Ulla Steuernagel ließ ihre Fahrerlaubnis überprüfen

Die Angst war echt, die Prüfung nicht

Meinen Führerschein hab ich seit rund 40 Jahren. Ich brauch ihn gar nicht so oft, denn ich bin keine allzu begeisterte Autofahrerin.

28.08.2018

Von ust

Dennoch: 40 Jahre sind nicht nix, insgesamt kommt damit ziemlich viel Kilometer-Praxis zusammen, und Unfälle hatte ich, mal abgesehen von ein paar Schönheitskratzern an Autos, auch noch nie. Ich finde, ich trage den Führerschein zu Recht in meinem Portemonnaie herum. Es dürfte also kein Problem sein, ihn noch einmal zu machen. Im selben Moment ahne ich allerdings, dass es nicht so einfach sein wird. Doch für die TAGBLATT-Serie „Kann ich das (noch)?“, in der auch weitere Tests folgen werden, will ich mich dem Prüfungsstress noch einmal aussetzen.

Zwei Hürden gilt es zu überwinden: die theoretische und die praktische Prüfung. Ich nehme mir vor, beides ohne jede Vorbereitung zu machen. Keine Vorfahrtsregeln zu bimsen, keine technischen Details anzuschauen, nicht die Größen von Fahnen, die Ladungen markieren, auswendig zu lernen. Nichts von all den Dingen, die sich nach meiner Theorie vor vielen Jahren mit Höchstgeschwindigkeit wieder aus meinem Hirn verabschiedeten. Ich will alles aus dem Stand heraus machen. Schließlich geht es nicht darum zu beweisen, dass ich Regeln lernen kann, sondern zu überprüfen, was ich weiß oder nicht weiß, aber vielleicht wissen sollte.

Und die Praxis? Da warnen mich alle, ja nicht den Schulterblick zu vergessen! Und ja nicht das Blinken. Klar doch, denke ich. Ich selber ärgere mich ständig über die Blinkfaulheit anderer Autofahrer.

Kurz vor dem Prüfungstag verliere ich die Nerven: Kenn ich die Verkehrsschilder gut genug? Ein dunkler Punkt sind die Halteverbotsschilder. Mich packt die Unruhe, und so fange ich an, mich im Internet durch den Schilderwald zu klicken. Ach ja, die Gefahrenschilder sind dreieckig wie die Nadelbäume im dunklen Tann, und die Ge- oder Verbotsschilder sind rund wie die lichteren Laubbäume.

Doch mehr als ein bisschen Schilderschau ist nicht mehr drin. So kurz vor der Prüfung muss ich nun mein Schicksal annehmen. Und was die Praxis angeht, da kann doch eigentlich nicht viel schiefgehen, oder? Mein Mann macht das gemeine Angebot, mit mir auf den Verkehrsübungsplatz zu fahren.

Am Prüfungstag ist meine Unruhe echt und nicht, wie die Prüfung, simuliert. „Können die dir die Pappe wegnehmen, wenn du durchfällst?“, fragen die Kollegen. Ich habe mich vergewissert, dass nicht. Will ich danach meinen Führerschein womöglich freiwillig abgeben? Nee, auch das nicht.

Gut sind die Tests für mich zwar nicht gelaufen, aber lehrreich waren sie doch. Ich bin überzeugt, in Zukunft werde ich durch vorschriftsmäßige Blinktätigkeit und allergrößte Umsicht am Steuer auffallen. Ja, und in der Spielstraße bin ich dann die, neben deren Auto man herlaufen kann.

Zum Dossier: Kann ich das (noch)?

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Erstellt:
28. August 2018, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
28. August 2018, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 28. August 2018, 01:00 Uhr

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