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„Die Eitelkeit leidet schon ein wenig“

Interview mit Schauspieler Christoph M. Ohrt

Der Schauspieler Christoph M. Ohrt spricht im Interview über seine Rolle als abgehalfterter Star, persönliche Camping-Erlebnisse und sein Hörgerät.

21.06.2019

Von Cornelia Wystrichowski

Mit seiner Schwerhörigkeit geht Christoph M. Ohrt offen um. Er wirbt sogar für den Einsatz entsprechender Hilfsmittel. Foto: Peter Steffen für Widex/Widex Hörgeräte GmbH

Die Anwaltsserie „Edel & Starck“ machte ihn 2002 zum Publikumsliebling: In seinem neuen Film „Camping mit Herz“ spielt Christoph M. Ohrt ein echtes One-Hit-Wonder. Der abgehalfterte Schlagersänger Kalle landete vor Jahren mit einem Campingsong seinen einzigen Hit – als PR-Aktion muss der gealterte Star auf den Zeltplatz von Désiree (Diana Amft) ziehen, der das Wasser ebenfalls bis zum Hals steht.

Herr Ohrt, in Ihrer neuen Komödie „Camping mit Herz“ erkennt man Sie auf den ersten Blick kaum, so sehr haben Sie sich äußerlich verändert . . .

Christoph M. Ohrt: Ich war wirklich sehr glücklich, dass Regisseur Josh Broecker mich gebeten hat, mir den Bart und die Haare länger wachsen zu lassen. Es passiert mir eigentlich selten, dass ich für eine Rolle mein Äußeres verändern darf, dabei ist das doch gerade der große Spaß beim Schauspielen. Ich hoffe, dass das jetzt öfter vorkommt.

In dem Film spielen Sie einen abgehalfterten Schlagerstar. Singen Sie in den Gesangsszenen selber?

Ehrlich gesagt ist das Singen nicht so meine Stärke. Wenn ich unter der Dusche oder beim Autofahren singe, würde ich am liebsten selber Reißaus nehmen, und deshalb lassen wir das in diesen Szenen bewusst etwas offen (lacht).

Aus PR-Gründen muss Schlagerstar Kalle zwei Wochen auf einem Zeltplatz an der Ostsee campen, obwohl er das hasst. Sind Sie eher der Typ Zeltplatz oder Luxushotel?

Mir ist ein schönes Hotel lieber. Ich war zwar schon campen, ich habe sogar schon mit meinem Sohn in Kalifornien in der Wüste gezeltet und fand Camping immer klasse. Aber nach drei, vier Tagen war ich jedes Mal froh, wenn es wieder ein Ende hatte. Ich habe einfach gerne mein eigenes Bad.

Und wie waren Sie bei den Dreharbeiten untergebracht?

Nicht auf dem Campingplatz (lacht). Ich hatte eine schöne kleine Wohnung, damit ich am Ende eines langen Arbeitstags mit vielen Menschen um mich herum auch etwas Zeit für mich allein hatte – da habe ich für mich gekocht, Nachrichten geguckt und entspannt.

Sie haben in der Rolle ein Hörgerät und tragen auch in echt eines. War es Ihre Idee, das ins Drehbuch zu schreiben?

Nein, auch das war eine Idee von Josh Broecker, dem Regisseur. Er hat erst gesagt, jetzt schreiben wir dir zwei Songs, dann lerne bitte Gitarre, lass dir den Bart und die Haare wachsen – und was hältst du davon, wenn wir das Hörgerät einbauen? Als er das vorgeschlagen hat, habe ich sofort ja gesagt, denn ich fand, dass das der Figur noch mal einen anderen Kick gibt, es macht sie noch glaubwürdiger.

Sie tragen Ihr Hörgerät seit einigen Jahren. Ist das denn gar kein Problem in einer Branche der Eitelkeit?

