Horb

Leuco: Lust auf Leistung

Im Juli konnte das Horber Unternehmen nach längerer Corona-Pause wieder den traditionellen Familientag feiern und dabei das neue Servicecenter vorstellen. Frank Diez, Vorstandsvorsitzender des mittelständisch geprägten Familienunternehmens, über Leucolaner, die von den globalen Krisen beherrschte Gegenwart und vorsichtigem Optimismus für die Zukunft.

13.10.2022

Von Ralf Flaig

Frank Diez. Bild: Karl-Heinz Kuball

Frank Diez. Bild: Karl-Heinz Kuball

Die Einweihung des Servicecenters war eigentlich zu dessen Inbetriebnahme im Jahr 2020 geplant, doch dann kam die Corona-Pandemie dazwischen“, erklärt Frank Diez, der seit über zehn Jahren Vorstandsvorsitzender der Leuco AG ist. „Das Servicecenter erzeugt Synergieeffekte und führt zu einer engeren Verzahnung von Mitarbeitern und Unternehmensführung.“

Das Servicecenter ist im Grunde genommen nichts anderes als ein Kreislaufwirtschaftssystem. Jedes Werkzeug besteht aus einem Grundkörper und dem Schneidebereich, der aus Hartmetall oder Diamant besteht. Dies ist ein Verschleißteil, das beim Hartmetall durch Schärfen oder beim Diamant durch Erodieren oder Lasern geschliffen wird. Damit ergibt sich quasi ein neues Werkzeug, solange es wirtschaftlich darstellbar ist. „Im Grunde genommen ist unser Servicecenter ein Musterbeispiel für Nachhaltigkeit“, konstatiert Diez.

Leuco macht ein Drittel des Umsatzes durch Serviceleistungen. Immerhin stehen rund 7000 Produktvarianten im Katalog. Hinzu kommt noch eine Vielzahl von Sonderwerkzeugen. „Es war ein langer Weg bis zum Servicecenter“, sagt Patrick Kornwachs, der Leiter des Servicecenters, „aber inzwischen hat sich alles richtig eingespielt.“ Dasselbe Servicecenter betreibt Leuco im Übrigen in Herford für den norddeutschen Raum.

Durch die moderne Lüftungs- und Klimatechnik ist der Energiebedarf im neuen Servicecenter um zirka 40 Prozent geringer als in Bestandsgebäuden, aber insgesamt hat auch Leuco mit den steigenden Energiepreisen zu kämpfen. Durch Nachhaltigkeitsmaßnahmen wie Photovoltaikanlagen, effizientere Kältemaschinen und Freikühler, Wärmerückgewinnung durch Kompressoren sowie die Umstellung auf Ökostrom und Biogas spart Leuco Deutschland zirka 1215 Tonnen CO2 pro Jahr ein. Weitere Maßnahmen, auch bei den Tochtergesellschaften, sind in Planung.

„Generell findet bei Leuco bei jeder Investitionsentscheidung auch eine Energieprüfung statt“, erläutert Diez. Ob die Preise an die Kunden weitergegeben werden können, hänge auch vom Wettbewerb ab. „Es entsteht Ergebnisdruck, gegen den man nur schwer was machen kann. Hinzu kommen die Tarifverhandlungen mit sehr hohen Forderungen seitens der Gewerkschaften. 40 bis 50 Prozent unserer Kosten sind immerhin Lohnkosten.“

Leuco verarbeitet viele Tonnen Stahl. „Die Beschaffung ist schwieriger geworden“, räumt Diez ein. „Es dauert länger, man „muss mehr anfragen und schlussendlich mehr bezahlen. Bisher hatten wir aber noch keinen Stillstand aufgrund von Lieferengpässen.“

Die Globalisierung scheint bei den vielen Krisenherden derzeit an Grenzen zu kommen. Leuco ist auf allen Kontinenten mit eigenen Außenstellen oder Partnern vertreten. „Die Globalisierung ist meiner Meinung nach unumkehrbar“, bricht der Vorstandsvorsitzende des Global Player eine Lanze für den weltweiten freien Handel. Trotz gewisser Auswüchse sei der allseitige Nutzen ein unschlagbares Argument. Deutschland habe nun mal keine Rohstoffe, keine Primärenergieträger, keine seltene Erden.

