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Unternehmen

Die Alltagsradler

Von der Arbeits- zur Sportkleidung. Gonso aus Onstmettingen hat den Wandel in der Textilindustrie überstanden. Die Firma war der erste deutsche Produzent, der gepolsterte Radhosen auf den Markt brachte.

09.10.2015
  • TEXT: Johannes Schweikle | FOTOS: Unternehmen

Hans Gonser steckte in einer Sackgasse. Wie so mancher schwäbische Unternehmer arbeitete er zu viel und tat zu wenig für seine Gesundheit. Bis er den Punkt erreicht hatte, an dem es nicht mehr weiterging. Er stand kurz vor dem Herz-Kreislauf-Kollaps. Um wieder leistungsfähig zu werden, zog Gonser eine der Sporthosen an, die seine Firma in Albstadt-Onstmettingen produzierte, und setzte sich auf den Heimtrainer. Da bekam er schnell ein anderes Problem: Der Hintern tat weh. Ein Anruf in der Firma – ein Polster muss her. Man experimentierte in verschiedene Richtungen, um eine weiche Sitzfläche zu bekommen. Aber auch die Daunenfüllung für die Hose taugte nichts.

Ein Blick über die Grenze half weiter: In Frankreich entdeckte Hans Gonser Hosen für Radrennfahrer, bei denen die Problemzone am Gesäß mit Hirschleder gefüttert war. So etwas gab es in Deutschland nicht. Also wurde Gonser der erste deutsche Produzent, der gepolsterte Radhosen auf den Markt brachte.

Das war 1984. „Seither haben wir uns auf Fahrradbekleidung spezialisiert“, sagt Mathias Joos, der Marketingleiter der Firma Gonso. Gegründet wurde das Unternehmen vor fast 90 Jahren. 1926 begann Johannes Gonser senior, Arbeitskleidung zu fertigen. Weil es rund um Albstadt etwa 200 Textilunternehmen gab, und weil viele in der Gegend Gonser hießen, wurde eine Kombination aus Familien- und Ortsnamen zum Markenzeichen: der GONSer aus Onstmettingen nannte sich Gonso. Der große Gonzo aus der Muppet-Show kam viel später und schreibt sich mit Z.

Nach dem Krieg stieg der Enkel des Firmengründers in das Unternehmen ein. In den Sechzigerjahren versuchte sich Hans Gonser mit Sportbekleidung, wagte sich sogar ins damals noch elitäre Tennis, mit dem Slogan: „Der Trainingsanzug für Anspruchsvolle“. Früh setzte er auf synthetische Funktionsfasern, die weniger kratzen als Wolle und den verschwitzten Körper besser trocken halten als Baumwolle. Diesen Weg verfolgt das Unternehmen seither konsequent. Heute polstert Gonso Radhosen mit antistatischem Carbonschaum und webt reflektierende Fäden in Oberteile, die den Radler im Scheinwerferlicht besser sichtbar machen. Vergangenes Jahr erwirtschaftete Gonso einen Umsatz von 8,2 Millionen Euro.

Hans Gonser starb Anfang der Neunzigerjahre. Seither hat sich sein Unternehmen dem Strukturwandel der schwäbischen Textilindustrie angepasst. 2008 wurde es an die Gruppe Maier Sports verkauft, diese wiederum gehört seit dem 1. Juli dieses Jahres zum Konzern Schwan-Stabilo.

In Albstadt wurde 2001 die letzte Kollektion gefertigt. Heute lässt Gonso seine Radbekleidung in eigenen Fabriken in der Türkei und China nähen. An der Hauptstraße in Onstmettingen sind gerade noch 16 Mitarbeiter beschäftigt. Ihnen reicht ein Stockwerk über dem Fabrikverkauf. Zwischen den üblichen Grünpflanzen sitzen drei Frauen vom Vertrieb, ein Zimmer weiter arbeitet der Produktmanager Frank Jap Lim mit drei Kolleginnen und zwei Waschmaschinen gerade an der Kollektion für den Sommer 2017.

„Wir sind die Radsportmarke für Jedermann“, sagt der Marketingleiter Mathias Jooss. Gonso bietet zwar auch Thermojacken für ambitionierte Radsportler, aber die Firma sponsert nicht mehr die deutsche Nationalmannschaft bei Olympischen Spielen. „Das passt nicht mehr ins Budget eines mittelständischen Betriebs“, sagt Jooss ohne großes Bedauern. Gonso hat sich ein Alleinstellungsmerkmal am anderen Ende der Skala erarbeitet: Kleidung für Menschen, die schon lange nicht mehr auf dem Rad saßen. Bei Frauen reichen die sogenannten Komfortgrößen bis Größe 54, bei Männern bis 6XL, das entspricht einem stattlichen Taillenumfang von 138 Zentimetern. Diese weit geschnittenen Trikots verhelfen der Firma nicht wirklich zu einem glamourösen Image. Aber damit hat der Marketingmann von Gonso kein Problem. Mathias Jooss sagt trocken: „Der Bedarf ist da.“

Die Alltagsradler

Die Alltagsradler

Man muss nicht unbedingt in die Alpen fahren, um auf dem Mountainbike großartige Landschaften zu erleben. Der ausgeschilderte Gonso Bike Trail führt auf 47 Kilometern rund um Albstadt und bietet am Zeller Horn einen spektakulären Blick auf den Hohenzollern. „Dieser Trail ist wie unsere Firma“, sagt Mathias Jooss, „es gibt nicht nur steile Singletrails, sondern auch flache Stücke zum Erholen.“ Knapp 1000 Höhenmeter sind zu bewältigen, die Tour ist als mittelschwer eingestuft. Informationen und Karten unter
www.bikezone-albstadt.de/mtb-trails

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09.10.2015, 12:00 Uhr
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