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Deutschland wird heißer, nasser und windiger
Da hilft auch kein Eis: An extreme Hitze muss man sich in Deutschland langfristig gewöhnen. Foto: dpa
Studie im Auftrag des Bundestages zeigt: Der Klimawandel ist bei uns angekommen

Deutschland wird heißer, nasser und windiger

Klimawandel lässt nicht nur die Eisberge rund um den Nordpol schmelzen. Ein Papier des Bundestags zeigt, wie drängend das Problem auch bei uns schon ist.

02.08.2016
  • TERESA DAPP, DPA

Berlin. Eis essen und baden gehen, aber den Regenschirm einstecken und bloß nicht die Dachfenster offen lassen: Das ist der Sommer 2016 mit seinen ständigen Wetterkapriolen. Die dramatischen Hochwasser-Bilder etwa aus Braunsbach in Baden-Württemberg sind erst ein paar Wochen alt. Bilanz der Versicherer für die Unwetter im Mai und Juni: 1,2 Milliarden Euro Schaden. Ganz schön viel Regen im Vergleich zum letzten Jahr, als eine dreimonatige Hitzewelle die Deutschen schwitzen ließ. Und für beide Sommer gilt: Ganz schön extrem.

Überschwemmungen, Stürme und Hagel, aber auch Hitze und Dürre sind gefährlich und teuer. Und sie werden häufiger, wie der Wissenschaftliche Dienst des Bundestags dokumentiert hat. Zahlen des Rückversicherers Munich Re zeigen einen Anstieg von ungefähr zehn Naturkatastrophen pro Jahr in Deutschland Anfang der 70er Jahre auf mehr als 30. Den größten Anteil haben Stürme, aber auch extreme Temperaturen, Trockenphasen und Hochwasser gehören dazu.

Ein Grund dafür: Es wird immer wärmer. Die Mitteltemperatur ist in Deutschland seit 1881 um etwa 1,4 Grad gestiegen. Das sei viel, sagt der Klimaexperte Peter Hoffmann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). „Ein Grad mehr kann enorme Auswirkungen auf die Bildung von Niederschlag haben oder das Abschmelzen von Gletschern.“ Richtig spürbar sei der Anstieg für Menschen zwar nur an Extremen, aber die Folgen seien sichtbar: „Zum Beispiel verschiebt sich die Schneesicherheit in den Bergen in immer höhere Lagen.“

2015 war weltweit das heißeste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen – laut dem PIK-Forscher ist das „mit extrem hoher Wahrscheinlichkeit“ eine Folge des von den Menschen ausgelösten Klimawandels. Denn Treibhausgase in der Atmosphäre lassen Wärme, die die Erde abstrahlt, nicht zurück ins All entweichen. Wärmere Luft kann mehr Wasser aufnehmen, so dass es zu heftigeren Regenfällen kommen kann. Dass sich die Atmosphäre unregelmäßig erwärmt, hat ebenfalls Einfluss auf Wetterlagen.

Die Zahl der Tage, an denen es über 30 Grad heiß wird, steigt vor allem seit den 1980er Jahren. Zugleich nimmt die Zahl der Wintertage ab, an denen die Temperatur nicht über Null Grad steigt. Vergangenes Jahr gab es mit 40,3 Grad einen neuen deutschen Temperaturrekord. „Abgesehen vom Jahr 1996 waren alle Sommer der letzten zwanzig Jahre wärmer als im Referenzzeitraum 1961-1990“, heißt es im Papier des Bundestags, über das zunächst die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet hatte.

Die Grünen im Bundestag, die die Zahlen-Zusammenstellung in Auftrag gegeben haben, werfen der Bundesregierung Versäumnisse beim Klimaschutz vor. „Die Klimakrise ist real und bedroht uns auch in Deutschland“, sagt Oliver Krischer, Energieexperte der Fraktion. Die Bundesregierung subventioniere trotzdem weiter die besonders klimaschädliche Stromerzeugung aus Kohle. Der Politiker fordert: „Damit muss endlich Schluss sein“, Klimaschutz müsse wieder ernst genommen werden.

Kurzfristig könnte das aber die Zunahme von Wetterextremen nicht stoppen. „Das wird wohl auf jeden Fall weitergehen“, sagt Hoffmann vom PIK. Denn das Klima sei träge – und die Treibhausgase, die jetzt schon in der Atmosphäre seien, führten bis Mitte des Jahrhunderts zu einem Anstieg der Temperatur. Was aber nicht heißt, dass es einfach weiter gehen sollte wie gehabt: „Was man jetzt versäumt beim Klimaschutz, wird noch später Probleme bereiten.“

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02.08.2016, 06:00 Uhr
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