„Wir wollen die bestehenden Strukturen bewahren und ausbauen und sind offen für neue Entwicklungen. In Vietnam haben wir beispielsweise eine Service-Gesellschaft gegründet. Es ist ein wichtiges Land in Asien für die Holzbearbeitung.“ Am Stammsitz im Horber Industriegebiet „Heiligenfeld“ will sich Leuco weiter vergrößern. „Konkret planen wir ein neues Center für die Logistik“, erklärt Diez. „Damit wollen wir weitere Synergien erzielen und unseren Leucolanern ein Bekenntnis zum Standort Horb geben.“ Pro Jahr investiert Leuco zwischen 3 und 5 Millionen Euro allein in Horb in neueste Technik und modernste Ausstattung, „damit sich die Mitarbeiter wohl fühlen“, so Diez.

„Leuco war schon immer ein besonderes Unternehmen“, gibt Diez Einblicke in die Firmenhistorie. Es ist eine klassische Nachkriegsgründung und war mit das erste Unternehmen in Horb, das Auslandsdependancen unterhielt.

„Damals entstand auch der Begriff Leucolaner, d. h., dass sich die Mitarbeiter in besonderem Maße mit dem Unternehmen Leuco identifizieren. Und das mit einer großen Selbstverständlichkeit,“ weiß Diez. So ist beispielsweise auch Daniel Schrenk, der Geschäftsführer für Vertrieb und Marketing, ein Leuco-Eigengewächs. Zum Familientag im Juli waren alle Leucolaner eingeladen, aktive wie ehemalige Mitarbeiter. „Es war eine rundum gelungene Veranstaltung für alle mit der Leuco-DNA“, berichtet Wolfgang Maier, der Marketingleiter von Leuco. „Unsere Ehemaligen waren erstaunt, was sich baulich und technologisch getan hat seit dem letzten Event.“ Und wie sieht es mit zukünftigen Leucolanern aus in Zeiten des Fachkräftemangels? „Es ist ohne Zweifel schwieriger geworden, Stellen zu besetzen“, redet Diez Tacheles. „Der Aufwand dazu wächst, und – man muss es so ehrlich sagen – Horb als Stadt ist oft nicht attraktiv genug um im Wettbewerb mit anderen Kommunen adäquate Fachkräfte zu bekommen.“

„Leuco bietet weltweit interessante Tätigkeiten und eine Durchlässigkeit, so dass man auch intern nach oben kommen kann. Grundvoraussetzung für einen sicheren Arbeitsplatz in einem erfolgreichen Unternehmen ist bei Leuco aber die Lust auf Leistung,“ sagt Diez.

Leuco AG Das Ganze im Blick

Leuco wurde 1954 von Kaufmann Willi Ledermann und Techniker Josef Störzer als Ledermann & Co. gegründet. Heute ist die in Horb beheimatete Firma weltweit einer der führenden Anbieter von hartmetall- und diamantbestückten Maschinenwerkzeugen für die Holz- und Kunststoffbearbeitung. Ein umfassendes Beratungsangebot, der Schärfservice in Herstellerqualität und zukunftsfähige Toolmanagementlösungen machen Leuco zum ganzheitlichen Partner für Werkzeuge. International arbeiten rund 1200 Mitarbeiter für Leuco. Der Global Player agiert mit Vertriebs- und Produktionsgesellschaften auf allen fünf Kontinenten.

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Erstellt:
13.10.2022, 13:26 Uhr
Lesedauer: ca. 3min 33sec
zuletzt aktualisiert: 13.10.2022, 13:26 Uhr

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