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Kunst im Kreuzgang

Die Galerie "Fähre" in Bad Saulgau ist ein Erbe der französischen Besatzung

Im Frühjahr 1947 reiste ein junger Gouverneur von Saulgau nach Paris, um dort General Charles de Gaulle über die neuen Entwicklungen im oberschwäbischen Landkreis zu informieren. Die französische Besatzungsmacht hatte vor, ein "Centre d"Information" in Bad Saulgau einzurichten mit dem Ziel, nach der Nazi-Diktatur die Deutschen zu demokratisieren und die ehemaligen "Erbfeinde" wieder auszusöhnen.

07.08.2013

Von SUSANNE RUDOLPH

"Brücke" sollte das kulturelle Zentrum heißen. Aber de Gaulle schüttelte den Kopf. Der Krieg habe gezeigt, dass Brücken anfällig seien, man solle es besser "Fähre" nennen, denn so eine bliebe auch unter schwierigen Bedingungen manövrierfähig. Eine Geschichte, fast zu schön, um wahr zu sein. Doch als der legendäre Gouverneur Coup de Fréjac sie zum 50-jährigen Bestehen der Galerie 1997 erzählte, zweifelte niemand daran. Tatsächlich sollte Charles de Gaulle recht behalten: Die Städtische Galerie "Fähre" ist die einzige Kultureinrichtung der französischen Besatzungszonen, die überlebt hat. Vielleicht, sagt Kulturreferent Andreas Ruess, "dank der klugen Strategie des Franzosen, die Verantwortung für die ,Fähre sofort in deutsche Hände gegeben und die richtigen Leute dafür gefunden zu haben".

Von Anfang an einem anspruchsvollen Programm verpflichtet - gleich im ersten Jahr 1947 waren hier Bonnard und Sérusier, später Nolde, Klee und Dix zu sehen - hat sich die "Fähre" zu einer der ersten Ausstellungsadressen in Oberschwaben entwickelt, die auch ehemals verfolgten Künstlern wie Wilhelm Geyer, Hans Gassebner oder Karl Caspar früh eine Heimat gab und bis heute die Entwicklung der Klassischen Moderne und der zeitgenössischen Kunst des Südwestens in mehr als 400 Ausstellungen dokumentiert hat. Eng verbunden ist der Name der "Fähre" mit dem "Oberschwäbischen Kunstpreis", der erstmals 1952 im heutigen Bad Saulgau vergeben wurde - untrennbar verbunden auch mit der eindrucksvollen Sammlung "Kunst in Oberschwaben seit 1900".

Vormals im ersten Gebäude der "Fähre" zu sehen, dann im "Haus am Markt", sind die repräsentativen Arbeiten von Jakob Bräckle über Maria Caspar-Filser, HAP Grieshaber und Hans Purrmann bis Rudolf Wachter und Gerhard Langenfeld seit 2010 im lichten Kreuzgang des überaus gelungen sanierten Alten Klosters aus dem 17. Jahrhundert untergebracht. Das ist die neue "Fähre" mitten in der Stadt. Sie bietet einen fesselnden Einblick in das Kunstschaffen zwischen Ulm und Bodensee. Mit einer Einschränkung: Bei großen Wechselausstellungen, wie etwa der Retrospektive mit Fotografien von Herlinde Koelbl 2012, werden die Bilder der Sammlung ausgelagert. Auch jetzt sind sie im Depot, während der Fotoausstellung "SichtlichMensch" von Andreas Reiner. Mit diesem "Newcomer", verlasse die "Fähre" sozusagen gesichertes Terrain, sagt Andreas Ruess.

Stattdessen wird der Besucher konfrontiert mit einem Fotografen, der sich jeglicher Schule entzieht, "einem Außenseiter, der mit der Kamera die innere Welt des Anderen sucht (.) und von den Höhen und Tiefen des Lebens erzählt". So drückt Herlinde Koelbl im Katalog ihre Bewunderung für den Querdenker und Querfühler Andreas Reiner aus.

Ja, die "Fähre" ist mit ihrer 66-jährigen Ausstellungstradition längst ein unverzichtbarer Bestandteil der süddeutschen Kunstlandschaft. Und immer wieder gut für Überraschungen.

Die "Fähre" ist in einem ehemaligen Kloster untergebracht. Derzeit zeigt Andreas Reiner Fotos - hier aus der Serie "Diagnose Krebs". Fotos: Susanne Rudolph, Andreas Reiner

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Erstellt:
7. August 2013, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
7. August 2013, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 7. August 2013, 12:00 Uhr

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