Tübingen · Abitur

Die Abiturienten wollen sich das Feiern nicht verderben lassen

Die Musik der Rapper Sido und Apache207 beschallt am Donnerstagmittag die Uhlandstraße, ein paar Meter weiter klingt Falcos Stimme aus einem tragbaren Lautsprecher. Radfahrer/innen müssen langsam tun, Lehrer und Polizei beaufsichtigen mit Mundschutz und ernstem Blick das feuchtfröhliche Treiben.

28.05.2020

Von loz

Bild: Ulrich Metz

Für die meisten der Tübinger Abiturienten endet mit dem gestrigen Tag die Phase ihrer schriftlichen Prüfungen. „Klar, dass sie erstmal feiern wollen“, sagt Markus Herr, stellvertretender Schulleiter am Kepler-Gymnasium. „Ich verstehe die Schüler gut.“ Aber das Geschehen sei auch problematisch, sagt Herr: „Abstand, Masken – das ist kaum einzuhalten.“

Tatsächlich stehen unweit des Lehrers Abiturienten nah zusammen, trinken Bier, hinterlassen mit Filzstift Lebensweisheiten und Trinksprüche auf den beigen Cargo-Hosen ihrer bald ehemaligen Mitschüler. Fürs TAGBLATT-Foto wird der Abstand eingehalten, die beiden Feiernden, die sich umarmen stellen klar: „Wir sind Brüder, wir dürfen !“

Die 18-jährige Liv, die ihr Abi am Wildermuth-Gymnasium ablegt, hat heute ihre letzte Prüfung in Geschichte geschrieben. „Es war anstrengend.“ Umso mehr stehe nun Feiern auf dem Plan: „Corona nervt dabei natürlich schon. Überall ist Polizei und mahnt uns zum Abstand halten.“ Verderben lassen will sie sich die Party davon aber nicht – genauso wenig wie die Abiturienten am Uhland-Gymnasium. Sie sitzen ein Stück der Uhlandstraße weiter stadteinwärts, unter ihnen der 18-jährige Nikolaj. Warum er hier ist? „Na, zum Feiern“, sagt er verdutzt. „Die Bars haben zu, die Clubs haben zu, also sind wir draußen.“

Wie ist es, in Corona-Zeiten zur Schule zu gehen?
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„Wie ist es in Corona-Zeiten zur Schule zu gehen?“ – diese Frage stellte TAGBLATT-Volontärin Hannah Möller diese Woche Elftklässlern und Abiturienten in der Tübinger Uhlandstraße. Die Antworten der Schülerinnen und Schüler von Kepler- und Uhland-Gymnasium gibt es im Video.

04:02 min

Bevor er und seine Mitschüler den verbleibenden Monat zur Vorbereitung auf die mündlichen Prüfungen nutzen, wollen auch sie es nochmal krachen lassen. Seine Pläne für den Abend beschreibt Nikolaj mit einem Wort: „Saufen! “ Samuel, 17 Jahre alt und Abiturient am Kepler-Gymnasium, will nach den mündlichen Prüfungen erst mal jobben und verreisen: „So weit das bis dahin möglich sein wird“, sagt er.

Sein Mitschüler und Kumpel Maximilian, 18 Jahre alt, ist traurig, dass es kein klassisches Treppenfest geben kann: „Corona nervt natürlich. Das Flair ist weg, das Treppenfest ist weg.“ Doch auch er lässt sich die Stimmung nicht vermiesen: „Wir finden kreative Lösungen.“ So haben sich viele vorgenommen, am Abend auf der Österbergwiese zusammenzukommen – wo man ausreichend Abstand halten könnte.

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Erstellt:
28. Mai 2020, 16:55 Uhr
Aktualisiert:
28. Mai 2020, 16:55 Uhr
zuletzt aktualisiert: 28. Mai 2020, 16:55 Uhr

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