Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Die Kehrseite der Hygiene
Schlimme Klopapier-Bescherung: Kanalarbeiter in medias res. Foto: Matthias Kessler
Probleme in Mannheims Kläranlagen

Die Kehrseite der Hygiene

Feuchtes Toilettenpapier sorgt für Probleme in Kläranlagen. Es löst sich zu langsam auf. Die Städte ächzen – doch die Alternative wäre wohl schwer vermittelbar.

30.08.2016
  • WOLFGANG RISCH

Mannheim. Gemächlich fließt der Neckar seiner Mündung in den Rhein entgegen. Sauber wirkt der Fluß, Schwäne und Enten schwimmen darauf, Möwen ziehen ihre Kreise. Sähe der Betrachter, was sich nur wenige Meter darunter verbirgt, die Idylle wäre nachhaltig gestört. Das Schmutzwasser aus den südlich des Flusses gelegenen Stadtteilen fließt quer drunter durch – und am Rechen der Kläranlage im Norden der Stadt bleibt dann hängen, was sich im Schmutzwasser aus den Toiletten an festen Bestandteilen wiederfindet.

Nun schlägt die Stadt Alarm: Feuchtes Toilettenpapier, als hygienische Alternative zur zwei- bis vierlagigen Standardware auf deutschen Toiletten immer beliebter nimmt auch in der Kanalisation immer breiteren Raum ein. In Mannheim wie in anderen Städten und Gemeinden des Landes sind die kommunalen Entwässerungsbetriebe daher auch immer mehr vor unappetitliche und letztlich auch teure Probleme gestellt. Herkömmliche Bestandteile des Abwassers hingegen bereiten den Rechen in der Regel keine Schwierigkeiten.

Angenehm im Duft, von besonderer Reinigungskraft und reißfest seien die Feuchttücher, werben die Hersteller, und die Wundertücher lösten sich dennoch im Abwasser auf. Das stimmt grundsätzlich, ist aber wohl nur die halbe Wahrheit. Denn es geht schlichtweg nicht schnell genug – und während der Abbauprozess noch läuft, verstopft feuchtes Toilettenpapier die Kanalrohre und die Pumpwerke.

Im Gegensatz zu der trockenen Variante und Küchenkrepp bestehen die Feuchttücher aus Materialien wie Polyester, Viskose, langfaserigem Zellstoff oder auch Baumwolle. In den Engstellen der Abwasserbeseitigung „verknoten sich die Feuchttücher ineinander, so dass sie armdicke Zöpfe bilden und die Pumpen zum Stillstand bringen“, sagt Alexander Mauritz, der Chef der Mannheimer Stadtentwässerung.

Dass sie einen „Scheißjob“ hätten, diese abfällige Bemerkung hören die Mitarbeiter in Kläranlagen nicht erst in jüngster Zeit. Neu ist freilich der Umstand, dass der Begriff „Feuchtgebiete“ durch die mit Aloe vera und anderem benetzten Tücher eine neue Qualität erlangt, nicht nur in Baden-Württemberg oder bundesweit, sondern auch in Alaska und Australien, in Kalifornien und auf Hawaii, wie die „Süddeutsche Zeitung“ unlängst berichtete.

Der Westdeutsche Rundfunk verwies kürzlich in diesem Zusammenhang auf den in vielen Ländern absolut alltäglichen Brauch, Toilettenpapier im Mülleimer statt in der Schüssel zu versenken. Dazu, sagt Mauritz, bestehe hierzulande kein genereller Grund. Normales Klopapier aus kurzfaserigem Zellstoff beginnt schon auf den ersten Metern, sich zu zersetzen.

Anders hingegen die Empfehlung des obersten Abwasserbeseitigers der Stadt Mannheim bei der benetzten Variante von Hakle, Tempo, Zewa und Co: „Die in den letzten Jahren zunehmend verwendeten Hygienetücher gehören in den Hausmüll und sollten unbedingt über den Restmüll entsorgt werden und nicht über die Toilette“, appelliert Mauritz. Wenn die Pumpen verstopfen, müssen sie ausgebaut und von Hand gereinigt werden. Dass dies letztlich über die Gebühren für die Abwasserentsorgung umgelegt wird, ist klar. Dass ein eventuell bisschen mehr Sauberkeit auf dem heimischen Klo in den Kläranlagen „schwierigste hygienische Bedingungen“ nach sich zieht, hingegen offensichtlich nicht. Ob es wirklich realistisch ist, den Menschen am privatesten aller Örtchen neue Verhaltensweisen anzugewöhnen, dürfte aber fraglich sein. Gilt doch hier in besonderem Maße bei vielen die Losung: Nach mir die Sintflut.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

30.08.2016, 06:00 Uhr
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden

Newsletter-bestellen

· Samstags verschicken wir die News der Woche, unser Klassiker: Die wichtigsten Themen und Geschichten direkt im E-Mail-Postfach. So bleiben Sie auch in der Ferne immer informiert, was in und rund um Tübingen passiert.
· Werktags versenden wir um 9 Uhr die News am Morgen mit den wichtigsten aktuellen Nachrichten.
· Sonntagabend kommt unser Sport-Newsletter mit den wichtigsten Lokalsport-Berichten und Ergebnissen vom Wochenende.

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder sich neu als Benutzer registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter (nur falls Sie weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese) verwendet. Ihre Daten werden nicht an andere Unternehmen weitergegeben.
Nachrichten via Messenger
Die wichtigsten Neuigkeiten aus der Region liefern wir Ihnen auch per WhatsApp & Co. aufs Smartphone. Um diesen Service zu nutzen, öffnen Sie tagblatt.de/whatsapp bitte mit einem entsprechenden Mobilgerät.
Heute meistgelesenNeueste Artikel

Nachrichten aus ...
Reutlingen Wannweil Pliezhausen Walddorfh�slach Ammerbuch T?bingen Dettenhausen Kirchentellinsfurt Kusterdingen Gomaringen Dusslingen Ofterdingen Mössingen Nehren Bodelshausen Hirrlingen Neustetten Rottenburg Starzach Horb
Das Tagblatt bei
Facebook Google+ Twitter Instagram
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesen
Wirtschaft im Profil
Neueste Artikel
Anzeige

Themen-Dossiers

Themen-Dossiers
Single des Tages
date-click
Das Tagblatt als E-Paper

Kontakt zum Kundenservice

Abonnement
07071/934-222
vertrieb@tagblatt.de

Anzeigen
07071/934-444
anzeigen@tagblatt.de

Kontakt zu den Redaktionen

Schwäbisches Tagblatt Tübingen
07071/934-0
redaktion@tagblatt.de

Neckar-Chronik Horb
07451/9009-30
nc@neckar-chronik.de

Tagblatt Online         
07071/934-314
online@tagblatt.de

Steinlach-Bote Mössingen
07473/9507-0
sb@tagblatt.de

Rottenburger Post
07472/1606-16
ro@tagblatt.de

Reutlinger Blatt
07121/3259-50
rt@tagblatt.de

Tagblatt Anzeiger
07071/934-344
tagblatt-anzeiger@tagblatt.de

Wirtschaft im Profil
07071/934-166
wip@tagblatt.de


Oder nutzen Sie unser Kontaktformular