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Die Disziplin der Opec treibt den Preis
Durch Fracking, wie hier bei McKittrick in Californien, könnten die USA zum größten Ölproduzenten der Welt aufsteigen. Das könnte sich auch auf den Preis für den Rohstoff auswirken. Foto: David McNew/Getty Images/AFP
Öl-Förderung

Die Disziplin der Opec treibt den Preis

Produktionskürzungen lassen die Kosten für den Rohstoff auf den höchsten Stand seit drei Jahren steigen. Jetzt geht es runter – aber wie geht es weiter?

12.02.2018
  • THOMAS VEITINGER

Ulm. Die Opec ist aber auch nie zufrieden. Zwischen 2014 und Anfang 2016 brach der Preis für ein Fass Öl der Sorte Brent von mehr als 110 Dollar auf unter 30 Dollar ein. Zahlreiche Versuche, den Verfall zu stoppen, fruchteten nicht. Dann kam es zur Gegenbewegung. Seit Sommer vergangenen Jahres hat sich der Preis beinahe verdoppelt. Dann wurde im Januar die psychologisch wichtige 70-Dollar-Marke gerissen und damit der höchste Wert seit drei Jahren erreicht. Byron Wien, Vizechef der Vermögensverwaltung bei der New Yorker Investmentfirma Blackstone prognostiziert für 2019 sogar einen Preis von 80 Dollar. Und die Opec? Unglücklich. Laut Irans Ölminister Bijan Namdar Zanganeh ist das Kartell von Preisen jenseits der 60 Dollar pro Barrel nicht begeistert.

Dabei hat die Organisation erdölexportierender Länder den gestiegenen Preis mit zu verantworten. Zusammen mit zehn Ländern wie Russland wurde die Förderung um täglich 1,8 Mio. Barrel gedrosselt. Und dies im Vergleich zu vorhergehenden Versuchen erstaunlich diszipliniert durchgehalten, wie Rohstoffanalyst Frank Schallenberger der Landesbank Baden-Württemberg feststellt.

Das Überangebot am Markt nimmt ab, die Vorräte verringern sich und der Preis steigt. „Doch nun hat die Opec Angst, dass es auf die Wirtschaft durchschlägt und der Preis wieder fällt“, sagt Schallenberger. Zwar hat der IWF in Davos seine Prognosen für die Weltwirtschaft auf 3,9 Prozent in diesem und im kommenden Jahr erhöht. Doch das robuste Wachstum soll nicht abgewürgt werden.

Es gibt noch einen weiteren Grund, warum die Organisation den Preis herunterredet: Schieferöl. Die USA könnte ihre Produktion in diesem Jahr um eine 1 Mio. auf 10,3 Mio. Barrel pro Tag steigern. Wenn es so kommt, wie es die US-Energiestatistikbehörde EIA vorhersagt, dürften sich die Vereinigten Staaten mit geförderten 11 Mio. Barrel „ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit den Russen und Saudis liefern und sogar der größte Ölproduzent werden“, sagt Schallenberger.

Die Entwicklung bei dem aus Gestein herausgepressten Öl ist geradezu phänomenal. Noch vor zehn Jahren lag die Ölproduktion bei weniger als 4 Mio. Barrel. Nun hat sich die Produktion fast verdreifacht.

Ein anziehender Preis könnte bei dem steigenden Energiehunger der Welt noch mehr Schieferöl auf den Markt ziehen. Rohstoff-Stratege Carsten Fritsch von der Commerzbank rechnet dann mit einem sinkenden Ölpreis: „Bei mehr als 70 Dollar setzt eine Gegenbewegung ein.“ Diese Entwicklung dürften Spekulanten zum Verkauf anregen. „Bei Öl gibt es massive Termingeschäfte. Derzeit wird so viel virtuelles Öl gehalten, wie nie zuvor“, sagt Fritsch. Viel Öl bedeutet auch viel Macht. Wenn der Preis ins Rutschen kommt und sich mehr und mehr Spekulanten von dem Rohstoff trennen, kommt auch der reale Preis ins Rutschen. Tatsächlich liegt Brent aktuell bei 64 Dollar für ein 159-Liter-Fass. In jedem Fall sei laut Experten zu sehen, dass die Organisation den Weltmarkt nicht mehr beherrsche.

Venezuela will mehr Öl fördern

Die Ölförderung in Venezuela könnte den Preis ebenfalls zurückfallen lassen. Im August hatte der Präsident die Nationalversammlung zwar entmachtet. Die desolate Lage in der Ölförder-Industrie führte im vergangenen Jahr zu Produktionsausfällen. Im Kampf gegen die Hungerkrise und Plünderungen will das sozialistische Land nun aber die Förderung um jeden Preis steigern. Ölminister Manuel Quevedo ruft das „Jahr der Erholung“ aus.

Schallenberger ist jedoch anderer Meinung als sein Kollege Fritsch und rechnet mit einer kurz- und mittelfristigen Preiserhöhung bei Öl: „Derzeit wird weniger gefördert, als der Markt verlangt, das treibt den Preis.“ Die Opec würden sich in Wirklichkeit über 70 Dollar pro Fass mehr freuen als über 50 Dollar. „Und auch den Ökonomen kommt mehr Inflation entgegen.“

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12.02.2018, 06:00 Uhr
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