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Keine Brücke am Karfreitag

Die CDU verschiebt einen Besuch in der Rottenburger Moschee

Der Termin für den gemeinsamen Besuch in der Rottenburger Moschee war mit Bedacht gewählt: Karfreitag, 14.30 Uhr. „Wir möchten dabei ein bewusstes Zeichen für das Thema Integration und Brückenbauen der Kulturen in Rottenburg am Neckar setzen“, schrieben die CDU-Kandidaten Ferdinand Truffner und Ümit Arslan am Montagvormittag in ihrer Einladung. Doch dann hagelte es Proteste aus den eigenen Reihen.

16.04.2014

Wegen des Termins. Sogar Pfarrer Harald Kiebler von der katholischen Domgemeinde meldete sich bei Truffner. Am Dienstagabend folgte der Rückzieher: Der Besuch wird um zwei Wochen verschoben.

„Wir beide denken, dass Integration nur funktioniert, wenn sich beide Seiten bewegen“, hatten Truffner und Arslan am Montag geschrieben. Am Karfreitag hätte sich erst mal die CDU bewegt: eben zum Besuch in die Moschee beim Rottenburger Bahnhof.

Für 14.30 Uhr war ein Gespräch „Kommunalpolitik und Integration“ angesetzt, anschließend hätte Ümit Arslan durch die Moschee geführt – so wie er das auch regelmäßig für Schulklassen oder Konfirmandengruppen macht.

Auch der Vorbeter der Moschee hätte die Gäste empfangen: Er wollte erklären, was Muslime über Ostern denken. Jesus von Nazareth gilt im Islam als „Gesandter Gottes“. Als solcher war er zwar sterblich, aber er konnte nicht durch Menschenhand sterben. Also wurde Jesus – laut Koran – am Karfreitag auch nicht gekreuzigt.

Dennoch ist der Freitag – jeder Freitag – für Muslime ein besonderer Tag. Zum Freitagsgebet von 13.30 bis 14.15 Uhr ist die Moschee immer voll; anschließend wird gemeinsam gegessen. Da hätte der Besuch der CDU-Delegation besonders gut gepasst, findet Arslan. „Wir wollten in der Moschee ja auch ein paar Leute antreffen.“

Auf der anderen Seite ist der Karfreitag einer der wichtigsten christlichen Feiertage. Besonders der Nachmittag: Um 15 Uhr beginnt die Todesstunde Jesu. Da fand es mancher Christdemokrat unpassend, just zu diesem Zeitpunkt in der Moschee über Kommunalpolitik zu diskutieren.

Die Bedenken wurden schon vor ein paar Wochen bei einer Kandidaten-Klausur geäußert, gab Truffner am Telefon zu. Seine Antwort damals: „Der Glauben ist Privatsache. Es steht jedem offen, ob er mitkommen will.“

Den innerparteilichen Protest gegen den Karfreitagstermin hatte der 24-Jährige unterschätzt. „Wir waren zu überschwänglich“, sagt Truffner im Nachhinein. Immerhin: Der Versuch des interkulturellen „Brückenbauens“ sei ja nicht abgebrochen, sondern nur verschoben.

Truffner selbst ist evangelisch. Am Karfreitag geht er normalerweise nicht in die Kirche. Dafür fährt er seit seiner Konfirmation immer am frühen Sonntagmorgen zum Osterfeuer nach Ergenzingen. Als Bieringer kennt er aber auch die katholischen Gebräuche. „Ich war Sternsinger. Und ich wäre sogar fast Ministrant geworden, bis der Pfarrer merkte, dass ich evangelisch bin.“ Kurzum: „Ich bin katholisch geprägt.“

Truffners Parteifreund Ümit Arslan ist seit vielen Jahren in der Islamischen Gemeinde aktiv, in der Jugendarbeit, als Schriftführer und Kassier. Sein Engagement für die CDU „überrascht“ viele in der Moschee, sagt er. „Aber es kommt auch gut an.“ Der 26-Jährige sieht es eher als Pluspunkt, dass die CDU „auch eine religiöse Grundlage“ habe. Sein eigener Grundsatz: „Alles, was mit Religion zu tun hat, muss man respektieren.“

Deswegen sieht Arslan die Absage seiner Parteifreunde gelassen. „Wir (Muslime) respektieren voll und ganz jeden christlichen Feiertag.“ Erst recht den Karfreitag. Schließlich gelte der dem „Totengedenken von Jesus Christus“.

Wie leicht man an Ostern ins Fettnäpfchen treten kann, hat Arslan auch im persönlichen Umfeld fest gestellt. Am Ostersamstag wird eine Verwandte heiraten. Wie bei einer türkischen Hochzeit üblich, wird da auch getanzt werden – trotz gesetzlichem Tanzverbot für öffentliche Veranstaltungen und geschlossene Gesellschaften.

Die Familie hat auch etliche deutsche Bekannte zur Hochzeit eingeladen. Die meisten haben allerdings abgesagt – weil sie am Oster-Wochenende nicht tanzen wollen.

MICHAEL HAHN

Bilder: CDU / Fotostudio Karin

Ferd. Truffner, 24

Ümit Arslan, 26

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Erstellt:
16. April 2014, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
16. April 2014, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 16. April 2014, 12:00 Uhr

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