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Bundestagswahl

Die AfD ist stabil zweistellig

Die CDU hat in manchen Bezirken in Rottenburg und in Starzach 20 Prozentpunkte und mehr verloren – vor allem an die AfD. Warum bestimmte Dörfer so stark rechtsaußen wählen, bleibt unklar.

26.09.2017
  • Michael Hahn

Die AfD hat im Rottenburgischen ihre besten Zweitstimmen-Ergebnisse eingefahren, im Landkreis-Vergleich. An erster Stelle steht Börstingen (23,6 Prozent). In Eckenweiler und Schwalldorf kam die Partei auf rund 20 Prozent. Diese drei Dörfer sind alle recht klein (maximal 720 Einwohner). Aber auch einige größere Rottenburger Stadtteile meldeten weit überdurchschnittliche AfD-Zahlen, ebenso das (kernstädtische) Kreuzerfeld.

Und Neustetten hatte im Vergleich der 15 Kommunen im Landkreis Tübingen das höchste AfD-Ergebnis (14,8 Prozent). Ähnliche Ergebnisse gab es sonst nur noch in Bodelshausen und in einem (von drei) Wahllokalen in Mössingen-Bästenhardt.

In allen genannten Stimmbezirken verbuchte gleichzeitig die CDU besonders heftige Verluste. Das legt nahe, dass viele bisherige CDU-Wähler zur AfD gewechselt sind (und an zweiter Stelle zur FDP). Börstingen ist dafür das dramatischste Beispiel: Hier wurde die CDU praktisch halbiert: von 48,9 Prozent im Jahr 2013 auf jetzt 24,8 Prozent.

Aber auch in mehreren Rottenburger Bezirken verlor die CDU fast 20 Prozentpunkte, vermutlich überwiegend an die AfD (Eckenweiler: minus 19,6, Schwalldorf minus 17, Kreuzerfeld: minus 19). Auch die frühere kernstädtische CDU-Hochburg Festhalle wurde geschliffen (minus 19,6 Prozent) – wovon die AfD allerdings ausnahmsweise kaum profitierte.

Doch woran liegt die Stärke der AfD im Rottenburgischen? Offensichtlich sind es keine spontanen Proteststimmen, denn in allen genannten Bezirken war die AfD auch schon bei der Landtagswahl vor anderthalb Jahren besonders stark. Und sogar schon vor vier Jahren bei der vorigen Bundestagswahl (wenn auch damals noch mit allgemein viel niedrigeren Werten). Anscheinend hat die AfD mittlerweile eine relativ stabile Wählerbasis – allen Spaltungen und Skandalen zum Trotz.

Stabile Basis für die AfD

Neustettens Bürgermeister Gunter Schmid hat schlicht „keine Erklärung“, weshalb die AfD in seiner Gemeinde so gut abschnitt. „Ich kann nicht nachvollziehen, dass bei uns die Unzufriedenheit größer sein soll als anderswo.“ Die Aufnahme von Flüchtlingen sei in Neustetten absolut reibungslos verlaufen. „Das haben wir gut abgearbeitet.“ Die AfD habe in Neustetten auch keinen aktiven Wahlkampf gemacht.

Börstingen schon früher rechts

Und Börstingen? Schließlich blieben die anderen vier Starzacher Ortsteile unauffällig, mit jeweils 12 oder 13 Prozent AfD. Warum dann doppelt so viele in Börstingen? Am Telefon will Bürgermeister Thomas Noé nicht darüber spekulieren. Er wendet sich aber gegen eine „Stigmatisierung“: „Nicht alle AfD-Wähler sind bewusst rechtsradikal.“ Allerdings sei Börstingen auch bei früheren Wahlen „öfter mal durch höhere Voten“ für Rechtsradikale aufgefallen.

Monika Laufenberg, die Vorsitzende des Börstinger Dorfmuseums-Vereins ist zugezogen. Sie sagt: „Das AfD-Ergebnis erschreckt mich, aber es überrascht mich nicht.“ Beim Sonntagsnachmittags-Kaffee vor dem Dorfmuseum werde manchmal ordentlich über „die Politiker“ gebruddelt. Auch Laufenberg erwähnt frühere Börstinger Wahlergebnisse mit einer „relativ braunen Tendenz“ und betont: „auch schon vor der Flüchtlingswelle“. Die syrischen Flüchtlinge, die neuerdings im Dorf leben, seien bisher „noch nie negativ aufgefallen“.

