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Die Bürgermeisterin bleibt abgetaucht
Unklare Zukunft: Bürgermeisterin Dorothea Bachmann. Foto: Archivbild HZ
Hechingen

Die Bürgermeisterin bleibt abgetaucht

Seit Monaten ist die Hechinger Bürgermeisterin krankgeschrieben, selbst ihre Adresse ist unbekannt. Ihrer Beliebtheit tut das wenig Abbruch.

27.11.2017
  • ERNST KLETT

Hechingen. „Bürgermeister“ steht groß über dem klassizistischen Türbogen im ersten Stock des Rathauses von Hechingen (Zollernalbkreis). Seit Januar 2012 hat die Sache einen Haken: Bürgermeisterin müsste da stehen. Damals hatte erstmals in der Stadtgeschichte eine Frau den Posten angetreten. Dorothea Bachmann (51), zuvor Verwaltungschefin in Freudental bei Ludwigsburg, war gleich im ersten Wahlgang mit satter Mehrheit gewählt worden.

Inzwischen stimmt die Bezeichnung des Amtszimmers aus ganz anderem Grund nicht mehr: Seit acht Monaten steht es leer. Das Stadtoberhaupt kann seinen Dienst seit März nicht ausfüllen. Das lässt sich die Bürgermeisterin regelmäßig ärztlich bestätigen . Zuletzt wurde Bachmann bis Silvester krankgeschrieben. Die Kontakte zur Verwaltung sind seit Wochen abgebrochen, nur per Anwalt wird noch kommuniziert. Wo sich die zuletzt wohnsitzlose Diplom-Verwaltungswirtin aufhält, ist nicht bekannt. Ein Hechinger will sie am Bodensee gesichtet haben.

Der Fall Bachmann ist kein Beispiel für die Reihe „unfähiger Schultes ist nicht loszuwerden“, er hat auch tragische Züge. Die Frau, ausgestattet mit enormer Volksnähe, hatte ihr Amt mit viel neuem Schwung angetreten und Hechingen gleich den millionenschweren Hochwasserschutz besorgt, den ihr Vorgänger schon abgehakt hatte. Hartnäckigkeit und Verbindungen in die Landesregierung haben es möglich gemacht. Mit ihrem großen Wahlkampfthema, der Wiederbelebung der Innenstadt, scheiterte sie aber – der Denkmalschutz verhinderte die spektakuläre Idee eines Kaufhauses im Rathaus. In Luft aufgelöst hat sich auch ihre Idee einer Seilbahn zwischen Hechingen und dem Touristenmagnet Burg Hohenzollern.

Private Turbulenzen

Stattdessen gab es private Tiefschläge: Einem Unfall beim Joggen im Sommer 2016 mit langen Krankheitszeiten folgte im März die Trennung vom Ehemann – Bachmann brauchte vor ihm zeitweise Polizeischutz. Seither ist sie dienstunfähig. Es folgten Schlagzeilen in Boulevardmedien: Ein Schäferstündchen im Dienstwagen am Bodensee wurde sogar von Privatsendern im TV nachgestellt. Ihr Mann hatte sie dort mit ihrem neuen Begleiter überrascht, es kam zum Einsatz von Pfefferspray – wieder musste die Polizei eingreifen. Ein Verfahren gegen ihren Mann, der die Gattin per Peilsender verfolgt haben soll, wurde nun eingestellt. Ein Urlaub in Montenegro, der Heimat ihres neuen Begleiters, schaffte es erneut in die Medien.

Wer nun glaubt, dass die absente Bürgermeisterin in der Stadt untendurch gewesen wäre, liegt falsch. In der Bevölkerung ist „Dorle“, wie sie von vielen genannt wird, nach wie vor beliebt. Die Berichterstattung über den Fall war vielen Hechingern zuwider, die Bachmann (nicht zu unrecht) als Opfer eines rabiaten Ehemanns und reißerischer Boulevardmedien sahen. Tenor: Die Frau ist krank, lasst sie in Ruhe!

Doch kommunalpolitisch lässt sich das Thema auf Dauer nicht ignorieren. Vor allem im Gemeinderat werden mit der Zeit die Stimmen laut, die wissen wollen, wie es denn nun weitergeht: Kommt sie wieder, bleibt sie weg? Eine Antwort gibt es bis heute nicht. Landrat Günther-Martin Pauli (CDU) schaffte es als Dienstherr zwar, dass die Bürgermeisterin sich amtsärztlich untersuchen ließ, aber das brachte ihn nicht weiter. Binnen sechs Monaten bestehe die Chance auf Wiedereingliederung, hieß es im Attest. Die Frist ist noch lange nicht abgelaufen. Gemeinderatsfraktionen und Landrat schieben sich seither den Schwarzen Peter zu. Jetzt will Pauli nachlegen: Noch dieses Jahr soll ein zweites Gutachten erstellt werden. Damit will der Landrat die kranke Verwaltungschefin dazu bewegen, vorzeitig in Pension zu gehen. Doch es gibt Zweifel, ob das klappt.

Pauli tut deshalb das, was alle Landräte in solchen Situationen tun: Er fordert Änderungen in der Gemeindeordnung. Die macht es schwer, gewählte Bürgermeister vor Ablauf ihrer Amtszeit abzusetzen. Dorothea Bachmann hätte sich schon schwerwiegende Vergehen leisten müssen. Hat sie aber nicht. Oder sie hätte Hechingen ins Chaos versetzen müssen.

Dass das nicht geschehen ist, dafür sorgt der Erste Beigeordnete. Philipp Hahn (38), von Bachmann vor vier Jahren aus Stuttgart geholt, macht einen exzellenten Job als Stellvertreter. In Hechingen, so sagen viele Stadträte, laufe es seither deutlich besser. Bei der CDU ist Hahn diese Woche zum Bürgermeister-Kandidaten ausgerufen worden. Er selbst hat dazu nichts gesagt. Wenn es dumm läuft, muss er den Vize noch bis Ende 2019 machen. Dann ist die Amtszeit von Dorothea Bachmann offiziell zu Ende.

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27.11.2017, 06:00 Uhr
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