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Dialekt nur am Küchentisch
Erfolgreich trotz Dialekt: Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Foto: dpa
Karriere

Dialekt nur am Küchentisch

Für den beruflichen Erfolg zum Sprachkurs? Wer später eine Führungsposition anstrebt, sollte in der Lage sein, Hochdeutsch zu reden. V

20.03.2017
  • ANNE LAASS

Wir können alles. Außer Hochdeutsch. Dieser Werbeslogan steht für Baden-Württemberg. Er vermittelt den Eindruck, dass Dialekt im Beruf und für die Karriere nicht hinderlich sind. Oder doch? Immerhin schneidet Schwäbisch in Umfragen zur Beliebtheit von Dialekten meist schlecht ab. Regelmäßig landet es mit Sächsisch auf dem letzten Rang.

Vorurteile machen vor Dialekten keinen Halt. So werden gewisse Eigenschaften mit den Menschen, die eine Mundart sprechen, verbunden. Schwaben sollen geizig, aber sehr fleißig sein. Grundsätzlich gilt, breiter Dialekt am Küchentisch ist okay, in der Führungsetage eines internationalen Unternehmens aber fehl am Platz, sagt Hans-Joachim Richter, Geschäftsführer der Personalberatung Heidelberger-Richter in Stuttgart. Es sei auch grenzwertig, mit jemandem aus Hannover breites „Schwäbisch zu schwätzen“, erklärt er.

Wie spricht der Chef?

Menschen, die Führungspositionen bekleiden, redeten eh meist nahezu dialektfrei. Ausnahmen gibt es zum Beispiel in der Politik – wie EU-Kommissar Günther Oettinger, der wegen seines breiten Dialekts schon oft belächelt wurde, aber dennoch Karriere machte. Mundart ist also kein Ausschlusskriterium. Wer unsicher ist, wie viel Schwäbisch am Arbeitsplatz in Ordnung ist, sollte sich bei kleineren Unternehmen an der Frage orientieren: „Was spricht der Chef?“ Wer hingegen in einer größeren Firma im Vertrieb Karriere machen möchte, sollte Kategorie 5 nicht überschreiten, sagt Richter.

Kategorie 5? Der Personalberater stuft Dialekte in einer Skala von 0 bis 10 ein. Wer 10 erreicht, sollte für sein berufliches Vorankommen einen Sprachlehrgang absolvieren, findet er. Es komme zwar darauf an, was die Kunden sprechen, aber breiter Dialekt sollte in jedem Fall vermieden werden. Der Grund dafür ist simpel: Mundart, in die man sich erst reinhören muss, ist mühsam, so Richter.

Hochdeutsch dazu lernen

Schwäbisch-Schwätzer sind aber beileibe nicht dümmer als der Rest. Mundart sagt nichts über das Bildungsniveau eines Menschen aus, erklärt Hubert Klausmann, Professor der Universität Tübingen. Dialekt habe seine eigene Grammatik und Ausdrucksweise und darin liege auch ein Vorteil: „Man tut sich immer leichter, wenn man schon zwei Sprachen hat und man eine dritte lernt.“ Wer Schwäbisch und Hochdeutsch beherrscht, kann also quasi schon eine Fremdsprache fließend.

Die Frage, ob Dialekt unpassend ist, lasse sich nicht verallgemeinern, ergänzt Klausmann. Es kommt auf die Menschen, das berufliche und private Umfeld an. Wobei es in Deutschland kein Hochdeutsch gibt, sondern verschiedene Standardsprachen. Für Menschen, die mit der Mundart des Südens nicht vertraut sind, klingt daher alles dialektbehaftet, so Klausmann. Dabei gebe es verschiedene Abstufungen, inklusive Hochschwäbisch.

Grundsätzlich sei gegen Mundart am Arbeitsplatz nichts einzuwenden, findet wiederum Joachim Stroh, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit bei der Nürtinger Firma Zinco. Denn: „Dialektgefärbte Kommunikation ist was Schönes.“ Allerdings: Einige Mitarbeiter von Zinco, Spezialist für Dachbegrünung und Absturzsicherung, nahmen als Fortbildungsmaßnahme an einem Kommunikationskurs am Fon-Institut in Stuttgart teil. Gegründet wurde dieses 2003 von Ariane Willikonsky. Willikonsky kam durch den baden-württembergischen Werbeslogan auf die Idee, Kurse anzubieten und machte sich als Logopädin selbstständig.

Das Konzept ging auf. Heute hat das Unternehmen mehrere Standorte. Zum Programm gehören auch Rhetorik und Kommunikationstraining. Bei den Kursen gehe es aber nicht darum, den Dialekt abzutrainieren, sondern „hochdeutsch dazu zu lernen“, macht Willikonsky deutlich.

Sie sieht einen beruflichen Vorteil darin, wenn jemand in der Lage ist, zwischen Mundart und Hochdeutsch zu wechseln. „Vorträge sind viel ökonomischer, wenn sie nicht im Dialekt gehalten werden“, sagt sie. Wobei Mundart durchaus auflockern kann, wenn sie jeder versteht. Für die Karriere ist es Willikonsky zufolge wichtig, die Variationen einer Mundart zu beherrschen: vom breiten Schwäbisch über die latente Form bis zur Hochsprache.

Gespür ist wichtig

Die Frage, ob Mundart bei Zinco zum Karrierehindernis werden kann, wollte Joachim Stroh nicht pauschal beantworten. In einem Vorstellungsgespräch entscheide für ihn nicht der Dialekt. „Es wäre profan, Menschen darauf zu reduzieren.“ Man brauche einfach ein Gespür dafür, wann welche Form des Dialekts angebracht ist, erklärt Personalberater Hans-Joachim Richter dazu. Aber es gelte: „Breiter Dialekt ist ein Karrierehindernis.“ Für eine erfolgreiche Berufslaufbahn ist es ihm zufolge allerdings auch wichtig, authentisch zu bleiben. Zwanghaft zu versuchen, hochdeutsch zu reden, könne anbiedernd wirken und wirke dann negativ. Kommunikationskurse könnten grundsätzlich helfen, die Karriereleiter hochzuklettern.

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20.03.2017, 06:00 Uhr
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