Es gibt keinen Grund, das zu verheimlichen. Die Eitelkeit leidet schon ein wenig, aber dafür hat man wieder mehr Spaß am Leben. Mein Beruf ist ja die Kommunikation, ich versuche, Menschen darzustellen und Geschichten zu erzählen, und dabei hilft es mir, gut zu hören. Und wenn ich merke, dass mir etwas hilft, wie zum Beispiel eine Brille oder eben ein Hörgerät, dann wäre es doch töricht, darauf zu verzichten. Ich habe auch gemerkt, wie vielen Leuten ich schon geholfen habe, weil die das bei mir gesehen haben. Die sind dann zum Hörakustiker gegangen, kamen mit Hörgeräten wieder und waren glücklich. Zumal man die Dinger ja kaum mehr sieht.

Schlagerstar Kalle hatte in seiner Karriere einen einzigen großen Hit, auf den er ständig angesprochen wird. Was war der größte Hit in Ihrer Schauspielerkarriere?

Den meisten Zuschauern ist die Serie „Edel & Starck“ im Kopf hängen geblieben, aber auch auf die Filme „Echte Kerle“ und „Ballermann“ werde ich oft angesprochen. Auf so was wie die Serie „Helicops“ werde ich komischerweise nicht mehr angesprochen, obwohl das damals ja auch schwer angesagt war. Aber gerade bei „Edel & Starck“ stimmte wirklich alles, und darauf kann ich auch stolz zurückblicken. So enorm hat nichts noch mal eingeschlagen.

Ist es Ihnen gar nicht lästig, darauf angesprochen zu werden?

Nein, denn das waren vier tolle Jahre, und ich blicke gerne darauf zurück. Ich habe viel anderes gedreht, aber wenn die Serie das ist, was bei den Leuten hängengeblieben ist, geniere ich mich nicht – im Gegenteil, denn es war ja gute Unterhaltung.

Wie schlimm ist es, wenn man als Schauspieler in einer Schublade landet?

Solche Schubladen sind ein zweischneidiges Schwert. William Shatner hat sich wahrscheinlich auch nicht träumen lassen, dass Captain Kirk die Rolle seines Lebens sein würde, oder Leonard Nimoy als Spock. Beide haben ja auch schon vorher als Schauspieler existiert, dann wurden sie in die Schublade gezwängt und kamen nicht wieder raus. Aber sie konnten von ihren Rollen leben. Und genau dieser Zwiespalt steht auch im Vordergrund unseres Films, der Wunsch nach künstlerischer Verwirklichung und zugleich der Zwang, seine Brötchen zu verdienen.

Sie sind seit vielen Jahren im Geschäft. Wie haben Sie es geschafft, sich oben zu halten?

Ich glaube, ich hatte einfach das nötige Quäntchen Glück. Natürlich versucht man immer, seinen Job so gut wie möglich zu machen, aber letztlich kann man das selber nur schwer beeinflussen. Und ganz ehrlich: Wenn man auf der Bühne steht oder einen Film macht, denkt man jedes Mal, das war es jetzt, das war der letzte Job – diese Ängste kennen glaube ich die meisten Schauspieler.

Info „Camping mit Herz“ mit Christoph M. Ohrt in der Hauptrolle läuft an diesem Freitag, 20.15 Uhr, in der ARD.

Fürs Schauspielstudium in die USA gegangen

Christoph M. Ohrt kam 1960 in Hamburg zur Welt. Er ging 1979 fürs Schauspielstudium in die USA und lebte in der Folgezeit in Los Angeles, Paris sowie in New York. In den 90er Jahren machten ihn Auftritte in den Kinofilmen „Echte Kerle“ und „Nur über meine Leiche“ bekannt. Seinen Durchbruch als Schauspieler brachten Orth die Hauptrollen in den Serien „Helicops“ sowie „Edel & Starck“.

Aus einer geschiedenen Ehe hat Christoph M. Ohrt zwei Kinder. Er ist mit der Schauspielerin Dana Golombek liiert und wohnt in Berlin. Weil er schwerhörig ist, trägt der 59-Jährige ein Hörgerät. ⇥ski

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Erstellt:
21. Juni 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
21. Juni 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 21. Juni 2019, 06:00 Uhr

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