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Kerne zeitgemäß reaktivieren

Die Gemeinde Starzach fördert das Bauen und Umbauen in den historischen Dorfmitten

Die Gemeinde Starzach hätte innerorts theoretisch Platz für weitere 1400 Menschen, wenn alle Baulücken geschlossen und Leerstände behoben werden. Beim Städtebaufördertag wies die Starzacher Verwaltung auf Entwicklungspotenzial und gelungene Projekte hin. Beispielhaft stellt das TAGBLATT sanierte Häuser aus Starzach vor.

04.08.2016
  • Dunja Bernhard

Starzach. Im Mai nahm die Gemeinde Starzach am bundesweiten Tag der Städtebauförderung teil. Bürgermeister Thomas Noé und Projektleiter Andreas Scholz zeigten vorbildliche innerörtliche Entwicklungen auf und wiesen auf Missstände hin. In den Starzacher Teilorten gibt es zahlreichen Baulücken und leerstehende Gebäude. Das Entwicklungspotential in den Innenbereichen ist so groß, dass theoretisch 1400 Neubürger und Neubürgerinnen einen Platz in der Gemeinde finden könnten, ohne dass weitere Baugebiete ausgewiesen werden müssten.

Allerdings befinden sich die meisten Flächen in privater Hand. Eine Abfrage erbrachte 2012, dass maximal ein Fünftel der Eigentümer zu einem Verkauf bereit wäre. Als Hinderungsgründe nannten sie am häufigsten Bevorratung für Nachkommen oder für eine spätere Eigennutzung, kein Interesse an einer Verwertung der Fläche oder dass sie das Grundstück als Kapitalanlage sehen.

In Bierlingen und Wachendorf sind in den Ortskernen Gebiete ausgewiesen, die vom Landessanierungsprogramm gefördert werden. Auf anderen Flächen können bei privaten Sanierungsprojekten ebenfalls steuerliche Vorteile genutzt werden.

Die Gemeinde ging in den 1980er Jahren mit gutem Beispiel voran: Mit Mitteln aus dem Landessanierungsprogramm gestaltete die Verwaltung den Ortskern von Bierlingen mit Bürgerhaus und Rathaus neu. Dort waren vorher eine verkommene Wiese und eine baufällige Scheune, sagt der Starzacher Architekt Rainer Dausacker. „Heute ist die Ortsmitte ein Ort der Identifikation.“ Eine einheitliche Baukultur wirke ansprechend, auch auf Städter, die sich überlegen, aufs Land zu ziehen.

Eine Baulückenbörse soll seit 2015 Grundstückseigentümer und Kaufinteressenten zusammen bringen. Auch die Gemeinde ist am Kauf von Objekten interessiert. Sie nutzt die Gebäude als Unterbringung für Obdachlose oder Flüchtlinge, wie an der Bierlinger Hauptstraße. Baufällige Häuser lässt sie abbrechen, um anschließend den Bauplatz zu verkaufen. Ein Beispiel für dieses Vorgehen ist die Brechengasse 28/30. Dort fügte die Verwaltung zwei kleine Grundstücke zu einem 300 Quadratmeter großen Bauplatz zusammen, der mit einem Flyer beworben wird. Darin stellt die Verwaltung ein mögliches Bebauungskonzept vor, das sich an die Umgebung anpasst. Traufhöhe und Dachneigung, sowie Material- und Farbgestaltung soll sich an den Nachbarbauten orientieren.

Neubauten sollen sich in die gewachsene Baukultur eines schwäbischen Straßendorfs einfügen, so der Plan der Projektgruppe „Bauen und Wohnen“ des Gemeindeentwicklungskonzepts Starzach 2025. Denkbar ist auch ein Haus mit großen Glasanteilen, sofern es sich größenmäßig und vor der äußeren Figur einordnet. Eine Gestaltungssatzung gibt es aber noch nicht.

Kleine Flurstücke, straßennahe Bebauung, Satteldächer und gedeckte Farben prägen schwäbische Straßendörfer, erläutert Dausacker. Eine typische Bauform der Schwäbischen Alb sei das gestelzte Einhaus, in dem Wohnung und Stall auf engstem Raum untergebracht waren. Diese Merkmale widersprechen im ersten Augenblick Anforderungen des modernen Wohnens, schließen sich aber grundsätzlich nicht aus, sagte Dausacker. „Wo früher der Traktor stand, passen heute die Autos rein.“ Der Hauswirtschaftsraum ersetzt den Stall. Statt eines Kellers könne der Dachboden als Abstellfläche genutzt werden. Die energetische Sanierung sei allerdings mitunter eine „Herkulesaufgabe“. Zuschüsse vom Land oder von der Gemeinde, könnten dazu anreizen, die Herausforderung anzugehen.

An der Ortsdurchfahrt und im historischen Ortskern sollten Vorgaben für die Bebauung gemacht werden, findet Dausacker. Nur so lasse sich der Charakter der historisch gewachsenen Baukultur erhalten. „Eine Gemeinde lebt von der Erkennbarkeit“, ist Dausacker überzeugt. Wohnen höre nicht an der Haustür auf. Ein Gebäude müsse zum Ensemble drumherum passen und Teil vom Ganzen sein. „Bauen ist immer öffentlich“, sagt Scholz.

Die Kehrseite einer Gestaltungssatzung oder anderer Vorgaben für geschützte Gebiete könnte sein, dass die Restriktionen Käufer abschrecken. In persönlichen Gesprächen und durch Informationstage wie den Städtebaufördertag will die Gemeinde Leute für die im Ort vorhandenen Chancen sensibilisieren, sagt Dausacker.

Seit der Kartierung der Baulücken und Leerstände im Jahr 2012 hat sich an einzelnen Stellen schon etwas getan. In der Brechengasse 1 brachten die Eigentümer, wie Noé formulierte, „alte Hütte“ auf den neuesten Stand. Sie schufen mit Gauben zusätzlichen Wohnraum und mit einem Aufzug Barrierefreiheit. Im Einsiedelweg wich ein altes Bauernhaus mit Scheune zwei modernen Neubauten. In Sulzau renovierte ein Makler ein altes, unbewohntes Haus und vermietet zwei Wohnungen.

In einem Workshop sammelten Wachendorfer Bürger Ideen, wie die Ortsmitte rund um das Hirtenbrünnle umgestaltet werden kann und welche Nachnutzungen sie sich für das Schlachthaus, einen landwirtschaftlichen Betrieb und das Rathaus vorstellen können.

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04.08.2016, 01:00 Uhr
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