Sängerin

Die Grande Dame des Chansons

Sie war die schwarze Muse der Pariser Existenzialisten. Mit 93 Jahren ist Juliette Gréco gestorben.

24.09.2020

Von DPA

Weltstar des Chansons: Juliette Gréco, im Jahre 2004. Foto: Lehtikuva Saukkomaa

Paris. Ihre Stimme machte traurig, melancholisch, brachte zum Lachen und zum Weinen. Juliette Gréco sang nicht, sondern spielte. Die Verliebte, die zärtlich „Davor hab ich Angst“ ins Mikrofon flüsterte, oder die Verführerin, die sinnlich „Lösch die Lampe aus“ hauchte. Ein Lied zu singen, war für sie wie ein Theaterstück mit verschiedenen Rollen. Als Grande Dame des französischen Chansons wurde sie gefeiert. Nun ist sie am Mittwoch im Alter von 93 Jahren gestorben.

Gréco hat die Lieder der größten Chansonniers interpretiert wie „Amsterdam“ von Jacques Brel und „Les feuilles mortes“ von Georges Brassens. Und die bedeutendsten Autoren wie Françoise Sagan, Jacques Prévert, François Mauriac und Albert Camus schrieben für sie die Texte. Sie sei eine liebende und aufmerksame Dienerin, die alles gebe, um den Autoren zu dienen, erklärte sie. Mit Gréco ist nach Édith Piaf und Barbara die letzte große Chansonnette Frankreichs von der Bühne gegangen.

Grande Dame de la Chanson und Muse der Pariser Bohème: Titel, die sie voller Bescheidenheit trug. Denn das Bild, das sie von sich selbst hatte, war ein völlig anderes. „Ich war eine merkwürdige junge Frau gewesen, hatte Männerkleider getragen und mir einen Pony geschnitten, um mich besser dahinter verstecken zu können, gestand sie einst.

Die am 7. Februar 1927 in Montpellier in Südfrankreich geborene Sängerin kam Mitte der 1940er Jahre nach Paris. Grécos Karriere wurde von großen Namen bestimmt, denn zum Star hatte sie kein anderer gemacht als Jean-Paul Sartre, Paradefigur des französischen Intellektuellen des 20. Jahrhunderts. Der Philosoph und Schriftsteller hatte sie in der Pariser Kellerbar „Le Tabou“ in Saint-Germain-des-Prés singen gehört. Sartre war von Gréco begeistert. Gréco habe Millionen von Gedichten in ihrer Stimme, die noch nicht geschrieben seien. Sie erinnere daran, dass Worte eine sinnliche Schönheit haben. Kurz danach schrieb der Hauptvertreter des Existenzialismus ihr erstes Chanson. Sabine Glaubitz

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Erstellt:
24. September 2020, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
24. September 2020, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 24. September 2020, 06:00 Uhr

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