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Mannheim

Die Kunst und der Müll

Zu bizarren Formen sind goldfarbene Rettungsfolien auf dem Fußboden einer Mannheimer Kirche gefaltet - oder besser: sie waren. "Das muss weg", mag sich eine Putzfrau gedacht haben und räumte gründlich auf. Teile des Kunstwerks landeten im Müll.

04.02.2016

Von SÖNKE MÖHL, DPA

Jetzt mit Mülltonne: Das Kunstobjekt. Foto: dpa

Nach dem ersten Schreck baut die Künstlerin ihr Werk kurzerhand um. "Ich war erstmal sehr schockiert und dachte, das kann doch gar nicht sein", sagt die Künstlerin Romana Menze-Kuhn, die das Werk "Behausung 6/2016" seit Mitte Januar in der Philippuskirche ausstellt. Bei der Installation geht es um Menschen in Not auf der Suche nach einer Unterkunft. Zum Trost: Schon Werke weltbekannter Künstler wie Joseph Beuys wurden zweckentfremdet oder weggeworfen.

Ihr sei schnell klar gewesen, dass sich die Installation nicht reparieren ließ, berichtet Menze-Kuhn. Daher habe sie die vom Boden abgerissenen Folien mit der Mülltonne, in die sie geworfen wurden, in ihr Werk integriert. "Damit hat es eine neue Bedeutung bekommen." Und trägt daher jetzt den Namen 6a/2016.

Verstehen kann die Künstlerin, die im hessischen Eschborn lebt, den Vorfall nicht. Schließlich sei das Werk mit den auf dem Boden festgeklebten Folien, die skulptural so geformt gewesen seien wie Zuflucht suchende Menschen, als Einheit deutlich zu erkennen gewesen. "Ich habe mich schon sehr geärgert, das ist eine Respektlosigkeit. Man kann über Kunst denken, wie man will, aber dass man in Kunst eingreift und etwas wegnimmt, das hat mich schon sehr empört." Auch Pfarrer Gerd Frey-Seufert betont, die Installation sei klar als Gesamtensemble zu erkennen gewesen. Die Reinigungsfirma sei informiert gewesen. Für die Putzfrau soll der Vorfall aber keine weiteren Folgen haben. "Das ist ihr peinlich genug."

Das Kunstwerk kurzerhand umzugestalten zeugt jedenfalls von Größe. Wie sagte der chinesische Künstler Ai Weiwei, nachdem ein Sturm 2007 in Kassel seinen Turm aus alten Türen und Fenstern zerstört hatte: "Das ist besser als vorher."

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Erstellt:
4. Februar 2016, 08:30 Uhr
Aktualisiert:
4. Februar 2016, 08:30 Uhr
zuletzt aktualisiert: 4. Februar 2016, 08:30 Uhr

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