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Auch Büchereien der Arbeiterbewegung geplündert

Die Anna Amalia Bibliothek in Weimar besitzt 4000 Bücher aus NS-Raubgut

Nicht nur Kunstwerke wurden in der Nazi-Zeit beschlagnahmt, sondern auch Bücher. Die Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek besitzt mehr als 4000 davon.

12.03.2012

Von PETER ALTHAUS, DPA

Weimar In der Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar stehen mindestens 4000 Bände, die im Nationalsozialismus enteignet wurden. "Viele der Bücher gehörten Juden. Sie wurden entweder beschlagnahmt oder die Eigentümer gezwungen, sie zu einem Preis weit unter Wert zu verkaufen", sagte der stellvertretende Direktor Jürgen Weber.

Bisher seien sechs Restitutionsfälle eindeutig zugeordnet. "Einen Fall konnten wir im Dezember abschließen, und die Werke den Erben der früheren Besitzer zurückgeben." Unter den 4000 Bänden sind auch größere Sammlungen. "Eines der bekannten Fälle ist die Almanach-Sammlung von Arthur Goldschmidt. Sie umfasst allein über 2000 Bände und ist von großem Wert", sagte Weber, der für dieses Projekt verantwortlich ist.

Der Leipziger Büchersammler mit jüdischer Abstammung wurde 1937 von den Nazis ins Zuchthaus gebracht und konnte später emigrieren. Die Almanach-Sammlung musste er für 2000 Reichsmark veräußern. "Für rund eine Reichsmark pro Band - das war weit unter Wert", sagte der Forscher. Die Klassik Stiftung bemühe sich um den Ankauf der Sammlung. "Sie bildet das Herzstück der Almanach-Sammlung und passt gut in unsere Forschungsumfeld." Die Stiftung verhandele mit den Erben, dabei gehe es um einen sechsstelligen Betrag.

"Im Restitutionsfall von Berthold Mannheimer ist es so, dass von dem früheren Besitzer keine weiteren Spuren übrig geblieben sind, als sein Namensstempel und ein paar Anstreichungen", sagt Weber. Der Mainzer Rechtsanwalt war 1933 nach Paris emigriert. Seine drei Kinder wurden nach Auschwitz deportiert oder haben sich umgebracht.

Zu den Raubgut-Bänden zählen auch solche aus Beständen von Arbeiterbibliotheken. "Die Büchersammlungen der Organisationen der Arbeiterbewegung wurden bereits kurz nach der Machtergreifung 1933 oder 1934 enteignet. Bei uns sind es rund 440 Bände. Einige gehören den Nachfolgeorganisationen von Parteien und Gewerkschaften."

Seit 2005 sucht die Forschungsbibliothek bei allen Büchern, die von 1933 bis 1945 ins Haus gekommen sind, nach Spuren einer Verfolgungsgeschichte in der NS-Zeit. "Wir müssen nachweisen, wie sie zu uns gekommen sind", sagte Weber. Die Klassik Stiftung und die Anna-Amalia-Bibliothek gehören zu den 17 Einrichtungen, die vom Kulturstaatsministerium bei ihrer Provenienzforschung gefördert werden.

NS-Raubgut aus einer jüdischen Bücherei steht im Magazin der Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek in einem Sonderregal. Foto: dpa

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Erstellt:
12. März 2012, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
12. März 2012, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 12. März 2012, 12:00 Uhr

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