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Die Hightech-Kathedrale
Sieben große Glocken sind das Herzstück des Bühnenbildes für das Musical „Der Glöckner von Notre Dame“, das ab dem 18. Februar in Stuttgart gastiert. Bis dahin wird im Apollo-Theater noch fleißig aufgebaut. Foto: Stage Entertainment/Jan Potente
Musical

Die Hightech-Kathedrale

Für „Der Glöckner von Notre Dame“ verwandelt sich das Apollo-Theater im SI-Zentrum in eine Kirche. Nicht nur optisch, sondern auch akustisch.

07.02.2018
  • DAVID NAU

Stuttgart. Es wird fleißig gewerkelt im Apollo-Theater im SI-Zentrum: Im Foyer kreischt laut eine Kreissäge, in der Decke wird gerade die letzte Technik verbaut. Das Licht funktioniert auch noch nicht richtig. In den Gängen vor dem Zuschauersaal riecht es streng nach Farbe, dort wurden die Wände und Türen gerade erst neu gestrichen. Im Musical-Theater muss gerade alles gleichzeitig ablaufen, denn viel Zeit bleibt den Technikern und Handwerkern nicht.

Erst Ende Januar ging im Apollo-Theater in Stuttgart-Möhringen die letzte Vorstellung von „Mary Poppins“ über die Bühne – und am Sonntag in einer Woche soll bereits das nächste Musical dort seine Premiere feiern: „Der Glöckner von Notre Dame“.

Für die Geschichte des Glöckners der Pariser Kirche Notre Dame verwandeln die Macher des Musicals den Zuschauersaal so gut es geht in eine Kathedrale. Auf der Bühne steht bereits das hölzerne Gerippe des Kirchturms, von den Rändern schauen Heiligenfiguren auf die Bühne herab. Insgesamt 14 Sattelzüge brachten das rund acht Tonnen schwere Bühnenbild von München, wo das Musical zuletzt gastierte, nach Stuttgart.

Kern der Kulisse sind die sieben große Glocken, die in drei Reihen übereinander hängen. Sie sind zwar aus Kunststoff gefertigt, verhalten sich aber dank modernster Technik ähnlich wie ihre gewichtigen Vorbilder: „Wenn die Klöppel in Schwung geraten, dann lösen sie durch einen Sensor den Glockenton vom Band aus“, erklärt Rainer Frenkel, der die Technik verantwortet. Um die Glocken richtig in Schwingung zu bringen, gibt es für die Darsteller sogar eigene Proben.

200 Lautsprecher sorgen für Hall

Auf der Bühne laufen ein Dutzend Menschen umher, jeder mit einem Klemmbrett in der Hand und einem Knopf im Ohr. „Im Moment arbeiten noch alle nebeneinander her“, erklärt Zsolt Csaba, bei dem als Produktionsleiter alle Fäden zusammenlaufen. Schauspieler, Techniker, Musiker, Tänzer, Bühnenbildner: Alle Abteilungen der Musical-Produktion seien gerade noch mit sich selbst beschäftigt. „Morgen kommt alles gemeinsam auf die große Bühne“, sagt Csaba. Dann proben die Schauspieler die Geschichte des Quasimodo erstmals auf dem Podium im Zuschauersaal.

Zur Kathedralen-Atmosphäre werden auch die Zuschauer beitragen, sagt Technikchef Frenkel. Im ganzen Zuschauersaal sind über 200 Lautsprecher verbaut, die die Geräusche des Publikums verstärken und einen Hall erzeugen sollen. „Je nach dem, wie laut das Publikum ist, gibt das jeden Abend einen anderen Klang“, sagt Frenkel.

Überhaupt ist der Klang bei „Der Glöckner von Notre Dame“ die größte Herausforderung für die Techniker. Weil das Bühnenbild während der Szenen so gut wie gar nicht wechselt, werden Ortswechsel vor allem durch den veränderten Ton dargestellt. Spielt die Handlung etwa gerade in der Kathedrale, dann bekommen Gesang und Dialoge einen leichten Hall. Befinden sich die Schauspieler hingegen im Glockenturm, entfällt der Hall-Effekt.

Auf die große Premiere bereiten sich aber nicht nur die Techniker und Bühnenbildner vor. Auch die Schauspieler proben hinter den Kulissen schon fleißig. Sogar so fleißig, dass die Darstellerin der Esmeralda, Mercedesz Csampai, bislang noch nicht viel von Stuttgart gesehen hat.

Die Schwedin ist für die Aufführungen in Stuttgart neu zum Ensemble gestoßen. Für die anderen Schauspieler war das eine Umstellung. „Neue Ensemblemitglieder reißen einen schon aus dem eingespielten Showbetrieb“, sagt Maximilian Mann, der im Stück den Hauptmann Phoebus spielt. Sie seien aber auch eine Chance für neue Ideen und Impulse.

Eine Bühne ganz ohne Vorhang

Hauptdarsteller David Jakobs, der den Quasimodo bereits in Berlin verkörperte, ist davon überzeugt, dass die Geschichte das Publikum berühren wird. „Mit dem ausgestoßenen Jungen kann man sich gut identifizieren“, sagt er. Die Thematik lasse sich zum Beispiel auf Mobbing in der Schule übertragen. „Wir treffen mit dem Stück ins Herz“, sagt er.

Ob er damit recht hat, zeigt sich, wenn sich nach der Premiere zum ersten Mal der Vorhang senkt. Wobei das nicht ganz richtig ist: Es gibt nämlich keinen Vorhang – der würde die Kathedralen-Atmosphäre stören.

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07.02.2018, 06:00 Uhr
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