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Die Gefahr surft im Netz mit
Das Internet gehört zum Alltag von Kindern und Jugendlichen. Aber es birgt auch Risiken. Foto: Getty Images
Kinder und Medien

Die Gefahr surft im Netz mit

Immer mehr Kinder nutzen das Internet und werden leichte Beute – nicht nur für Unternehmen, sondern auch für Straftäter. Umso wichtiger ist die Prävention.

07.02.2018
  • DOROTHEE TOREBKO & IGOR STEINLE

Berlin. Kinder verbringen immer mehr Zeit im Internet. Sie sind in sozialen Netzwerken unterwegs, surfen auf unbekannten Seiten und schauen sich Filme an, von denen die Eltern nichts wissen. Das ist gefährlich, mahnen Wissenschaftler. Auf dem Europäischen Polizeikongress in Berlin beschäftigen sich Experten heute mit der Gefahr.

Viel Zeit im Netz Einer US-Studie zufolge verbringen Mädchen 92 Minuten täglich in sozialen Netzwerken, bei Jungs sind es 52 Minuten. Zahlen der Universität Ulm zeigen Ähnliches: 35 Minuten sollen Smartphone-Nutzer allein auf dem Messengerdienst Whatsapp verbringen.

Warnung vor Suchtgefahr Vor wenigen Wochen warnte der Berufsverband für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (BKJPP) vor übermäßigem Medienkonsum. „In der Zeit, in der ich mich mit Online-Spielen beschäftige, versäume ich es, andere altersadäquate Dinge zu lernen“, sagte BKJPP-Vorstand Gundolf Berg. Die Drogenbeauftragte Marlene Mortler (CSU) geht von 560.000 Internetabhängigen in Deutschland aus. Der Chef des Software-Entwicklers Salesforce sagte, man müsse Facebook behandeln wie ein Tabakunternehmen. Ex-Mitarbeiter von Google und Facebook haben sich im „Center for Humane Technology“ zusammengeschlossen. „Wir wissen, welche Daten die Firmen sammeln“, sagten sie der „New York Times“. „Die besten Computer der Welt sind in den Händen von Google und Facebook und haben es auf die Hirne der Menschen, auf unsere Kinder abgesehen.“

Kritiker zielen auf Facebook Das Netzwerk ziele darauf ab, Menschen mittels des „Gefällt-mir-Buttons“ abhängig von sozialen Reaktionen zu machen. Weil die „Likes“ auf das Belohnungszentrum im Gehirn wirken, hätten sie einen großen Einfluss auf die Entwicklung von Kindern: „Nur Gott weiß, was Facebook mit ihren Gehirnen anstellt“, sagte selbst Ex-Facebook-Investor Sean Parker. Der US-Konzern geriet jüngst wieder in die Kritik, weil er in den USA einen Messenger für Sechsjährige anbot.

Raum für Sexualstraftäter „Jede Seite, jedes Onlinespiel oder App, über die Nachrichten oder Bilder gesendet werden können, eröffnen ein Kommunikationsrisiko. Vor allem bei Online-Spielen und Programmen wie Instagram und Musically lauern Gefahren“, warnt Cyber-Kriminologe Thomas Gabriel Rüdiger von der Fachholschule der Polizei Brandenburg. Denn hier tummeln sich Männer und Frauen, die Kinder für ihre Zwecke missbrauchen.

Ein Beispiel, über den Google-Playstore zu finden, ist die App Kik. Da finden sich so Kommentare wie von Mr. KaCkBoOn: „Schreibt mir, ich kann seit Tagen nicht schlafen. Eine Unterhaltung ist immer schön… Alter ist egal.“ Auf Instagram finden sich unter dem Hashtag „Beichten“ Sprüche mit Inhalten wie: „Ich M/19 (männlich, 19 Jahre) beichte, dass ich Mädels Geld für sexy Bilder zahle. Sind mindestens 300 Euro die eine im Monat bekommt.“ Eine Altersbeschränkung gibt es bei diesen Plattformen nicht. Jeder kann diese Kommentare lesen und einstellen. Auch Kinder.

Schlechte Ausstattung beklagt „Wir brauchen im Internet einen generalpräventiven Ansatz. Wir müssen einen Raum ähnlich wie im Straßenverkehr schaffen, wo es Regeln gibt, und diese Regeln mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit durchgesetzt werden“, fordert Rüdiger. Und: „Die Sicherheitsbehörden müssen im Netz sichtbarer sein.“ Derzeit ist das nicht hinreichend der Fall. Bei den Millionen an Delikten sei es nicht möglich, dass Polizisten sich ihrer Masse alleine annehmen.

1859 Beamte sind in Deutschland laut einer „Spiegel“-Umfrage zuständig für Cyber Crime, weniger als ein Prozent aller Polizisten. Die meisten Cyber-Crime-Experten gibt es in Nordrhein-Westfalen: 400. Gar keinen in Bremen. Baden-Württemberg hat mit 344 Beamten die zweitmeisten Cyber-Crime-Polizisten in Deutschland. Die Medienkompetenz der Beamten gehöre aber zu den Schlüsselqualifikationen der kommenden Jahrzehnte, moniert Rüdiger. Es müsse virtuelle Streifen geben.

Im Entwurf für den Koalitionsvertrag haben Union und SPD festgeschrieben, „die konsequente Verfolgung pädokrimineller Täter, die im Netz aktiv sind, zu intensivieren“. Sexualisierte Gewalt gegen Kinder im Netz soll härtere Konsequenzen nach sich ziehen. Die Parteien kündigen zudem an, sie wollten über das Jugendschutzrecht stärker gegen Cybermobbing, sexualisierte Gewalt und Suchtgefährdung im Netz vorgehen.

Tipps für Eltern

Anders googeln: Für den Browser Firefox gibt es Add-ons wie Glubble, mit denen Eltern die Seitenzugriffe ihrer Kinder im Blick haben können. Websites wie www.blinde-kuh.de geben zudem Informationen für kindgerechtes Surfen im Internet.

Risiken kennen: „Der beste Schutz ist, dass sich Eltern selbst mit den Programmen beschäftigen. Sie sollten Ansprechpartner ihrer Kinder sein und nicht umgekehrt“, mahnt Cyber-Kriminologe Thomas Gabriel Rüdiger.

Internetabkommen abschließen: In diesem Vertrag zwischen Eltern mit ihren Kindern sollten Sätze stehen wie: „Ich sage meinen Eltern, wenn sich jemand mit mir treffen will.“

Kindgerechte Technik: Kinder-Tablets gibt es bereits ab 50 Euro. Sie haben Sicherungen, mit denen die Eltern aufgerufene Inhalte kontrollieren können.

Zeit eingrenzen: Die Onlineaktivität des Kindes am Smartphone können Eltern durch eine Handygarage einschränken. Danach muss das Handy um 20 Uhr ins Bett. ⇥dot

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07.02.2018, 06:00 Uhr
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