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Tübingen

Die Grenzen des Prüfbaren

Die Debatte um die Tierversuche am Tübinger Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik nimmt kein Ende. Und beide Seiten, Wissenschaftler und organisierte Tierschützer, liefern sich ein Pingpong der Argumente und Emotionen – mit Zitaten in Berichten, Gastbeiträgen und Leserbriefen. Das TAGBLATT hat über Jahre immer wieder beide Seiten ausführlich zu Wort kommen lassen, hat das Thema in vielen Facetten auch in Kommentaren eingeordnet, dabei differenziert und abgewogen.

23.12.2016

Von Gernot Stegert

Das entspricht unserem Selbstverständnis, Forum für solche Diskussionen zu sein. Ein Dossier auf unserer Internetseite dokumentiert dies. Und dort sind noch nicht einmal alle Artikel aufgeführt.

Alles also gut? Nein, uns wurmt, dass wir an unsere Grenzen kommen. Ein Journalist soll und will recherchieren. Das ist bei Tierversuchen leider kaum möglich. Schon personell wäre es unrealistisch, eine Kraft dafür wochenlang freizustellen. Auch in der Sache ist es schwer. Stern TV hat die Sicht der Soko Tierschutz und deren Filmmaterial übernommen. Das ist uns zu einfach. Umgekehrt sind auch die Aussagen der MPI-Forscher interessegeleitet.

Am Beispiel: Was ist Quälerei? Ab wie viel Minuten oder Stunden wird Durst zur Qual? Welche Bewegungen eines Affen im Käfig sind unnatürlich? Vieles ist mehr eine Frage der Einschätzung als der Fakten. Und diese lassen sich kaum nachprüfen. Das ist unbefriedigend, gehört aber zur Ehrlichkeit dazu, auch wenn Wissenschaftler und Tierschützer widersprechen und die Wahrheit für sich reklamieren.

Anfang des Monats haben wir mit Gastbeiträgen den MPI-Direktor Nikos Logothetis und dann den Soko-Tierschutz-Gründer Friedrich Mülln Stellung nehmen lassen. Nun hat sich Logothetis noch einmal zu Wort gemeldet. Darin widerspricht er den Tierschützern erneut. Ausgiebig haben wir in der Redaktion beraten, was wir damit tun. Auch abdrucken? Wir sind zum Ergebnis gekommen, dass die Debatte über das, was ein TV-Bericht vor zwei Jahren kritisiert hat, nicht mehr weiter führt. Die Materie ist zu komplex und detailliert für die meisten Leser.

Wer sich dennoch darin vertiefen will, für den haben wir den Beitrag von Logothetis online gestellt neben die anderen Artikel unter www.tagblatt.de/t16. Wir möchten die wichtige Debatte aber künftig lieber weniger rückwärtsgewandt als konstruktiv nach vorne begleiten. Fragen sind doch: Wie weit sind die Alternativen zu Tierversuchen wirklich? Was muss getan werden?

Weißnachtsgrüße haben uns viele per Postkarten und Mails erreicht. Wir danken auf diesem Wege und wünschen ein friedliches Fest.

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Erstellt:
23. Dezember 2016, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
23. Dezember 2016, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 23. Dezember 2016, 01:00 Uhr

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Frank Klaffke 28.12.201614:30 Uhr

Die Entscheidung des Tagblatts finde ich gut und richtig, den Artikel von Herrn Logothetis nicht abzudrucken. Für mich sind die Äußerungen des MPI zur Bewertung und Beendigung von Tierversuchen sind wenig transparent und eben, so wie Sie schreiben, interessegeleitet. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Situation für die Tiere dort wirklich entwickeln wird. Und welche Forschungen die neu zu berufenden Professoren aufnehmen. Besonders gut finde ich Ihren Entschluss, die Diskussion in Zukunft konstruktiv vorwärtsgewandt zu begleiten. So hat zum Beispiel Holland erklärt, bis 2025 alle Tierversuche abschaffen zu wollen. Insbesondere, da Tierversuche bei der medizinischen Entwicklung von auf den einzelnen Patienten zugeschnittenen Medikamenten naturgemäß immer weiter an Aussagekraft verlieren. Es wäre spannend zu erfahren, was Tübinger Forscher dazu sagen. Und ob die Tübinger Universität auch an der Entwicklung tierversuchsfreier Forschungsmethoden arbeitet.

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