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Drogenprozess in Konstanz

Die Angeklagten reden nicht

Neun Männer müssen sich vor dem Landgericht Konstanz wegen jahrelangen Handels mit Marihuana, Haschisch und Kokain verantworten. Sie sollen Verbindungen zur Mafia haben.

22.09.2018

Von Anika von Greve-Dierfeld & Linda Vogt, dpa

Der Prozess, zum Start aus Platzgründen in Karlsruhe, nicht in Konstanz, begann unter hohen Sicherheitsvorkehrungen mit strengen Eingangs- und Personenkontrollen. Foto: Uli Deck

So voll ist der Karlsruher Gerichtssaal selten: Dicht gedrängt zwischen zahlreichen Verteidigern sitzen am Freitag neun mutmaßliche Mafiosi auf den Anklagebänken. Die Männer sind in dem Prozess vor dem Landgericht Konstanz wegen bandenmäßiger Drogengeschäfte angeklagt, Verbindungen zur italienischen Mafia werden vermutet.

Aussagen wollen sie zunächst nicht. „Wer nichts sieht, nichts hört und nicht redet, wird in Ruhe hundert Jahre alt“, sagt der Anwalt eines der Männer kurz nach Verlesung der Anklage in Richtung des Vorsitzenden Richter Arno Hornstein. „Mein Mandant ist ein unbescholtener Pizzabäcker.“

Die Männer stehen wegen Drogenhandels in großem Stil vor Gericht. Sie sollen über Jahre kiloweise Marihuana, Haschisch oder auch Kokain für Hunderttausende Euro verkauft haben. Verhandelt wird aus Platzgründen zwei Tage in Karlsruhe, bevor die Konstanzer Strafkammer für den weiteren Prozessverlauf in eine umgerüstete Kantine in der Stadt am Bodensee umzieht.

Zur Last gelegt werden den Beschuldigten auch Körperverletzung, Brandstiftung, versuchter Raub und illegaler Waffenbesitz. Ein 49-Jähriger muss sich zudem wegen versuchten Mordes verantworten: Ende Mai 2017 soll er aus einem fahrenden Auto fünfmal ins erleuchtete Fenster eines Restaurants in Hüfingen im Schwarzwald-Baar-Kreis geschossen habe. Hintergrund waren laut Anklage „massive Streitigkeiten“ wegen Drogengeschäften.

Die Angeklagten lehnen vor der Konstanzer Strafkammer überwiegend auch Angaben zur Person ab. Allerdings könnte sich diese Haltung noch ändern, lassen einige Verteidiger verlauten. Kurz wird wegen Problemen mit den Mikrofonen gestritten und lange über den Gesundheitszustand eines Angeklagten.

Gleichzeitig kritisieren Anwalt Martin Stirnweiss und zwei seiner Kollegen die „Vorverurteilungen in der Presse“, die ihre Mandanten als angebliche Mafia-Mitglieder in ein völlig falsches Licht rückten. Es werde sich im Verlauf des Verfahrens herausstellen, dass viele der Vorwürfe falsch seien. Außerdem, so Stirnweiss, sei allein eine Zugehörigkeit zur Mafia in Deutschland nicht strafbar.

Bei allen Angeklagten vermutet die Staatsanwaltschaft Konstanz sowie die in Palermo Verbindungen zur Mafia-Organisation Cosa Nostra und 'Ndrangheta. Vier gelten als Hauptbeschuldigte, da sie die illegalen Geschäfte kontrolliert und gesteuert haben sollen. Italienische und deutsche Behörden hatten in dem Fall gemeinsam ermittelt.

In der fast 120 Seiten langen Anklageschrift wird ein gut organisiertes Geflecht von Drogenkäufen, Drogenverkäufen und Drogentransporten zwischen Deutschland und Italien oder auch der Schweiz und Holland beschrieben. Kiloweise sollen die Beschuldigten vor allem Marihuana, aber auch Haschisch und Kokain im Südwesten und in Italien verkauft haben.

Kokain wurde beispielsweise in Holland gekauft, dann gestreckt und verkauft. In unterschiedlicher Besetzung sollen die Geschäfte zwischen Ende 2013 bis Mitte 2017 abgewickelt worden sein: Auf Parkplätzen, in Pizzerien und Restaurants.

Die Beschuldigten werden von 17 Verteidigern vertreten. Insgesamt sind 67 Verhandlungstage geplant. Ein Urteil könnte es frühestens Mitte 2019 geben.

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Erstellt:
22. September 2018, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
22. September 2018, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 22. September 2018, 06:00 Uhr

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