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Paul Hartmann

Die Kasse ist prall gefüllt

Der Heidenheimer Spezialist für Medizin- und Pflegeprodukte will auch über Zukäufe wachsen. Der Spardruck in den Gesundheitsmärkten bremst den Gewinn.

21.03.2019

Von Günter Trittner

Produktionsanlage für Inkontinenzwindeln in Heidenheim: Die Paul Hartmann AG zählt zu den führenden Herstellern. Foto: Stefan Puchner/dpa

Mit Britta Fünfstück steht seit Jahresbeginn erstmals eine Frau an der Spitze der Paul Hartmann AG. Zum 1. November war die Physikerin vom Schweizer Spezialchemiekonzern Clariant nach Heidenheim gewechselt. Am Mittwoch stellte sie die Zahlen des Geschäftsjahrs 2018 vor, die noch ihr Vorgänger Andreas Joehle zu verantworten hatte.

Der Hersteller von Medizin- und Hygieneprodukte profititiert von der steigenden Lebenserwartung der Menschen. Damit steigen auch die Gesundheitsausgaben. Der Umsatz der Paul Hartmann AG, die mehrheitlich zur Ulmer Schwenk-Gruppe und damit der Familie Schleicher gehört, legte um 2,9 Prozent auf 2,12 Mrd. EUR. Der Gewinn schrumpfte um fast 11 Prozent auf 83,8 Mio. EUR.

Der Hintergrund sind begrenzte Budgets und ein weiter steigender Preisdruck in den Gesundheitsmärkten. Auch 2019 werden die hohen Rohstoffpreise die Rendite drücken. Daher erwartet Finanzvorstand Stephan Schulz, dass das Ergebnis vor Steuern und Zinsen um bis zu 17 Prozent niedriger ausfallen könnte.

Mit dem Abschneiden im vergangenen Jahr sind er und Fünfstück zufrieden. Das Unternehmen habe keine Bankschulden, dafür aber eine nochmals erhöhte Eigenkapitalquote von mehr als 61,6 Prozent (923 Mio. EUR). Auf diese Quote kommen nur wenige Unternehmen dieser Größenordnung. Den Spielraum für Akquisitionen und Investitionen bezifferte Schulz auf 700 Mio. EUR.

Auf der Bilanzpressekonferenz gab es eine weitere Premiere: Erstmals war das Tochterunternehmen Kneipp mit seinem Vorstandsvorsitzenden Alexander Schmidt vertreten. „Damit Kneipp ein Gesicht bekommt“, meinte Fünfstück. Im Geschäftsbericht von Hartmann wird das Unternehmen mit Sitz in Würzburg nur unter „Weitere Konzernaktivitäten“ gelistet wird. 2001 war Hartmann bei Kneipp eingestiegen, doch schon vier Jahre später gehörte der Hersteller von Naturheilprodukten nicht mehr zum Kerngeschäft und galt als Verkaufskandidat.

Mittlerweile ist aus der zeitweise eher ungeliebten Tochter ein Musterkind geworden. 8 bis 10 Prozent Umsatzwachstum meldet Schmidt und 150 Mio. EUR Umsatz. Die unter dem Namen des Wasserpfarrers Sebastian Kneipp vermarkteten Produkte fügen sich gut in den Wellness-Trend.

Auch die Muttergesellschaft will weiter zulegen. „Wir spielen auf großen Märkten und alle wachsen“, sagte Fünfstück. Auf vielerlei Weise versucht Hartmann beim Inkontinenzmanagement, bei der Wundversorgung und im Infektionsmanagement mehr Marktanteile zu gewinnen.

Leitgedanken sind dabei Innovation und Digitalisierung. So läuft in Tschechien ein klinischer Pilotversuch, bei dem es um die Früherkennung einer Sepsis geht. Bislang – 1000 Patienten wurden erfasst – ist zu erkennen, dass die elektronische Auslese mikrobiologischer Daten von Patienten schneller das Risiko einer Entzündung feststellt als das Fachpersonal.

Innovation ist für die Konzernchefin auch, wenn zum Beispiel in der Wundversorgung die Produktpalette so vereinfacht werden kann, dass allein mit zwei Mitteln fast alle Wunden fachgerecht behandelt werden können. Das Einsparpotenzial reiche von 20 bis 100 Prozent. Eine weitere Neuigkeit von der ersten Frau an der Spitze von Hartmann: Die Jahrhundertmarke Sterilium gibt es jetzt auch im Handel für Privatkunden.

Auch über Zukäufe will das Heidenheimer Unternehmen wachsen – beispielsweise in den USA. „Wir sind aber sehr vorsichtig“, beschrieb Finanzvorstand Schulz die Akquisitionsstrategie: „Es muss passen.“

Spezialist für Inkontinenzprodukte

Die meisten Verbraucher verbinden die Paul Hartmann AG mit Verbandsstoffen und Pflastern. Das umsatzstärkste Geschäftssegment sind aber die Inkontinenzprodukte. Der Umsatz stieg hier im Jahr 2018 um 4,3 Prozent auf 694 Mio. €. Der Umsatz mit Produkten für das Wundmanagement stieg um 3,6 Prozent auf 474 Mio. €. Der Geschäftsbereich Infektionsmanagement legte um 2,6 Prozent auf 505 Mio. €. Kneipp und die weiteren Aktivitäten kamen auf 446 Mio. €. Die Zahl der Mitarbeiter stieg um 220 auf rund 11 030. Die Dividende soll mit 7 € je Aktie stabil bleiben.

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Erstellt:
21. März 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
21. März 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 21. März 2019, 06:00 Uhr

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