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Biotechnologie

Deutsche Unternehmen im Hintertreffen

Trotz Rekordumsätzen zieht die Konkurrenz aus den USA davon.

17.04.2018

Von ROLF OBERTREIS

Experten fordern Förderung für die Biotechnologie-Branche. Foto: © kkolosov - fotolia.com

Frankfurt. Die deutsche Biotechnologie-Branche hinkt im Vergleich mit anderen Ländern in Europa hinterher, und auch der Abstand zu den Vereinigten Staaten hat sich in den vergangenen 20 Jahren vergrößert. „Das ist erschütternd. Der große Sprung der Branche in Deutschland nach vorne bleibt aus“, sagte Siegfried Bialojan, Experte vom Life Science Center der Unternehmensberatung Ernst&Young.

Zusammen mit Peter Heinrich, Chef des Branchenverbandes BIO Deutschland, legte er am Montag in Frankfurt den jüngsten Biotechnologie-Report vor. Das Fazit: In Deutschland werde das Potenzial der Branche und der Wissenschaft bei weitem nicht genutzt. Von der Bundesregierung fordern die Experten deutlich mehr Unterstützung, etwa bei der Forschungsförderung.

Dabei sehen die Zahlen der Branche für das vergangene Jahr sehr gut aus. Der Umsatz der rund 650 deutschen Biotech-Firmen mit ihren 25?900 Beschäftigten (plus 12 Prozent) kletterte um 8 Prozent auf den neuen Rekordwert von 4 Mrd. EUR.

Wenige neue Firmen

Trotzdem ist man in der Branche über die Entwicklung enttäuscht. Die Zahl neuer Biotechfirmen steigt nur langsam. Generell waren die Wachstumsraten in den vergangenen Jahren höher. Zum anderen schrumpfte das Risiko-Kapital für junge Biotech-Start-Up-Unternehmen von 213 Mio. auf 201 Mio. EUR. Auch die Investitionen in Forschung und Entwicklung gingen um 3 Prozent auf 1,2 Mrd. EUR zurück.

Ganz anders sieht es nach Angaben von Bialojan in anderen Ländern Europas aus. In Frankreich machten etwa Risikokapital-Geber für die Biotechs im vergangenen Jahr 250 Mio. EUR locker, ein Plus von 85 Prozent. In Großbritannien waren es 672 Mio. EUR und in der Schweiz 450 Mio. EUR. In den USA wurden im vergangenen Jahr 2,56 Mrd. Dollar (2,08 Mrd. EUR) neu für Biotech-Firmen bereitgestellt.

Wenn in Deutschland in Biotechfirmen investiert wird, kommt das Geld meist von ausländischen Fonds und Investoren. Von deutscher Seite aktiv waren dem Report zufolge im vergangenen Jahr unter anderem Dievini, die Hopp Biotech Holding von SAP-Gründer Dietmar Hopp und Boehringer Ingelheim und Evotec.Die meisten Neugründungen von Biotechfirmen gab es 2016 und 2017 mit sechs in Berlin/Potsdam und in München (zusammen mit Planegg, Starnberg und Martinsried). In Baden-Württemberg waren es fünf, in Ostdeutschland dagegen nur drei.

„Ein Ruck ist nötig“

Bialojan und Heinrich zufolge bedarf es eines gemeinsamen Engagements von Politik und Gesellschaft, um die Branche richtig nach vorne zu bringen. „Wir brauchen einen Ruck.“

Rolf Obertreis

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Erstellt:
17. April 2018, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
17. April 2018, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 17. April 2018, 06:00 Uhr

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