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Die Kroaten retten das Geschäft
Viele Fans verfolgen in Stuttgarter Kneipen und Straßencafés den Erfolg des kroatischen Teams. Foto: Ferdinando Iannone
WM-Bilanz

Die Kroaten retten das Geschäft

Nach dem Aus des deutschen Teams haben Stuttgarter Gastronomen in die Röhre geguckt. Aber das Interesse ist wieder gestiegen. Polizei und Straßenreinigung ziehen ein positives Fazit.

14.07.2018
  • CAROLINE HOLOWIECKI

Stuttgart. Vergangener Samstag in der Stuttgart Innenstadt: Platz vor den Fluxus-Kneipen – genagelt voll. Paulaner-Biergarten am Ende der Calwer Straße – jeder der etwa 130 Stühle besetzt. Theodor-Heuss-Straße – kaum ein Durchkommen. Außenbereiche des Grand Café Planie am Karlsplatz oder des Clubs Schocken in der Hirschstraße – bestens besucht. Von WM-Müdigkeit keine Spur. Tausende haben nach dem Abpfiff in der Innenstadt gefeiert. Dem Durchmarsch der Kroaten sei Dank.

Die Fußballer in Blau, Weiß und Rot haben den Stuttgarter Wirten das Geschäft gerettet. „Die Innenstadt brummt, weil die Kroaten noch dabei sind“, bestätigt Ramona Herzog vom Paulaner am alten Postplatz. Nach dem frühen WM-Aus der Deutschen habe das Gastroteam zwei von vier Fernsehern abgebaut. Und die verbliebenen Geräte seien nur noch bei den Spielen mit kroatischer Beteiligung interessant gewesen, bei anderen Begegnungen hätten die Gästen allenfalls beiläufig geguckt.

Diese Beobachtung deckt sich mit der anderer Wirte in der Landeshauptstadt. Auch im Grand Café Planie herrschte erst mal Frust nach dem so zeitigen Aus von Jogis Jungs, „man plant ja damit“, sagt Selin Kirdeci. Die Kroaten hätten es rausgerissen – im Gegensatz zu anderen Teams. Selin Kirdeci berichtet, dass sich manche Gäste bei den eher unspektakulären Matches von den Übertragungen auf den vier Fernsehern sogar gestört gefühlt hätten. „Nicht viele fiebern mit.“

Dennoch: Nunzio Chiumenti, Geschäftsführer des Schönbuch-Brauhauses mit Filialen im Stuttgarter Zentrum, in Böblingen und Calw, spricht von einem blauen Auge, mit dem er davongekommen sei. Zwar sei kein „Überhype“ zu spüren, dennoch seien seine Lokale dank teils ungewöhnlicher Spiel-Paarungen ausgebucht. Das helfe, finanziell „immerhin noch gut rauszukommen“. Zwar habe er Security-Personal und Absperrungen abbestellen können, aber „die LED-Wände für innen sind gebucht, die muss man abnehmen“, stellt Chiumenti klar.

Auch eine der größten Public-Viewing-Veranstaltung in Stuttgart, nämlich die am Mercedes-Museum, hat zwar deutlich weniger Gäste, ist aber keinesfalls verwaist. „Natürlich ist das frühe Ausscheiden der deutschen Mannschaft schade und wirkt sich auf die Besucherzahl aus, aber grundsätzlich herrschte immer eine tolle Atmosphäre“, so die Sprecherin Sabrina Meidl.

Festnahmen wegen Böllern

Was schlecht für die Fans ist, ist gut für die Straßenkehrer der Abfallwirtschaft Stuttgart. Im Vergleich zur WM 2014 berichtet Sprecherin Annette Hasselwander von deutlich weniger Dreck: „Exzessive Vermüllungen traten nicht auf.“ Weitgehend unauffällig blieb die WM bisher auch aus Polizeisicht, berichtet der Sprecher Martin Schautz. Das heißt aber nicht, dass den Beamten in den vergangenen Wochen langweilig war. Die Spiele dreier Teams habe man stets im Blick gehabt: der deutschen, der serbischen und eben der kroatischen, allein wegen der Menge der Fans.

Zu Recht, wie man dieser Tage gesehen hat. Den Viertelfinal-Sieg der Kroaten feierten am Samstag etwa 7000 Fans auf der gesperrten Theodor-Heuss-Straße, am Mittwoch zum Finaleinzug tummelten sich dort immerhin 3500 Feiernde, außerdem fuhren Autokorsos. Jeweils um die 15 Festnahmen gab es, vor allem wegen dem Einsatz von Böllern und Pyrotechnik, „da gehen wir strikt dagegen vor“, sagt Stephan Widmann, ein weiterer Polizeisprecher. Martin Schautz moniert: „Es gibt immer ein paar, die über die Stränge schlagen und die Feiern für kleine Scharmützel nutzen, und die machen das eigentlich friedliche Fangebaren kaputt.“

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14.07.2018, 06:00 Uhr
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