Corona-Regeln

Dicke Luft vor dem Schulstart

Die wichtigsten Corona-Regeln hat das Kultusministerium festgezurrt. Den Lehrern reicht das nicht.

05.09.2020

Von LSW

Eine Schülerin sitzt mit Mund-Nasen-Schutz im Unterricht. Foto: Andreas Arnold/dpa

Stuttgart. Trotz neuer Hygieneregeln für Klassenzimmer und Unterricht sind Kinder und Jugendliche nach Ansicht der Gymnasiallehrer zum Schulstart nicht gut genug vor Corona-Infektionen geschützt. Fenster ließen sich oft aus Sicherheitsgründen nicht vollständig oder gar nicht öffnen, kritisierte der Philologenverband Baden-Württemberg (PhV). Deshalb müssten Raumluftreiniger beschafft werden, um die Aerosolkonzentration niedrig zu halten. Die winzigen Tröpfchen gelten als Hauptgrund für die Ansteckung mit dem Coronavirus.

„Eine solche technische Lösung könnte den Infektionsschutz für alle betroffenen Schülerinnen und Schüler und Lehrkräfte massiv verbessern und Schulschließungen verhindern“, sagte der PhV-Landesvorsitzende Ralf Scholl am Freitag in Stuttgart. Auch das Umweltbundesamt bewerte die Geräte als sinnvolle zusätzliche Maßnahme. Zudem hatten Forscher der Universität der Bundeswehr München einen Raumluftreiniger untersucht und eine Halbierung der Aerosolkonzentration binnen weniger Minuten festgestellt.

Das in der Studie verwendete Gerät kostet allerdings mehr als 4000 Euro. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sieht daher zwar auf lange Sicht ebenfalls die Vorteile eines Raumluftreinigers, ist aber skeptisch mit Blick auf Zeitplan und Kosten. „Die Geräte sind sinnvoll“, sagte der GEW-Landesgeschäftsführer Matthias Schneider. „Aber wenn man sich anschaut, wie die Schulen derzeit ausgestattet sind und wie teuer so ein Reiniger ist, dann ist eine schnelle Umsetzung zum Schulstart unrealistisch.“ Außerdem sei es schwierig, Handwerker für den umgehenden Einbau zu buchen.

Ministerium reagiert verärgert

Das Kultusministerium reagierte verärgert auf die Kritik des PhV. „Wir haben für den Regelbetrieb der Schulen im Rahmen des Pandemiegeschehens ein umfassendes Hygienekonzept mit zahlreichen Hygiene- und Infektionsschutzmaßnahmen erstellt“, sagte Kultusministerin Susanne Eisenmann. „Dieses Konzept sollte sich der Philologenverband vielleicht einmal durchlesen, bevor er die Behauptung in die Welt setzt, dass wir mit der Gesundheit der Lehrkräfte sowie der Schülerinnen und Schüler spielen“, kritisierte die CDU-Politikerin weiter.

Schulträger seien die Kommunen – und diese müssten gewährleisten, dass sich die Fenster an den Schulen öffnen ließen. Schulträger müssten auch selbst entscheiden, ob Lüftungsanlagen eingesetzt würden. „Sie sind etwa dann sinnvoll, wenn eine ausreichende Belüftung der Räume nicht sichergestellt werden kann“, sagte auch Eisenmann.

Die CDU-Spitzenkandidatin für die Landtagswahlen im kommenden März verwies auf die millionenschweren Mittel, die den Kommunen für die Sanierung ihrer Schulen zuständen. dpa

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Erstellt:
5. September 2020, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
5. September 2020, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 5. September 2020, 06:00 Uhr

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