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"Jetzt sind wir richtige Nationalspieler"

Deutschland-Cup für die Augsburger Eishockey-Debütanten Kettemer, Kohl und Olver wie ein Märchen

Der Deutschland-Cup war Experimentierfeld für Eishockey-Bundestrainer Uwe Krupp. Ausgerechnet der kleinste DEL-Klub stellte das größte Kontingent.

15.11.2010
  • JOCHEN WEIS

München "Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht darauf angesprochen werde", sagt Uwe Krupp, der Trainer der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft. Was er meint: Auch ein halbes Jahr nach dem sensationellen vierten Platz bei der Heim-WM ist das "Frühjahrsmärchen" noch allgegenwärtig.

Doch genau genommen gab es im Frühjahr zwei dieser Märchen. Das andere hatten zuvor die Augsburger Panther geschrieben, das Low-Budget-Team der DEL, das nicht weniger sensationell über die Play-Offs bis ins Finale um die deutsche Meisterschaft vorgestoßen war und dort erst den Hannover Scorpions klein beigeben musste.

Jetzt, beim Deutschland-Cup in München, traf sozusagen Märchen auf Märchen. Zusammen mit den Mannheimern stellten die Augsburger mit jeweils vier Spielern das größte Kontingent in der Krupp-Truppe. Mit drei Länderspiel-Novizen - die beiden Verteidiger Florian Kettemer (24) und Benedikt Kohl (22) sowie Torjäger Darin Olver (25) - hatte der Klub gar die meisten der acht Debütanten abgestellt. "Eine super Sache", wie Dennis Endras, der Nationaltorhüter in Augsburger Diensten, befindet. "Nun muss ich nicht mehr so alleine in der Weltgeschichte herumreisen", meint der Sonthofener mit Augenzwinkern. "Aber im Ernst: Die Jungs haben sich ihre Nominierung absolut verdient. Dass sie Eishockey spielen können, haben sie inzwischen ja hinlänglich bewiesen."

Auch wenn das Trio letztendlich von vielen verletzungsbedingten Absagen der etablierten Kräfte in der DEB-Auswahl profitierte, schmälerte es nicht die Freude, endlich zum erlauchten Kreis der Nationalspieler zu gehören. "Vor dem ersten Spiel sind wir in der Kabine gesessen und haben uns angeschaut, als ob Weihnachten wäre", erzählt Kettemer, "danach hatten wir uns gesagt: Jetzt haben wir es geschafft, endlich sind wir richtige Nationalspieler." Dass sein Verteidiger-Kollege gleich noch ein Tor zum 4:3 gegen Kanada beigesteuert hatte, war sozusagen die Krönung des Ganzen. "Es ist toll, dass uns Uwe Krupp sein Vertrauen schenkt und uns auch in Über- und Unterzahl-Situationen einsetzt", meinte Kohl nach dem 2:3 gegen die Slowakei.

Der große Unterschied zur DEL? "Alles läuft schneller, geradliniger, mit vielen Checks und Zweikämpfen. Der Stil in der Nationalmannschaft ist sehr nordamerikanisch geprägt", erzählt Olver, nach dem die Hamburg Freezers die Fühler ausgestreckt haben.

Ob Krupp das Trio auch weiterhin berücksichtigt, wird sich weisen. Immerhin verkörpern die drei Augsburger Kämpfertugenden, die der Coach an seinen Spielern schätzt: Nie aufgeben. Kettemer, ein begnadeter Schlittschuhläufer aus der Kaufbeurer Schule, hatte sich zur vorigen Saison per Förderlizenz über den damaligen Zweitligisten EHC München ins Augsburger DEL-Team hochgearbeitet. Kohl, ein Berchtesgadner, hatte zunächst von den Mannheimer Jung-Adlern aus den Sprung in die DEL verpasst, war in der zweiten Liga bei Heilbronn gelandet, ehe ihn die Augsburger zur Saison 2008/09 per Leihgeschäft an den Lech holten, wo er sich längst als eine feste Größe etabliert hat.

Der Deutsch-Kanadier Olver schließlich hatte bei seiner ersten DEL-Station 2008/09 in Straubing noch die Seuche am Stock, kam dort auf gerade einmal zwei Tore und neun Vorlagen - explodierte aber in der vergangenen Runde förmlich, war mit insgesamt 73 Punkten (30 Tore, 43 Vorlagen) der Topscorer seines Teams. Nach 16 Partien führt er auch aktuell mit 26 Zählern (10/16) wieder die Torschützenliste des Vizemeisters an. Zwar gibt sich Krupp bedeckt über die Zukunft der drei Augsburger, hält aber dennoch alle Türen offen: "Es gibt bei den Neuen keinen, der sich nicht empfohlen hätte."

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15.11.2010, 12:00 Uhr
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