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Zeitgeschichte

Die „Landshut“ ist zurück

Transportmaschinen bringen die zerlegte Boeing an den Bodensee. Die 1977 entführte Maschine soll 2019 im Dornier-Museum gezeigt werden.

25.09.2017
  • ALFRED WIEDEMANN

Friedrichshafen. Die bekannteste Lufthansa-Maschine ist wieder in Deutschland: Im Bauch einer riesigen Antonov-Transportmaschine wurde der Rumpf der „Landshut“ aus Brasilien nach Friedrichshafen geflogen. In einem zweiten Transporter, einer Iljuschin, folgten zerlegte Teile der Maschine, die im Oktober 1977 auf dem Flug von Mallorca nach Frankfurt von palästinensischen Terroristen entführt worden war.

Tausende drängen sich am Zaun des Bodensee-Airports, als die Antonov 124 dröhnend aufsetzte. Samstag, 9.20 Uhr, kaum Verspätung auf dem langen Flug von Brasilien mit Tankstopp auf den Kapverden und auch keine Probleme bei der Landung auf der Piste in Friedrichshafen. Als kurz darauf der Bug hochgefahren wird und die Nase der „Landshut“ zu sehen ist, klatschen viele der Besucher.

Diana Müll sieht ebenfalls zu. Als 19-Jährige war sie 1977 eine der Geiseln in der Maschine. „Wir haben geweint und gelacht, als wir wieder frei waren“, erzählt sie jetzt. Immer wieder wird sie gefragt, muss sie erzählen, wie das war, als sie nur knapp dem Tod entging, wie sie danach eine Therapie machte, die sie sogar selber bezahlen musste, und wie es ihr half, dass sie ihre Erlebnisse als Buch öffentlich machte.

„Hier, das ist einer der Helden von damals, von der GSG 9“, freut sie sich, als sie im Gedränge Aribert Martin sieht und herbeiwinkt. Martin war 21, als er mit seinen GSG-9-Kameraden die Maschine gestürmt hat. „Nein, wir haben uns nicht als Helden gefühlt“, sagt er, „die Terroristen machten uns keine Angst. Ich hatte nur Bammel, dass alles in die Luft fliegt, wenn wir stürmen.“ Die Bilder vom Sturm der Maschine, von den getöteten Terroristen, „die vergesse ich nie“.

„Ich freue mich, dass die Landshut wieder in Deutschland ist“, sagt Martin. „Die Ereignisse von 1977 sind immer noch präsent“, auch bei jungen Leuten. Das erlebe er, wenn er an Schulen von damals erzähle.

Die „Landshut“ war nach dem Verkauf durch die Lufthansa in den 1980ern weiter unterwegs, zuletzt als Frachtmaschine in Brasilien. Seit 2008 gammelte sie ausrangiert in Fortaleza vor sich hin. Außenminister Sigmar Gabriel ließ sie zurückholen, 40 Jahre nach dem deutschen Terror-Herbst. Die Boeing 737 stehe als Symbol „für eine wichtige und schwierige Zeit der Bundesrepublik“, sagt Gabriel.

Lufthansa-Techniker hatten die Maschine in Brasilien zerlegt, am Bodensee-Airport wird sie restauriert werden. Den Zuschlag als Ausstellungsort hat das Dornier-Museum bekommen.

„Das ist ein freudiger Anlass“, sagt Museumsleiter David Dornier am Samstag. „Viel Arbeit ist erledigt, viel Arbeit kommt noch.“ Eine aufwendige Restaurierung steht an. Auch das Ausstellungskonzept fehlt noch. Ein wissenschaftlicher Beirat soll das ausarbeiten, die Bundesbeauftragte für Kultur und das Haus der Geschichte sind an Bord.

Der Bund übernimmt die investiven Kosten. Zehn Millionen Euro werden schätzungsweise benötigt. Im Oktober 2019 soll die „Landshut“ im neuen Hangar gezeigt werden. Die Betriebskosten sollen durch zusätzliche Museumsbesucher hereinkommen. Auch Spenden werden gesammelt. 60 000 Euro sind schon zusammen.

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25.09.2017, 06:00 Uhr
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