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Wie eine große Familie

Die Christel-Guthörle-Stiftung feiert zehnjähriges Bestehen

Christel und Hans Dieter Guthörle fördern mit ihrer Stiftung derzeit 16 junge Klassik-Talente – ebenso wie die Projektarbeit der Reutlinger Philharmonie. Das Ehepaar versteht sich nicht nur als Geldgeber, sondern legt Wert auf ideelle und menschliche Unterstützung.

12.08.2011

Von moritz siebert

Reutlingen. Zur Zeit des Stiftungsbooms vor zehn Jahren wurde die Idee konkret. Im Sommer 2001 machten Christel und Hans Dieter Guthörle ihr soziales Engagement schließlich zur dauerhaften Einrichtung. Die Christel-Guthörle-Stiftung sollte eine besondere Stiftung werden. „Wir wollen nicht nur die Geldgeber sein“, betont Christel Guthörle. Finanzielle Förderung sei nur eine Grundlage, die Stipendiaten können sich jederzeit auch auf ideelle und menschliche Unterstützung verlassen.

Nach zehnjährigem Bestehen hat sich auch die Struktur der Stiftung gefestigt. Obwohl das Konzept anfangs die Förderung von Kunst, Musik und Wissenschaft vorsah, hat sich der Name Guthörle in den vergangenen Jahren in erster Linie auf dem Feld der Förderung junger Klassik-Talente in der Musik etabliert.

Christel und Hans Dieter Guthörle teilen sich die Arbeit. „Ich bin für das Menschliche zuständig“, sagt die 70-jährige, ihr Mann regle Finanzielles und Administratives. Wichtige Entscheidungen treffen die Guthörles natürlich gemeinsam. Das bessere musikalische Urteilsvermögen schreibt Christel Guthörle ihrem Mann zu; „er brachte schließlich von Anfang an die Kenntnis klassischer Musik mit“. Praktizierende Musiker sind beide nicht – außer dann, wenn die Stipendiaten darauf bestehen, ihren Paten etwas beizubringen, verrät Frau Guthörle. „Konzertreif ist das aber nicht“, ergänzt ihr Ehemann lachend. Gemeinsam haben Hans Dieter und Christel Guthörle ihr ausgezeichnetes Gespür für Talente. Guthörle-Stipendiaten sind im Konzertwesen sehr gefragte Musiker. Auf das Prädikat „Guthörle“ vertrauen Veranstalter mittlerweile ungehört.

Talente von der

Tübinger Musikschule

Die erste Stipendiaten-Generation steht bereits auf eigenen Beinen und etabliert sich derzeit in der Konzertwelt. Vom Hornisten Christoph Eß erzählt Christel Guthörle mit leuchtenden Augen: „Eine Sonderbegabung! Christoph wird einfach vom Publikum geliebt.“ Die zweite Generation steckt mitten in der Ausbildung. Ihr gehört etwa der Cellist Jakob Spahn an, der bereits mit Piano-Superstar Lang Lang konzertierte. Die jüngste Generation geht noch zur Schule.

Meistens werden Talente auf Empfehlung von Dirigenten oder Musiklehrern in die Stiftung aufgenommen. Viele der Stipendiaten gehen aus der renommierten Tübinger Musikschule hervor. „Manchmal beobachten wir Talente aber auch über Jahre“, erklärt Christel Guthörle – etwa die junge Pianistin Nathalie Glinka, die gerade in Lübeck studiert. Kai Strobel, mehrfach ausgezeichneter Marimbafonist, bewarb sich selbst. Seine Bewerbung sei überzeugend gewesen, und weil ihm Starallüren fremd seien, passe er einfach ins Konzept, erklärt Hans Dieter Guthörle. Initiativbewerbungen häufen sich in letzter Zeit. „Es gibt natürlich finanzielle Grenzen“, sagt der 74-jährige, und deswegen müssten Anträge auch oft abgelehnt werden. Derzeit fördert die Guthörle-Stiftung 16 junge Menschen. Der Kreis soll absichtlich so klein gehalten werden, denn zusätzlich wollen die Guthörles weiterhin in die Projektarbeit der Philharmonie Reutlingen investieren. Auch hier liegt das Augenmerk auf der Jugendförderung.

Die Stipendiaten sollen sich „nicht nur als Geldempfänger“, sondern als Teil einer großen Familie fühlen. Menschliche und ideelle Förderung steht für die Guthörles im Vordergrund, die sich selbst als Ausbildungspaten verstehen. Der Werdegang der Schützlinge wird genau verfolgt. Um ihre Konzerte zu besuchen, reist das Ehepaar quer durch Deutschland. Sie holen ihre Stipendiaten vom Flughafen ab, wenn der Terminplan drängt, oder bekochen sie, wenn vor einem Konzert der Magen knurrt. Regelmäßig kommen die jungen Musiker auch zu Kaffee und Kuchen vorbei. „Sie fühlen sich bei uns wie daheim“, sagen die Förderer, „die Stipendiaten hängen an uns.“

Sprungbrett für

bundesweite Auftritte

Die Wege der jungen Musiker sind schwierig, weil staatliche Fördermittel oft nicht ausreichen. Häufig werden Zusatzkosten, die durch Instandhaltung oder Versicherung von Instrumenten anfallen, nicht berücksichtigt. Auch schon kleinere Reparaturen, ein neuer Bogen oder notwendige Meisterkurse können nicht aus eigener Tasche bezahlt werden. Darum sieht das Konzept der Stiftung eine „individuelle und je nach Bedürfnissen gestalte Förderung“ vor.

Die Guthörle-Stiftung versteht sich auch als Sprungbrett. In den letzten Jahren knüpfte das Ehepaar ein bundesweites Netzwerk, über das unter anderem die Vermittlung von Auftritten gesteuert wird. Durch die Kontakte der Guthörles bekommen die Stipendiaten Möglichkeiten, Orchestererfahrung zu sammeln und mit prominenten Musikern und Dirigenten zusammenzuarbeiten. Guthörles schwärmen von ihrer Arbeit. Sie freuen sich, beobachten zu können, dass das Geld sinnvoll investiert ist. „Außerdem“, ergänzt Christel Guthörle, „lernen wir viel über Musik, wir sammeln Erfahrungen und unzählige schöne Geschichten.“

Die Stifter Christel und Hans Dieter Guthörle umrahmen vier Stipendiaten – von links Eva Schall, Violine, Jakob Schall, Cello, Nathalie Glinka, Klavier, und Kai Strobel, Schlagzeug.Bild: Stiftung

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Erstellt:
12. August 2011, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
12. August 2011, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 12. August 2011, 12:00 Uhr

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