Das sieht Alois Noll anders. Er ist in mehreren örtlichen Vereinen aktiv. In Börstingen seien besonders viele syrische Familien untergebracht, hört er immer wieder. „Und man sieht keine Betreuung für die Leute.“ Generell fühlen sich manche Börstinger eher abgehängt in Starzach. „Wir haben nicht mal mehr einen Vertreter im Gemeinderat.“ Und selbst diese Klage hat Noll am Wahlsonntag gehört: Die CDU-Kandidatin Annette Widmann-Mauz hat oben in Bierlingen Haustür-Wahlkampf gemacht – aber in Börstingen war sie nie.

Die AfD-Wähler zurückholen

Dass solche Details die Entscheidungen der Wähler beeinflussen, kann sich der Rottenburger Oberbürgermeister Stephan Neher (CDU) kaum vorstellen. Für den Wahlkampf habe er „den Wunsch“ geäußert, die CDU möge gezielt in diejenigen Bezirke gehen, „wo die AfD letztes Mal stark war“. Neher: „Da sollten wir Haustür-Wahlkampf machen und die Leute zu uns zurück holen, die früher schon einmal bereit waren, CDU zu wählen.“ Das hat offensichtlich nicht funktioniert. „Erstaunt“ war Neher am Wahlabend, „dass das (Asyl-) Thema noch so präsent ist, obwohl man nicht mehr sagen kann, dass es da noch einen Engpass oder eine Schieflage gibt“.

Für die Analyse der Rottenburger Ergebnisse bringt das jedoch nicht viel: In Eckenweiler beispielsweise sind laut Neher gar keine Flüchtlinge untergebracht. Das hohe AfD-Ergebnis im nördlichen (alten) Kreuzerfeld liegt möglicherweise an dem relativ hohen Anteil von Russlanddeutschen dort (und an deren Sympathien für die AfD). Das sei eine „gewisse Erklärung“, sagte der OB auf Nachfrage. Zugleich leben in dem Gebiet auch besonders viele Senioren (wir berichteten am Samstag).

Als CDU-Kreisvorsitzender bezieht Neher klar Position. Beim Thema Asyl habe die CDU „die CSU-Forderungen bereits zu großen Teilen umgesetzt“. Das habe aber nicht viel gebracht. „Das führt nicht dazu, dass man die AfD-Wähler zurück gewinnt. Die wählen gleich rechtsradikal.“

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26.09.2017, 01:00 Uhr
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26.09.2017

22:04 Uhr

manne12 schrieb:

Und wieder wird verallgemeinert und das übliche Spiel mit der Nazikeule gespielt. Wenn es "links" gibt dann darf es auch eine Mitte und "rechts" davon geben. Und alle drei Spektren einer Politiklandschaft gehören zu einer funktionierten Demokratie dazu! Diese unterschiedlichen Standpunkte sollten miteinander diskutieren und sich gegenseitig anhören. Nur dann können die bestehenden Probleme gelöst werden!. Pauschal die oben genannte Nazikeule zücken und auf das sogenannte rechte/braune Pack draufhauen ist einseitig und weit entfernt von einer demokratischen Streitkultur. Ich bezweifel es stark, das es eine braune Suppe gibt. Hier wird versucht Menschen / Wähler mit ihren berechtigten Sorgen und Ängsten möglichst mundtot zu machen. Vielleicht sollten Sie sich das Buch von Boris Palmer kaufen und lesen und vor allem verstehen! Oder gehört in ihren Augen Herr Palmer auch zu dem braunen Sumpf der Ortsvorsteher und Bürgermeister? In diesem Fall kann ich nur sagen: Oh Herr, lass Hirn regnen;)



26.09.2017

13:24 Uhr

Tatja schrieb:

Schockiert? Verwundert?
Nein, meiner Meinung nach einfach nur über Jahre verdrängt.
Rechte Tendenzen wurden seit Jahren schon von Bürgermeistern oder Ortvorstehern " unter den Teppich gekehrt".
Flüchtlingsproblematik ist für diese Leute oft nur der "Aufhänger", die AFD endlich eine Partei die man sich dann doch eher traut zu wählen , als die NPD.
Braunes Gedankengut schlummert schon lange.
Haben es schon am eigenen Leib spüren dürfen. Jemand der sich gegen rechts ausgesprochen hat wurde sofort ins den "schwarzen Block" gestellt. Jetzt habt ihr eure braune Suppe die schon lange vor sich "hinbrodelt " sichtbar auf Papier.
Wir sind raus aus diesem braunen Morast!
Und ach ja, laut Noe ist ja nicht jeder der AFD wählt rechtsradikal. Stimmt, aber eben rechts! Und bitte merken sie sich für die Zukunft auch: Nicht jeder der sich gegen rechts ausspricht ist linksradikal!
Jetzt wäre es vielleicht dann doch mal Zeit für die politische Bildung etwas zu tun, vorausgesetzt man will es



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