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Kastanien gerettet – vorerst

Die Blau- und Kohlmeisen fressen die Miniermotte / Doch jetzt droht ein Bakterium

Die Kastanienminiermotte sorgte in den vergangenen Jahren deutschlandweit für kranke Kastanienbestände. In Tübingen sind die Probleme mit der Miniermotte weniger geworden – dank der Meisen.

06.12.2015
  • Arabella Franz

Tübingen. Blau- und Kohlmeisen haben gelernt, die Miniermotte zu fressen. Und nicht nur das: Sie bringen sich auch gegenseitig bei, dass die Kleinschmetterlinge lecker schmecken. Für den Zierbaum ist das eine Rettung, denn deutschlandweit sorgte die gefräßige Motte für kranke Kastanienbäume, auch in Tübingen.

Die Kastanienminiermotte stammt ursprünglich aus Mazedonien und kam wahrscheinlich in den 1990er-Jahren nach Europa. Ihre Larven überwintern im Boden. Die Motte gehört zu den Kleinschmetterlingen und ist ungefähr 2,5 Millimeter groß. Die Raupen des Tiers stechen die Blätter an und saugen deren Zellen aus. Hat ein Kastanienbaum schon im Sommer braune und welke Blätter, ist daran ziemlich sicher die Miniermotte schuld.

Die einzige Möglichkeit, die Miniermotte aufzuhalten, war bisher, das Laub aufzusammeln und zu verbrennen. Für Brigitte Fiebig vom Botanischen Garten Tübingen ist der Baum-Befall mit der Miniermotte immer noch ein Problem, „allerdings nimmt er nicht mehr zu.“

Stattdessen habe sich ein Gleichgewicht eingestellt: Das Insekt wird von den Meisen gefressen. Prof. Claus Zebitz von der Uni Hohenheim bestätigt Beobachtungen der vergangenen Jahre, nach denen die Meise gelernt hat, die Kastanienminiermotte zu fressen. „Zuzutrauen ist das den Kohl- und Blaumeisen, die extrem lernfähig und auch lehrfähig sind“, so Zebitz. Die Meise hat einen spitzen Schnabel, kann die Larve der Miniermotte im Blatt erkennen und sie aus dem Blatt picken. „Meisen sind bekannt dafür, schnell zu lernen, vor allem aber voneinander abzuschauen.“ So könne eine Meisenpopulation schnell die Miniermotten herauspicken.

In Tübingen, so die Pressestelle der Stadt, gebe es momentan keine schwerwiegenden Probleme mit der Motte. Die Kastanie werfe bei einem Befall etwas früher das Laub ab, aber das sei nicht weiter schlimm.

   Jedoch ist in den vergangenen acht Jahren eine neue Baumkrankheit in Deutschland aufgetreten. Das Kastaniensterben sei eine aktuelle Bedrohung für die Rosskastanien, so Prof. Dirk Dujesiefken vom Institut für Baumpflege in Hamburg. „Man kann durchaus von einem mitteleuropäischen Problem sprechen.“ Das Bakterium Pseudomonas syringae pv. aesculi greift die Rinde des Baumes an, bis sie dunkelbraun bis schwarz verfärbt ist. „Das Bakterium ist der Vorläufer baumzerstörender Pilze, die in die Kastanien einwachsen, woran sie letzten Endes sterben.“

Wegen der Gefährdung auf Straßen und Gehwegen durch morsches Holz müsse der Zierbaum dann gefällt werden. „In Norddeutschland ist der Befall wesentlich stärker“, so Dujesiefken. Wie sich das Bakterium ausbreite, sei bisher unklar. Es spezialisiere sich offenbar auf die weiß-und rotblühenden Rosskastanien. „Trotzdem soll man die Kastanie nicht aufgeben!“ Denn manche Bäume könnten resistent sein, sagt Dujesiefken.

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06.12.2015, 19:30 Uhr
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