Frage. Allerdings fühle sie sich erst seit ihrem 40. Geburtstag imstande, diese Position auch so entschieden zu vertreten.

Hätte sie sich nicht aufgelehnt, hätte sie nach der Promotion nach China zurückkehren können. So lebt sie jedoch in Köln. In ihrem Roman möchte sie „ein authentisches China zeigen? ? aber auch, „wie Gehirnwäsche funktioniert?. Sie selbst habe sich nicht unfrei gefühlt, solange sie in China war. Während sie in Sichuan lebte, seien zehn Millionen Menschen an Hunger gestorben ? „und ich habe es nicht mitgekriegt?, erinnert sich Xu Pei. „Ich musste mich selbst aus der Indoktrination befreien.?

Seit ihr das gelang, fühle sie sich verpflichtet, auch andere aufzuklären. Der Preis dafür war, dass sie nicht mehr nach China zurückkehren, auch ihre 2008 gestorbenen Eltern nicht mehr sehen konnte. Den Kontakt zu ihren Brüdern brach sie ab, um sie nicht zu gefährden. „Ich tue alles, um gegen dieses Regime vorzugehen?, sagt Xu Pei. Seit Ende 2006 kämpfe sie auch gegen Organraub. „Ich setze mich für alle Menschen ein, die unter dem KP-Regime leiden ? und für alle Gruppen, die sich bei mir melden.?

Xu Pei, 47-jährige Exilautorin aus China, beim TAGBLATT. Bild: Metz

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Erstellt:
11. November 2013, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
11. November 2013, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 11. November 2013, 12:00 Uhr

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