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Die Dürre dauert viel zu lang
Unterernährte Kinder in der Dürreregion Mittelamerikas. Die gesundheitlichen Schäden lassen sich nicht mehr wettmachen. Foto: dpa
Millionen Menschen in Mittelamerika warten auf Regen – Vier von fünf Kindern unterernährt

Die Dürre dauert viel zu lang

Im Sommer regnet es wenig in Mittelamerika. Kritisch wird es, wenn gar kein Regen fällt – Jahre hintereinander. Dann leiden Millionen Menschen Hunger.

17.08.2016
  • ANTJE MÜLLER, DPA

Conacaste. Frühmorgens, wenn der erste Hahn kräht, steht Juan Ramos Roque auf. Die Glut vom Abend glimmt noch auf der Feuerstelle. Seine Frau María Argentina Lopez facht das Feuer in ihrer kleinen Hütte wieder an, wie jeden Morgen backt sie Tortillas. Ihre sechs Kinder dösen auf Matten daneben. Nach dem Frühstück macht sich Bauer Juan auf den Weg zu seinem Feld, ein Stückchen die Schotterstraße entlang, dann geht es den steilen Hang hinauf. Es liegt ganz oben auf dem Berg, dort wo die Ärmsten ihre Parzellen haben. Kleine Maispflanzen recken ihre Spitzen in den Himmel.

Die Erde ist trocken und staubig. Juan hofft auf Niederschlag. „Wenn es nicht regnet, wächst der Mais nicht. Dann wächst gar nichts, kein Halm.“ Das wäre fatal für die Familie, denn sie ist von der Ernte abhängig, so wie die meisten Bewohner der Gemeinde Conacaste in Guatemala.

Das Dorf liegt im sogenannten Trockenkorridor, der etwa ein Drittel Mittelamerikas ausmacht. Er zieht sich von Guatemala über Honduras und El Salvador. Die Region ist von mittlerer bis sehr schwerer Dürre betroffen. Im Juni, Juli und August ist die Trockenheit besonders stark. Lokale Statistiken verzeichnen in diesen Monaten regelmäßig besonders viele Fälle akut unterernährter Kinder.

Juan und die anderen in der Gemeinde gehören zur indigenen Volksgruppe der Chortí. Sie ernähren sich traditionell fast ausschließlich von Mais und Bohnen. Die erste Ernte des Jahres hat Juan normalerweise im August. In diesem Jahr wird er etwas Mais ernten können, denn nach der Aussaat im Juni hat es im nächsten Monat geregnet. „Es muss im Juli regnen. Wenn es da nicht regnet, geht die Blüte vom Mais kaputt. Und wenn die kaputt geht, gibt es keine Ernte“, sagt Alejandro Zurita, Regionaldirektor für Mittelamerika des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB), der Nothilfe in der gesamten Region leistet.

Zusammen mit einer lokalen Partnerorganisation verteilt der ASB Mais und Bohnen, außerdem Öl, Zucker und Werkzeuge für die Feldarbeit. Speziell an die Trockenheit angepasstes Saatgut soll den Bauern mittelfristig Erträge sichern. Wasserfilter beugen Magen-Darm-Erkrankungen vor. Das ist bitter nötig. Denn Unterernährung und Durchfallerkrankungen gehören zu den häufigsten Todesursachen im guatemaltekischen Department Chiquimula.

Die Trockenperiode dieses Jahres gilt als eine der schwersten der vergangenen Jahrzehnte in Mittelamerika. Sie wurde durch das Klimaphänomen El Niño verstärkt. El Niño wurde zwar Mitte des Jahres für beendet erklärt, die Auswirkungen halten jedoch an: Millionen Menschen hungern, weil es nicht genug geregnet hat.

Ende Juni sprach die Uno von 3,5 Millionen hungernden Menschen in der Region. Sie haben zum Kampf gegen die Auswirkungen von El Niño aufgerufen. Im Fokus stehen Maßnahmen, um die Menschen besser gegen Naturkatastrophen wie Dürren und andere Extreme zu wappnen.

Denn auch wenn die erste Ernte des Jahres für Bauer Juan gerettet scheint – die Lage ist ernst. Er muss genügend Mais ernten, um seine Familie über mehrere Monate satt zu bekommen und einen Teil der Ernte für die Aussaat im nächsten Jahr aufzubewahren. Vor allem durch die starke Trockenheit der letzten Jahre sind die Menschen geschwächt und unterernährt. Das Frühwarnsystem FEWS NET stuft die Lage in Teilen des Landes und in Honduras als „Krise“ ein. Besonders für Kinder hat die chronische Mangelernährung dramatische Folgen: Die meisten sind für ihr Alter viel zu klein. Einige wirken schwach und antriebslos, ihre Gesichter sehen trotz der jungen Jahre alt aus. Auch die geistige Entwicklung ist eingeschränkt. Diese Wachstumsstörungen sind nicht rückgängig zu machen. Fast die Hälfte der guatemaltekischen Kinder ist mangelernährt. In einigen Regionen sind es vier von fünf Kindern.

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17.08.2016, 06:00 Uhr
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