Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Ausstellungen

Dialog in Schwarz und Weiß

Das letzte deutsche Steinkohlebergwerk stellt bald seine Förderung ein. Das thematisieren viele Museen: „Kunst und Kohle“ auch in Bochum.

17.07.2018
  • ULRICH TRAUB

Bochum. Bald ist Schicht im Schacht – wenn auch nicht ganz. Im Ruhrgebiet wird zwar Ende des Jahres mit der Stilllegung der letzten Zeche in Bottrop das lange Kapitel über den Steinkohlebergbau geschlossen. Doch seit Ende 2015 findet man statt Kohle nun ein stattliches Kunstvorkommen unter der Erde.

Das Museum unter Tage (MuT) in Bochum gehört zu den 17 Ruhrkunstmuseen, die zurzeit das Ende des Bergbaus thematisieren. Im Zyklus „Kunst & Kohle“ ist das MuT mit der Schau „Schwarz“ prominent vertreten. Es geht um die Bedeutung dieses Farbtons in der Kunst seit den 60er-Jahren – und dabei auch um Kunst mit Kohle. In den White Cubes der Ausstellung „wird Sehen reflexiv“, erläutert die Kuratorin Friederike Wappler. „Das Ideal des Schwarzen ist nach Adorno inhaltlich einer der tiefsten Impulse von Abstraktion.“

Gerhard Richters berühmter „Halifax“-Zyklus, der 128 Schwarzweiß-Fotos von einen abstrakten Bild zeigt, oder Bruce Naumans Video, in dem er mit schwarzer und weißer Schminke agiert, stellen die Frage nach dem Sichtbaren beziehungsweise dem ästhetischen Schein ebenso wie neue Arbeiten. Von Miles Coolidge sind geprintete Fotos von Kohleflözen zu sehen, während Jan Wawrzyniak minimalistische Kohlezeichnungen beisteuert. Besonders anregend wirkt die Gegenüberstellung von mit Kohlepartikeln partiell gefüllten, transparenten Kuben von Erwin Reusch mit den flächig schwarzen Quadraten auf Papier von Richard Serra.

Beiden Künstlern begegnet man im unmittelbaren Umfeld des Museums häufiger. So hat Reusch die Dimensionen der Ausstellungsflöze des MuT überirdisch durch farbige Stelen kenntlich gemacht. Der Amerikaner ist im Weitmarer Park, in den das Museum unterirdisch integriert wurde, um seinen Grünbestand zu schonen, mit einer Bodenplastik vertreten.

Und dann gibt es ja noch die Stiftung Situation Kunst, den Träger des Kunst-Ensembles, mit eigenen Ausstellungsflächen. Natürlich ist auch hier Richard Serra vertreten. Erstmalig wurden seine gewaltigen Raumteiler auf der Documenta 1972 präsentiert. In Bochum sind sie in einem eigens für sie errichteten Gebäude zu sehen. Diese Ehre ist auch Environments von Maria Nordman und David Rabinowitch zuteil geworden.

Unter Tage

Initiator und Finanzier der stetig gewachsenen Situation Kunst war Alexander von Berswordt-Wallrabe, der frühere Galerist der heute noch einflussreichen Bochumer Galerie m. Auch sie grenzt an den Park. Den ersten Pavillons für Werke aus der Sammlung des Galeristen folgte 2006 ein weiterer, größerer Ausstellungskomplex. Wer ihn betritt, wird in den Dialog von Schwarz (Ad Reinhardt) und Weiß (Robert Ryman) verstrickt. Dann überraschen historische Plastiken und Kunstgegenstände aus Asien sowie ein dunkler Raum mit bis zu 2000 Jahre alten Kultobjekten aus dem heutigen Nigeria: Einübungen in das Fremde. Daneben bespielt Gianni Colombo einen eigenen Raum mit fünf abwechselnd aufscheinenden Lichtquadraten. Für Farbnuancen sorgen Dan Flavins Neonröhren-Objekte, die die weißen Wände des Flures strukturieren.

Zu jener Zeit hatte Berswordt-Wallrabe die Situation Kunst längst den Kunstsammlungen der Ruhr-Universität Bochum angegliedert und sie später in eine Stiftung überführt. Dem zugrundeliegenden Gedanken, einen Ort des Dialogs über Kunst zu schaffen, kommt die Situation Kunst auf herausragende Weise nach. Hier ist ein Arbeitsfeld für Studierende entstanden. Vorträge und Tagungen finden statt und es werden Kooperationen gepflegt. Zudem ist der Eintritt in die Sammlung frei. Mit dem im Kulturhauptstadtjahr 2010 fertiggestellten Multifunktionsgebäude Kubus, dessen opake Glasfassade attraktiv aus den Ruinen des ehemaligen Adelssitzes Haus Weitmar aufragt, und dem MuT hat dieser außergewöhnliche Kunst-Ort seinen vorläufigen Höhepunkt erreicht.

Mäzenatentum im Dienste von Kultur, Wissenschaft und Öffentlichkeit – Bochum hat mit der Situation Kunst einen Ort, um den man die Stadt beneiden darf.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

17.07.2018, 06:00 Uhr
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden

Newsletter-bestellen

· Samstags verschicken wir die News der Woche, unser Klassiker: Die wichtigsten Themen und Geschichten direkt im E-Mail-Postfach. So bleiben Sie auch in der Ferne immer informiert, was in und rund um Tübingen passiert.
· Werktags versenden wir um 9 Uhr die News am Morgen mit den wichtigsten aktuellen Nachrichten.
· Sonntagabend kommt unser Sport-Newsletter mit den wichtigsten Lokalsport-Berichten und Ergebnissen vom Wochenende.

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder sich neu als Benutzer registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter (nur falls Sie weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese) verwendet. Ihre Daten werden nicht an andere Unternehmen weitergegeben.
Nachrichten via Messenger
Die wichtigsten Neuigkeiten aus der Region liefern wir Ihnen auch per WhatsApp & Co. aufs Smartphone. Um diesen Service zu nutzen, öffnen Sie tagblatt.de/whatsapp bitte mit einem entsprechenden Mobilgerät.
Heute meistgelesenNeueste Artikel

Nachrichten aus ...
Reutlingen Wannweil Pliezhausen Walddorfh�slach Ammerbuch T?bingen Dettenhausen Kirchentellinsfurt Kusterdingen Gomaringen Dusslingen Ofterdingen Mössingen Nehren Bodelshausen Hirrlingen Neustetten Rottenburg Starzach Horb
Das Tagblatt bei
Facebook Google+ Twitter Instagram
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesen
Wirtschaft im Profil
Neueste Artikel
Anzeige

Themen-Dossiers

Themen-Dossiers
Single des Tages
date-click
Das Tagblatt als E-Paper

Kontakt zum Kundenservice

Abonnement
07071/934-222
vertrieb@tagblatt.de

Anzeigen
07071/934-444
anzeigen@tagblatt.de

Kontakt zu den Redaktionen

Schwäbisches Tagblatt Tübingen
07071/934-0
redaktion@tagblatt.de

Neckar-Chronik Horb
07451/9009-30
nc@neckar-chronik.de

Tagblatt Online         
07071/934-314
online@tagblatt.de

Steinlach-Bote Mössingen
07473/9507-0
sb@tagblatt.de

Rottenburger Post
07472/1606-16
ro@tagblatt.de

Reutlinger Blatt
07121/3259-50
rt@tagblatt.de

Tagblatt Anzeiger
07071/934-344
tagblatt-anzeiger@tagblatt.de

Wirtschaft im Profil
07071/934-166
wip@tagblatt.de


Oder nutzen Sie unser Kontaktformular