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Dicke Luft durch Holzfeuerung
Symbolbild: Sommer
Feinstaub

Dicke Luft durch Holzfeuerung

Unterjesingen ist nicht so belastet wie im TV-Bericht behauptet. Doch Öfen haben einen überdurchschnittlichen Anteil.

10.03.2017
  • Gernot Stegert

Ist die Luft in Unterjesingen wirklich schlechter als in Peking? Das hatte ein Umweltexperte im ARD-Magazin „Report“ gesagt. Wie gestern bereits berichtet, hat der Kronzeuge Axel Friedrich, ehemals Abteilungsleiter im Umweltbundesamt, Maßeinheiten benutzt, die nicht den internationalen Standards entsprechen. Auch hatte er für Peking keine Vergleichszahlen genannt, sondern nur behauptet, dass Unterjesingens Luft mehr Feinstaub aufweise als die chinesische Großstadt. Die zugänglichen Daten belegen (wie berichtet) das Gegenteil.

Offen blieb, ob Friedrichs Aussage stimmt, dass „bis zu 37 Prozent“ des Feinstaubs (PM10) in dem Tübinger Teilort aus Holzöfen stammt. Das Regierungspräsidium (RP) Tübingen antwortete nun auf die TAGBLATT-Anfrage mit den aktuellsten Zahlen (von 2015). Demnach kam die messende Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW) zu folgenden Ergebnissen für Unterjesingen:

Der Beitrag der Holzfeuerung am PM10-Jahresmittelwert lag bei 19 bis 32 Prozent (4 bis 7 Mikrogramm je Kubikmeter), je nach Tracer (siehe Infobox). In den Wintermonaten betrug dieser Anteil 20 bis 32 Prozent (6 bis 9 Mikrogramm je Kubikmeter). Ein Spitzenwert von „bis zu 37 Prozent“ ist nicht ausgeschlossen, aber das RP teilte mit: „Er ist uns bislang nicht bekannt, weder das Emissionskataster der LUBW noch die Verursacheranalysen der LUBW geben eine Auskunft darüber.“ Üblich sind vor allem Tagesmittelwerte als Angabe. Die tatsächliche Belastung mit Feinstaub aus Holzfeuerung ist in Unterjesingen aber gesunken. 2009 betrug der absolute Wert noch 1,7 bis 13,3 Mikrogramm je Kubikmeter und im Winter 8,0 bis 13,7 Mikrogramm je Kubikmeter.

Der Tagesmittelgrenzwert für PM10 von 50 Mikrogramm je Kubikmeter wurde im Jahr 2015 an 13 Tagen überschritten. Für 10 Tage waren Emissionen der Holzfeuerung mitverantwortlich. Im ersten Quartal 2016 wurden von 6 Überschreitungstagen 3 durch die Holzfeuerung mitverursacht. Insgesamt gab es nur noch 9 Überschreitungstage.

Ob Spitzenwert von 37 Prozent oder nicht: Öfen tragen in Unterjesingen stark zur Luftverschmutzung bei. Die LUBW schreibt in ihrer Studie: „Der Beitrag der Holzfeuerung ist an dieser Messstelle somit deutlich höher als an den anderen Messstellen des Landes.“

Kritisch sehen LUBW und RP auch, dass Friedrich als Maßeinheit für Feinstaub nicht die üblichen Mikrogramm je Kubikmeter Luft genommen hat, sondern die Anzahl von Partikeln. 25000 davon will Friedrich je Kubikzentimeter am vergangenen Freitag in Unterjesingen gemessen haben. Die Mengenangabe sei unüblich, sagte ein RP-Sprecher gestern. Auch deshalb, weil die Größe und Dichte der Partikel eine Rolle spielten und zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen führen könnten. Auch hätten unterschiedliche Geräte einen unterschiedlichen Messbereich – mit entsprechend abweichenden Messergebnissen.

Nachweis des Holzanteils

Der Anteil der Holzfeuerung am Feinstaub wird mit sogenannten Tracern errechnet. Das sind chemische Bestandteile im Feinstaub, die nicht aus einem Auspuff kommen können, sondern nur vom Holz, beispielsweise bei der Verbrennung von Harzen. Ein Stoff zum Nachweis ist Levoglucosan. Die LUBW hat damit gearbeitet.

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10.03.2017, 01:00 Uhr
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