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Schwarzwälderin mit Schuss

Die Kirschtorte ist 100 Jahre alt - Zu ihrer Entstehung gibt es viele Versionen

Die Schwarzwälder Kirschtorte ist 100 Jahre alt und noch immer gern in aller Munde. Von ihrer Entstehungsgeschichte gibt es mehrere Versionen. Den meisten Genießern ist das egal. Hauptsache, sie schmeckt.

13.10.2015
  • PETRA WALHEIM

Radolfzell/Godesberg/Triberg Sie ist rund und fett - und wer zu viel von ihr isst, dem droht das gleiche. Trotzdem ist die Schwarzwälder Kirschtorte weltweit eine der beliebtesten süßen Versuchungen. Auch in Amerika, Australien und Shanghai. Darin sind sich alle einig. Strittig ist aber noch immer, wer das gehaltvolle konditorische Meisterwerk erfunden hat. Eine Version der Entstehungsgeschichte ist, dass Josef Keller aus Riedlingen sie im Café Ahrend in Bad Godesberg bei Bonn kreiert hat - und zwar 1915. Anhänger dieser Version feiern deshalb in diesem Jahr den 100. Geburtstag der Kalorienbombe - natürlich mit ihr.

Die Geschichte von Josef Keller geht so: Der aus Oberschwaben stammende Konditorgeselle machte sich 1904 auf die Wanderschaft und gelangte so ins Rheinland. Dort lernte er den Schwaben Agner aus Esslingen kennen. Der hatte in Bad Godesberg ein Café. Keller blieb bei ihm und servierte den Gästen als Dessert eingemachte Kirschen mit Schokolade und Sahne. Bis er auf die Idee kam, die Zutaten auf einen Biskuitboden mit Schokospänen zu legen sowie Sahne und Boden mit Kirschwasser zu tränken. Damit war sie erfunden, die Schwarzwälder Kirschtorte.

Woher sie ihren Namen hat, obwohl sie definitiv nicht im Schwarzwald erfunden wurde, ist unklar. Vielleicht wegen des Kirschwassers, das vor allem im Schwarzwald gebrannt wird. Vielleicht wegen der vielen schwarzen Schoko-Raspeln, die an den Schwarzwald erinnern können. Oder der Erfinder hat sich von der Schwarzwälder Bollenhut-Tracht aus dem Gutachtal inspirieren lassen. Die besteht aus einem schwarzen Kleid, einer weißen Bluse und dem roten Bollenhut, für den die Kirschen stehen könnten.

Nach dem Ersten Weltkrieg eröffnete Josef Keller in Radolfzell am Bodensee ein eigenes Café und nahm sein Rezept mit in den Süden. Er gab sein Wissen an seinen Gesellen August Schäfer weiter, der das angebliche Originalrezept 1929 nach Triberg gebracht haben soll. So informiert zumindest die Stadt auf ihrer Homepage und wirbt damit, dass nun dessen Sohn Claus Schäfer im gleichnamigen Café die Schwarzwälder Kirschtorte nach dem Originalrezept backt.

Das gleiche sagt aber auch Rudi Schöner aus dem Café Schöner, dem früheren Cafe Agner, in Bad Godesberg. Dort wird behauptet, der Seniorchef Rudolf Schöner habe in den 1950er Jahren das Originalrezept aufgeschrieben, und seitdem werde in dem Café die Torte nach eben diesem hergestellt.

Um die Verwirrung noch größer zu machen, hat sich 2007 der Stadtarchivar Udo Rauch aus Tübingen in die Diskussion eingemischt. Er will bei seinen Recherchen Indizien dafür gefunden haben, dass der Tübinger Konditor Erwin Hildenbrand der wahre Erfinder der berühmten Torte ist. 1930 soll der auf die Idee gekommen sein, eine mehrstöckige Torte mit Sahne, Schokolade, Kirschen und Kirschwasser zu kreieren. Doch auch in diesem Fall fehlen die handfesten Beweise für die Behauptung. Eine Möglichkeit ist auch, dass beide auf die glorreiche Idee gekommen sind.

Denen, die die Torte mögen, wird es egal sein. Weil sie auch für das Auge ein Genuss ist, beschäftigen sich auch Künstler mit ihr. Einer ist Günter Herzing aus Bad Godesberg. Er hat bereits mehrere Bilder gemalt, in denen die Torte die Hauptrolle spielt. Ein Ölgemälde hängt interessanterweise im Café Nick in Bad Godesberg, nicht im Café Schöner. Außerdem hat er vor einigen Jahren der Stadt Bad Godesberg vorgeschlagen, dem berühmten Kuchen ein Denkmal zu setzen. Daraus wurde aber nichts, weil den Verantwortlichen die Entstehungsgeschichte zu unsicher war. Radolfzell dagegen pflegt das Erbe von Josef Keller. Im Stadtmuseum gibt es dazu einiges zu sehen.

Weil die Torte zum Schwarzwald gehört wie der Bollenhut, die Kuckucksuhr und der Schwarzwälder Schinken, hat sie ein findiger Konditor - diesmal tatsächlich aus dem Schwarzwald - in die Dose gepackt. So können das Heimweh der Schwarzwälder in der Fremde und das Bedürfnis der Touristen, etwas typisch Schwarzwälderisches mit nach Hause zu nehmen, gleichermaßen gestillt werden. Ob die Torte aus der Dose mit der aus der Konditorei und nach einem der Originalrezepte gebackenen konkurrieren kann, muss jeder für sich selbst entscheiden.

Die Kirschtorte ist 100 Jahre alt - Zu ihrer Entstehung gibt es viele Versionen

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13.10.2015, 12:00 Uhr
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