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Aus der Erfahrung des Krieges

Die Kunst von Joseph Beuys hat in Israel immer noch großen Einfluss

Der deutsche Künstler Joseph Beuys war Soldat in der Wehrmacht. Krieg, Verletzung sind zentrale Themen seiner Kunst. In Israel trifft das einen Nerv.

19.10.2015
  • SARA LEMEL, DPA

Tel Aviv Die mumienartige Figur mit Riesendildo liegt in blaue Plastikfolie gehüllt auf einer Militär-Tragbahre. Ein Arm ist abgerissen, der zweite über dem Ellenbogen abgeschnitten, aus dem Kopf quillt eine schaumartige Masse. Die bizarre Puppe des israelischen Künstlers Alon Andorn liegt im Zentrum der Tel Aviver Kunstgalerie "Contemporary by Golconda" und ist dem deutschen Aktionskünstler Joseph Beuys (1921-1986) gewidmet.

Im Rahmen der Ausstellung "Beuys, Beuys, Beuys" zeigen 75 Künstler bis Ende November ihre Werke. Sie ist auf sieben Galerien in Tel Aviv, Jerusalem und Sderot am Rande des Gazastreifens verteilt. Zu sehen sind Zeichnungen, Malereien, Skulpturen und Video-Kunst, die Beuys gewidmet sind oder an seine Werke erinnern.

"Beuys war der ausländische Künstler, der den größten Einfluss auf Israels Kunstszene hatte", erklärt Galerist Ronald Fuhrer. Seine Werke hätten bei vielen Menschen in Israel einen Nerv getroffen. Erstaunlicherweise wohl gerade wegen Beuys' Erfahrungen als Soldat im Zweiten Weltkrieg - einem Thema, das immer wieder bei ihm auftaucht.

"Das berührt eine Seite bei einem Volk, das viel Erfahrung mit Kriegsleid hat", sagt der Galerist. "Beuys war in der Wehrmacht. Er befasste sich mit der Verletzung des Körpers und der Landschaft während des Kriegs." Das Thema körperliche Verletzung und Verletzbarkeit bestimmt auch das Werk des israelischen Künstlers Hadas Ophrat. Er steht in der Galerie neben einer Krücke, die in der Mitte eines schwarzen Kreidekreises hängt. "Für mich ist Beuys der wichtigste Künstler des 20. Jahrhunderts", sagt der 64-Jährige. In seinen Werken gehe es um ewige Spannungsfelder wie Leben und Tod, Mensch und Tier.

"Aus der Sicht von Beuys sind während des Zweiten Weltkriegs schreckliche Dinge geschehen, die sich nie wiederholen dürfen", sagt Fuhrer. "Er ist dafür eingetreten, dass sich der Holocaust nie wiederholen darf. Er kam von der Seite der Besiegten, die ein schlechtes Gewissen haben."

Mit seinem Einsatz dafür habe er ein gemeinsames Interesse mit Israel gehabt. "Das sorgte für eine Annäherung."

Beuys' Einfluss begann Ende der 1960er Jahre, und er dauert an. Seine Ideen und seine Kunst werden in israelischen Hochschulen und an kunstorientierten Gymnasien gelehrt. Die jüngste Künstlerin, die an der Schau teilnimmt, ist die 18-jährige Lee Scoop, die gerade ihr Abitur an der Tel Aviver Kunstschule Thelma Yellin gemacht hat. Sie hat einen Kurzfilm im Stil der amerikanischen Sitcoms gedreht, in dem es um ein imaginäres Treffen mit Beuys geht. In "Dialog mit Joseph" geht es unter anderem um die Idee von Beuys, dass jeder Mensch ein Künstler sei. "Seine Kunst hat mich gepackt", erklärt die lebhafte junge Frau. "Ich wollte mit ihm reden und so auch anderen Menschen in meinem Alter einen neuen Zugang zu seiner Kunst verschaffen."

Die Kunst von Joseph Beuys hat in Israel immer noch großen Einfluss
In den hier zu sehenden "Dialog mit Joseph" treten in Tel Aviv auch ganz junge Künstler wieder. Foto: dpa

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19.10.2015, 12:00 Uhr
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