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Eine Ausstellung in Düsseldorf widmet sich dem Lebenswerk des Fotografen Horst P. Horst

Die Idealisierung der Schönheit

Der gebürtige Deutsche Horst P. Horst prägte die internationale Modefotografie der 30er und 40er Jahre. Auch Prominente ließen sich von ihm in Szene setzen. Düsseldorf zeigt nun 250 Werke Horsts.

04.03.2016
  • ULRICH TRAUB

Als Models noch kein "Super" im Titel trugen und nicht im Fernsehen gecastet, sondern im Bekanntenkreis entdeckt wurden oder gar Damen von gesellschaftlichem Rang waren, da hatte die Modefotografie ihr Coming-out. Und ein gebürtiger Deutscher war einer der Männer der Stunde. Horst P. Horst, der 1906 als Horst Paul Albert Bohrmann in Weißenfels an der Saale geboren wurde, legte 1943, nach seiner Einbürgerung in die USA, den seinerzeit nicht so klangvollen Nachnamen ab. Als Modefotograf war er da längst etabliert.

In den 30er Jahren hatte die Fotografie die Zeichnungen aus den Modemagazinen verdrängt. Die Protagonisten dieser Entwicklung hießen, neben Horst, George Hoyningen-Huene, Mentor und zeitweiliger Lebenspartner von Horst, Adolphe de Meyer, Edward Steichen und Cecil Beaton.

Die Retrospektive "Photographer of Style" im Düsseldorfer NRW-Forum, kuratiert vom Victoria und Albert Museum in London, bietet mit rund 250 Arbeiten einen Überblick über Horsts 60 Jahre währendes Schaffen - auch jenseits der Mode.

Im Mittelpunkt der Schau steht seine Arbeit in den 30er Jahren für Magazine, vor allem für die in unseren Tagen 100 Jahre alt gewordene "Vogue". Für die Zeitschrift war er zunächst in Paris und später in New York tätig. Seine Liebe für das Spiel mit Licht und Schatten, für dramatische Hell-Dunkel-Kontraste, hatte Horst schnell entdeckt. Sein Ziel: die Idealisierung der Schönheit. Vor allem mit Anleihen beim Schönheitsideal der Antike komponierte Horst seine stilbildenden Schwarzweiß-Fotos im Studio. Die Fotomodelle lehnen an Säulen-Attrappen oder verharren in Posen, die sie wie Statuen erscheinen lassen. Als lebende Skulpturen betrachtete der Fotograf seine Modelle.

Die liegende "Odaliske" erinnert dagegen an einen malerischen Topos aus dem 19. Jahrhundert. Dabei war Horst durchaus an der Kunst seiner Zeit interessiert. Art-Déco-Einflüsse sind unübersehbar. Von Salvador Dali ließ sich Horst Kulissen für Foto-Sets entwerfen und zu surrealen Stillleben inspirieren - etwa mit Vogelkäfig, Spiegel und Bücherstapel. Ein Porträt zeigt Dali mit geschlossenen Augen. Sich von Horst porträtieren zu lassen, war seinerzeit das Gebot der Stunde. Die Ausstellung zeigt Marlene Dietrich und Rita Hayworth, Gary Cooper und Luchino Visconti, Coco Chanel und Elsa Schiaparelli.

Sein Credo "To make people look good" hat Horst aber vorrangig in der Modefotografie umgesetzt. Stets akkurat gescheitelt, mit Krawatte und meist rauchend agierte er am Set und fotografierte vor allem Abendgarderobe. Das berühmteste Foto ist ein Rückenakt, das Mainbocher Corset. Nicht aufdringliche Erotik, sondern zurückhaltende Eleganz zeichnet die makellose Komposition im geheimnisvollen Halbdunkel aus.

Die Düsseldorfer Ausstellung dokumentiert mit zahlreichen "Vogue"-Titeln aus den 30er und 40er Jahren, dass Horst den Schritt zur Farbe erfolgreich vollzog. Reisefotografien, Naturaufnahmen im Stile Karl Blossfeldts und männliche Akte zeigen weniger bekannte Facetten des Documenta-Teilnehmers (1977). An seine frühen Erfolgsjahre konnte er indes nicht mehr anknüpfen. Über seine Vorstellung von Perfektion war die Zeit hinweggegangen. Mit der Fotografie schloss Horst jedoch erst wenige Jahre vor seinem Tod 1999 ab. Er konnte kaum noch sehen.

Info "Horst: Photographer of Style", bis 22. Mai im NRW-Forum Düsseldorf, im Ehrenhof.

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04.03.2016, 08:30 Uhr
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